Risiko Hebräerbrief?

Der frühe Martin Luther entdeckte: Teile des Hebräerbriefs bergen ein Risiko für Heilsgewissheit und Glaubensfreude. Wir prüfen nach. Ist seine Warnung berechtigt?

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Vorbemerkung: Dieser Beitrag ist auch als VIDEO („Hebräerbrief – Risiko & Hoffnung“) abrufbar. Im VIDEO sind die Inhalte thematisch angeordnet [1.Gruppe: die Warnungen und Drohungen / 2.Gruppe: die Qualität der Trostworte], was viele Leser gegenüber der unten stattfindenden Untersuchung  in der Form einer Vers-für-Vers-Tabelle bevorzugen werden. 

Dieser thematisch strukturierte Text ist auch verfügbar als


hier: PDF-Broschüre

(Titelseite farbig / inkl. einem Kurzbeitrag im Anhang „Inwiefern war Jephta tatsächlich ein Glaubensheld (Hebr 11,32)?“ und zusätzlich zwei kommentierten Quellen zur Kanongeschichte:  „Kanon Muratori“ und „Offenbarung des Petrus“).

Zu diesem Thema gibt es inzwischen auch für den Beamer eine Präsentation incl. Handout (ODP / PDF). Das Handout enthält auf 2 Schreibmaschinenseiten die wesentlichen Argumente für die Beurteilung der Risiken des Hebräerbriefes, die im folgenden im Detail und gut begründet ausgeführt werden..


 

Handy-Picture

Und nun im folgenden der Beitrag „Risiko Hebräerbrief“ incl. einer tabellarischen Kommentierung: 

1. Wie beurteilte Martin Luther den Hebräerbrief und warum?
2. Was  ist die spezielle Besonderheit des Hebräerbriefes?
3. Der spät eingefügte Hebräerbrief – ein Versehen bei der Kanonbildung?
4. Ist der Hebräerbrief ungefährlich, weil er nur an „die Juden“ adressiert ist?
5. Haben wir Angst vor Fragen, die gestellt werden müssen?
6. Der Hebräerbrief enthält auch viel Wahres und Gutes!
7. Wem schadet der Hebräerbrief besonders?
8. Die Untersuchung des Hebräerbriefes Vers-für-Vers
8a. Am Rande des Abgrunds: nie ohne Sicherungsseil!
8b. Der Blick in den Abgrund – die Drohungen des Hebräerbriefes
9. Das Ergebnis der Untersuchung (Zusammenfassung)
10. Aufschlussreiche Kommentare des „tonangebenden“ Bibellehrers N.N.




1. Wie beurteilte Martin Luther den Hebräerbrief und warum?

Martin Luther war nicht nur Bibelübersetzer sondern auch ein engagierter Seelsorger. Er kannte den Schrecken der Höllenangst aus eigener bitterer Erfahrung. Ihm war es wichtig anderen Menschen dieses Leid, das durch ein Missverstehen der Bibel verursacht war, zu ersparen. Auf der Wartburg, wo er sich vor seinen Verfolgern versteckte, übersetzte er für jedermann verständlich die Bibel in die Deutsche Sprache. Doch wie vielen Gläubigen ist bekannt, dass Luther dem Hebräerbrief in der Bibel eine Vorrede mitgab, um seine Leser vor ähnlichen Missverständnissen zu bewahren? Ich glaube kaum jemand. Das erstaunt, denn die Vorrede Luthers ist es wert, überprüft zu werden.

Luther beurteilte in seiner Vorrede den Hebräerbrief als „aus verschiedenen Stücken zusammengesetzt“. Was meinte er damit? Zum ersten hat Luther im Hebräerbrief eindeutig inspirierten Text gefunden. Manche der Sätze sind so klar, so wahr und so genial formuliert, dass man sie als „Juwelsprüche“ bezeichnen könnte. Wer sie hört, ist beeindruckt und denkt sogleich: Besser kann man eine geistliche Wahrheit nicht ausdrücken. Es ist nachvollziehbar, warum diese Juwelsprüche bei vielen Gläubigen gut bekannt sind. Anders verhält es sich mit anderen Texten des Hebräerbriefes, die von Luther, der sehr empfindlich auf eine Schwächung der Heilsgewissheit reagierte, aus seelsorgerlicher Sicht als bedenklich eingestuft wurden.

Die Frage, die sich jedem verantwortlich denkenden Bibellehrer stellen sollte, ist diese: ob die Bedenken Luthers überzeugend entkräftet werden können.

Es ist schon erstaunlich. Martin Luther war ein entschiedener Fundamentalist. Er glaubte felsenfest an die Fehlerlosigkeit und Heiligkeit der Bibel. Der Satz „Das Wort sie sollen lassen stahn“ aus dem bekannten Reformationslied „Ein feste Burg ist unser Gott“ ist allgemein bekannt.

Warum sah sich nun Martin Luther gezwungen, bereits in seiner ersten Ausgabe des Neuen Testamentes im Jahre 1522 den Hebräerbrief als einen aus Stücken verschiedener Qualität zusammengesetzten Text zu bezeichnen, in einigen Teilen ohne jeden Zweifel inspiriert, in anderen Teilen aber eine mit Mängeln behaftete Predigt, vor der gewarnt werden muss. Ausgerechnet Martin Luther, der doch ansonsten Kritik an Gottes Wort nicht duldete. Wer hätte das von einem Mann erwartet, der um der seelsorgerlichen Verantwortung und um des Gewissens willen immer wieder sein Leben aufs Spiel gesetzt hatte! Frage: Was nur bewegte ihn dazu?

Die Kritik Martin Luthers ist geradezu vernichtend. In seiner Vorrede warf er dem Autor des Hebräerbriefes vor, dass er teilweise „wider alle Evangelien und Briefe des Paulus“ geschrieben habe. Wider (= gegen) alle Evangelien – das heißt gegen die Glaubensfreude, gegen die Heilsgewissheit, gegen die Freiheit des Christen geschrieben.

Ist das nur Luthers Privatmeinung? Eine Übertreibung?  Es scheint zunächst so, denn in bibeltreuen Gemeinden ist diese Warnung größtenteils unbekannt. 

Bibeltreue Gläubige pflegen Luthers  Einschätzung, falls sie ihnen doch einmal mitgeteilt wird, ohne tieferes Nachdenken als belanglos einzuschätzen. Gibt es nicht bei jeder Schrift der Bibel irgendetwas, an dem man sich stoßen kann und das dann üblicherweise einfach nicht beachtet wird?

Diesem bewährten Verfahren steht eine auffällige Besonderheit des Hebräerbriefes entgegen.

 

2. Was nun ist die spezielle Besonderheit des Hebräerbriefes?

Folgende These steht zur Diskussion und Überprüfung:

Der Hebräerbrief enthält als einziger neutestamentlicher Text Warnungen, die sich ausdrücklich an bereits bewährte Christen richten (vgl. Hebr 10,34). Diese Warnungen sprechen von einem endgültigen Verlust des Heils, der nach dem Verständnis des Verfassers noch zu Lebzeiten eintreten könne. Der Brief beschreibt eine Form des Abfalls, die selbst durch spätere, tief empfundene Reue nicht rückgängig gemacht werden könne.

Für die betroffenen Gläubigen bliebe nach dieser Darstellung nur eine einzige Zukunftsperspektive: die endgültige Trennung von Gott. Der Hebräerbrief fordert deshalb zu einer außergewöhnlichen Hingabe auf, um diesen beschriebenen Abfall zu vermeiden.

Glaubensfreude, Dankbarkeit für die Liebe Jesu und Einsicht in den Unwert eines ichbezogenen Lebens werden im Hebräerbrief nicht als primäre Motivation der Nachfolge dargestellt. Die Betonung liegt auf der Sünde, die unter allen Umständen vermieden werden müsse, um nicht in die beschriebene endgültige Gottesferne zu geraten.

Was genau diese Sünde ist, wo die Grenze verläuft, deren Überschreiten nach dem Hebräerbrief mit einem endgültigen Verlust der Vergebung verbunden wäre, bleibt unklar. Der Brief begnügt sich mit Andeutungen und zieht Vergleiche zum Alten Testament, die unterschiedliche Interpretationen zulassen.

Immer wieder berichten gutwillige und opferbereite Gläubige – darunter auch Martin Luther – dass sich der Hebräerbrief trotz mancher zweifellos wertvoller Aussagen störend auf Glaubenszuversicht und Freude ausgewirkt habe und manche Christen sogar in ängstliche Werkgerechtigkeit oder tiefe Verunsicherung geraten seien. Luther sah hier eine seelsorgerliche Verantwortung.

Werkgerechtigkeit? Paulus hat eindringlich davor gewarnt – vor diesem schleichenden Einfluss, diesem „Sauerteig“ (Gal 5,9), der unmerklich den Glauben durchdringen kann. Er schreibt: „Aber nicht einmal wir selbst oder ein Engel aus dem Himmel darf euch irgendetwas als Evangelium verkündigen, das dem widerspricht, was wir euch gebracht haben. Wer das tut, der soll verflucht sein!“ (Gal 1,8–9).

Paulus hielt es offenbar für möglich, dass sogar unter seinem Namen Texte in Umlauf kommen könnten, die die Glaubensfreude gefährden. Deshalb fordert er die Gläubigen auf, alle späteren Texte an den Kernaussagen des Evangeliums zu prüfen.

Es geht also nicht um leichtfertiges Zweifeln, um anmaßende Intellektualität, die den Glauben der Gläubigen zu erschüttern sucht. Der Glaube ist ja bereits erschüttert, wenn gutwillige Gläubige bezeugen, dass Glaubensfreude und Glaubenszuversicht durch einen Text erheblich beschädigt wird, ja in Einzelfällen zugrunde zu gehen droht.

 

3. Der spät eingefügte Hebräerbrief – ein Versehen bei der Kanonbildung?

Dass der Hebräerbrief noch in der vierten Generation nach den Aposteln – also zu einer Zeit, in der die Urenkel der ersten Christen lebten – im Zentrum des westlichen Christentums, in Rom, nicht als inspiriert betrachtet wurde, erfahren wir aus dem ältesten überlieferten Kanonzeugnis, dem Kanon Muratori (ca. 140–154 n. Chr.). Dieser enthält den Hebräerbrief nicht. Stattdessen führt er die sogenannte „Offenbarung des Petrus“ an, eine Schrift mit sehr drastischen Jenseitsdarstellungen, die damals in einigen Gemeinden, besonders im Osten, große Verbreitung fand.

Der Kanon Muratori berichtet, dass diese Schrift in Rom von vielen Christen als geeignet angesehen wurde und im Gottesdienst gelesen wurde. Sie wurde später nicht in den endgültigen Kanon aufgenommen, zeigt aber, wie breit das Spektrum der Texte war, die in der frühen Kirche als mögliches Gotteswort diskutiert wurden.

Dieser Blick in den Prozess der Kanonbildung macht eine wichtige Beobachtung möglich:

(a) Die frühe Kirche war offen für Texte, die das Thema Gericht und Jenseits sehr eindringlich und teilweise übersteigert darstellten.
(b) Daher ist es nicht ausgeschlossen, dass solche Interessen auch den Prozess der Kanonbildung beeinflusst haben.

Wenn der Hebräerbrief im Kanon Muratori noch gar nicht enthalten war und erst später als kanonisch anerkannt wurde, stellt sich die Frage, ob man sicher ausschließen kann, dass solche Tendenzen bei seiner Aufnahme keine Rolle spielten.

Martin Luther folgte mit seiner Einschätzung Teilen der frühen Kirche, die den Hebräerbrief ebenfalls nicht als inspiriert betrachteten. Erst im 4. Jahrhundert nach Christus – auf den Synoden von Laodicäa (363) und Hippo (393) – wurde der Hebräerbrief allgemein in den Kanon aufgenommen.

Wer waren die Christen, die diese Entscheidung trafen?

Wir wollen uns das zur besseren Veranschaulichung auf einer Zeitleiste ansehen:

ca. 30–33 n. Chr.: Tod und Auferstehung Jesu

ca. 64 n. Chr.: Petrus wird in Rom hingerichtet

140–154 n. Chr.: Kanon Muratori entsteht – ohne Hebräerbrief

363/393 n. Chr.: Synoden von Laodicäa und Hippo nehmen den Hebräerbrief in den Kanon auf

Zwischen Petrus und der endgültigen Aufnahme des Hebräerbriefes liegen 11 bis 12 Generationen. Erst dann entschied sich der westliche Teil der Kirche, den Hebräerbrief als inspiriert anzuerkennen. In syrischen und armenischen Gemeinden blieb er sogar bis ins 6. bzw. 7. Jahrhundert umstritten.

Wenn Christen der 11. Generation diesen Text prüften und ihre Entscheidung trafen, warum sollten Christen heute nicht ebenfalls prüfen dürfen? Es waren Menschen „wie du und ich“, ohne persönlichen Kontakt zu den Aposteln.

Die Verheißung geistlichen Verständnisses gilt nach 1Kor 2,10ff jedem Gläubigen, der sich vom Heiligen Geist leiten lässt. Sie gilt also auch heute. Und Gläubige heute verfügen über 2000 Jahre Kirchengeschichte, die zeigt, wie sich bestimmte Texte langfristig ausgewirkt haben.

Manche Christen wenden ein, dass die Offenbarung davor warnt, etwas „von den Worten dieser Weissagung wegzunehmen oder hinzuzufügen“ (Offb 22,18–19). Diese Warnung bezieht sich jedoch ausdrücklich nur auf das Buch der Offenbarung. Die frühe Christenheit hat sie auch so verstanden: Die Mehrheit der Christen in Rom stellte der Offenbarung des Johannes die „Offenbarung des Petrus“ zur Seite, ohne sich durch deren drastische Darstellungen irritieren zu lassen. Erst später wurde diese Schrift wieder verworfen.

Das Verbot „etwas hinzuzufügen“ könnte daher ebenso gut auf den Hebräerbrief selbst bezogen werden, zumal er über viele Generationen hinweg umstritten blieb.

Die Christen des 3. Jahrhunderts, die über seine Aufnahme berieten, waren Gläubige „wie du und ich“. Die ältesten Dokumente des Neuen Testaments – der 1. Thessalonicherbrief („Prüfet alles!“) und der Galaterbrief (Warnung vor einem „anderen Evangelium“) – geben den Maßstab vor, an dem alle später entstandenen Texte zu prüfen sind.

Martin Luther, der sich mit äußerstem Einsatz um Gehorsam bemühte, empfand einige Abschnitte des Hebräerbriefes selbst nach der Entdeckung der Glaubensgerechtigkeit als so belastend, dass er ihn schließlich nicht mehr als verbindlichen Teil der Bibel anerkennen konnte. Wegen dieser Wirkung kommen bis heute Gläubige in seelsorgerliche Not.

Bis heute wurde Martin Luthers Kritik am Hebräerbrief nicht widerlegt.

Ist das nicht Anlass genug, den Hebräerbrief sorgfältig zu prüfen?
Wie kann man Gläubige, die durch ihn ihre Glaubensfreude verloren haben, davon überzeugen, dass ihre Ängste unbegründet sind?

 

4. Ist der Hebräerbrief ungefährlich, weil er „nur an die Juden“ adressiert ist?

Viele Gläubige entschärfen den Hebräerbrief mit dem Hinweis, er sei speziell „an die Hebräer“ gerichtet und betreffe daher Heidenchristen nicht unmittelbar. Diese Auffassung ist nach neueren Erkenntnissen jedoch nicht haltbar. Die sehr alte Überschrift ist zwar überliefert, aber es ist nicht sicher nachzuweisen, dass sie von Anfang an zum Brief gehörte (vgl. Wuppertaler Studienbibel, 1983, S. 19).

Selbst wenn die Überschrift ursprünglich wäre, würde dies nicht bedeuten, dass die Inhalte ausschließlich für jüdische Christen gelten. Paulus selbst verwendet die Geschichte Israels als warnendes Beispiel für nichtjüdische Christen in Korinth (1Kor 10,1–13). Ebenso zieht er aus jüdischen Gesetzen Anwendungen für heidenchristliche Gemeinden (1Kor 9,9).

Die Frage nach der Adressatenüberschrift entscheidet daher nicht darüber, ob die Warnungen des Hebräerbriefes auch für heutige Christen relevant sind.

Dennoch wird immer wieder vertreten, der Hebräerbrief richte seine eindringlichen Warnungen ausschließlich an „unbekehrte Juden“. Diese Sicht lässt sich jedoch schwer mit dem Text selbst vereinbaren. In Hebräer 10,26 verwendet der Verfasser das Wort „wir“ und bezieht damit ausdrücklich alle Empfänger des Briefes – einschließlich seiner eigenen Person – in die Warnung ein.

Noch deutlicher ist Hebräer 10,34: Dort werden die Empfänger als Menschen beschrieben, die in Verfolgung den Raub ihrer Güter mit Freude erduldet haben, weil sie auf eine bleibende himmlische Hoffnung vertrauten. Das ist ein Kennzeichen bewährter Christen, nicht unbekehrter Menschen.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie man Gläubigen, die unter den Warntexten des Hebräerbriefes leiden, seelsorgerlich verantwortlich begegnen kann. Die Behauptung, die Warnungen seien „nur für unbekehrte Juden“ gedacht, bietet dafür keine tragfähige Grundlage. Sie lässt sich weder textlich noch historisch überzeugend begründen und hilft Menschen in seelischer Not nicht weiter.

 

5. Haben wir Angst vor Fragen, die gestellt werden müssen?

In manchen Gemeinden, die stark auf eine buchstäbliche Auslegung der Bibel setzen, werden die schwierigen Erfahrungen Martin Luthers mit dem Hebräerbrief und seine deutlichen Warnungen kaum thematisiert. Dabei wäre eine offene Auseinandersetzung wichtig, gerade für Gläubige, die unter den Warntexten des Hebräerbriefes leiden.

Wenn seelsorgerliche Belastungen auftreten, stellt sich die Frage, wie man Betroffenen helfen kann, wenn man die problematischen Stellen nicht sorgfältig untersucht. Eine verantwortliche Seelsorge sollte sich den Fragen stellen, die sich aus dem Text ergeben, statt ihnen auszuweichen.

Schon viel wäre gewonnen, wenn in der christlichen Gemeinschaft bekannt wäre, dass der Hebräerbrief in der Geschichte immer wieder kontrovers diskutiert wurde. Eine offene Diskussion könnte dazu beitragen, seelische Not zu lindern oder zu vermeiden. Dabei bleibt es jedem Gläubigen überlassen, nach sorgfältiger Abwägung zu entscheiden, ob er den Hebräerbrief als hilfreiche Predigt oder als seelsorgerlich herausfordernden Text versteht.

Gläubige, die ihre eigene Befähigung zur Prüfung ausschließlich an Theologen delegieren, werden solche Fragen oft nicht stellen. Doch die Bibel fordert ausdrücklich zur Prüfung auf (1Thess 5,21). Verantwortlich denkende Seelsorger müssen sich diesen Fragen stellen, gerade wenn Menschen unter Angst und Unsicherheit leiden.

Die Zurückhaltung gegenüber ehrlichen Fragen ist weit verbreitet. Doch Jesus selbst ließ sich prüfen: „Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen?“ (Joh 8,46). Wenn Jesus eine Prüfung zuließ, warum sollte man dann den Hebräerbrief nicht prüfen dürfen? Eine Kultur der ehrlichen Rechenschaft ist ungewohnt, aber notwendig.

Wir wollen uns daher der Aufgabe stellen, den Hebräerbrief abschnittsweise zu untersuchen.

Dabei stellen sich zentrale Fragen:

  • Stehen die eindringlichen Warnungen des Hebräerbriefes tatsächlich im Spannungsfeld zur paulinischen Botschaft der Heilsgewissheit?
  • Führt der Hebräerbrief bei gutwilligen Gläubigen zu unnötiger Angst und belastenden Fragen, ohne eine klare seelsorgerliche Hilfe anzubieten?
  • Ist der einzige „Ausweg“, den der Brief nahelegt, eine Form der perfektionistischen Selbstüberprüfung, die zu religiösem Dauerstress und ängstlicher Werkgerechtigkeit führen kann?
  • Wird das Geschenk der Gnade dadurch wieder von menschlicher Leistung abhängig gemacht?
  • Besteht die Gefahr, dass sorgfältig denkende Gläubige dadurch in ihrer Glaubensfreude und Heilsgewissheit beeinträchtigt werden?

Oder lässt sich Luthers Warnung durch eine verbesserte Theologie überzeugend entkräften? Welchen besonderen Auftrag hat der Hebräerbrief? Welchen Gewinn bietet er, den andere neutestamentliche Schriften nicht in gleicher Weise vermitteln? Und ist dieser Gewinn größer als mögliche seelsorgerliche Nebenwirkungen?

Die folgende Vers‑für‑Vers‑Übersicht versucht Antworten auf diese Fragen zu geben. Als Maßstab dient uns dabei das Kriterium Jesu aus Matthäus 23,23: Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit – die Kennzeichen glaubwürdiger Liebe und für Jesus die wichtigsten Gebote.

 

6. Der Hebräerbrief enthält auch viel Wahres und Gutes!

Dass der Hebräerbrief auch viel Gutes und Wahres enthält, wird von Martin Luther ausdrücklich bestätigt. Diese Tatsache macht eine Prüfung seiner Aussagen an den Kernaussagen des Evangeliums jedoch nicht überflüssig. Denn problematische theologische Konzepte treten selten isoliert auf. Sie erscheinen häufig eingebettet in viele wertvolle und geistlich hilfreiche Aussagen. Das ist nachvollziehbar: Eine Lehre, die ausschließlich auf Leistung oder Angst basiert, würde sofort als belastend empfunden werden. Erst die Verbindung mit positiven Elementen führt dazu, dass schwierige Aussagen weniger auffallen und als notwendiger Bestandteil eines insgesamt guten Textes wahrgenommen werden.

Erstens: Die Attraktivität des Hebräerbriefes

Die besondere Attraktivität des Hebräerbriefes beruht vor allem auf seiner detaillierten Zusammenschau des alttestamentlichen Priester- und Opferdienstes mit der Erlösungstat Jesu. Diese Verbindung hat Luther selbst gelobt. Auch heute gibt es Gläubige, die die Symbolik der Stiftshütte und des Opferdienstes tiefgehend auslegen (z. B. Zac Poonen, Roger Liebi, Georg Brinke). Solche Auslegungen sind wertvoll, verleihen aber einem Text nicht automatisch den Status einer inspirierten Schrift. Die Frage nach der Kanontauglichkeit bleibt davon unberührt.

Zweitens: Die sprachliche Qualität des Hebräerbriefes

Auffällig ist die herausragende Formulierungskunst des Verfassers. Viele Passagen sind sprachlich eindrucksvoll und verleihen dem Brief eine besondere Tiefe. Doch aus sprachlicher Schönheit allein lässt sich keine automatische Kanonwürdigkeit ableiten. Einige der besonders eindrucksvollen „Juwelsprüche“ stehen in deutlichem Spannungsfeld zu Aussagen, die seelsorgerlich herausfordernd sind. Das legt nahe, dass der Verfasser möglicherweise auf einen reichen Bestand frühchristlicher Zitate zurückgegriffen hat.

Drittens: Bezug auf andere Bibeltexte

Der Hebräerbrief nimmt häufig Bezug auf andere biblische Texte oder führt deren Gedanken weiter aus. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass die Überzeugungskraft dieser Texte im Hebräerbrief unverändert bleibt. Wie die folgende Untersuchung zeigen wird, können die übernommenen Motive im Kontext des Hebräerbriefes eine andere Wirkung entfalten als in ihren ursprünglichen Zusammenhängen.

 

7. Wem schadet der Hebräerbrief besonders?

Der Hebräerbrief wirkt besonders belastend auf Gläubige, die schwere Schicksalsschläge erleben oder unter chronischen Erkrankungen leiden. Manche befürchten, dass ihre Gebete deshalb nicht erhört werden, weil sie irgendwann ein Wort gegen den Heiligen Geist oder gegen vom Geist geleitete Christen gesagt haben könnten. Andere erinnern sich nicht mehr an alles, was sie in ihrer vorchristlichen Zeit geäußert haben. Wieder andere geraten durch die Furcht vor einer unvergebbaren Sünde in eine innere Blockade, sodass gerade in Stresssituationen Worte fallen könnten, die sie keinesfalls sagen wollen.

Die übliche seelsorgerliche Hilfe in solchen Fällen lautet: Reue ist ein Zeichen dafür, dass Gott im Menschen wirkt und ihn nicht aufgegeben hat. Dieser Trost hat vielen Menschen in schwerer seelischer Not geholfen.

Doch der Hebräerbrief stellt diese seelsorgerliche Logik in Frage. Mehrfach betont er, dass es eine Form des Abfalls geben könne, die selbst durch spätere, tief empfundene Reue nicht rückgängig gemacht wird. Für Menschen, die unter Angst leiden, ist das eine große Herausforderung.

Was bleibt dann als Hilfe übrig? Ein Seelsorger kann in solchen Fällen oft nur sagen, dass nach seiner Einschätzung der Betroffene „wahrscheinlich nicht“ verloren ist. Doch ein solches „wahrscheinlich“ bietet kaum tragfähigen Trost. Wer unter Angst leidet, kann schwer Vertrauen fassen, wenn die Möglichkeit einer endgültigen Gottesferne – auch wenn sie gering erscheint – nicht sicher ausgeschlossen werden kann. Für die Seele eines sensiblen Menschen ist das eine enorme Belastung.

Es stimmt: Nur wenige Gläubige geraten in diese spezifische Angst. Doch Paulus beschreibt die Gemeinde als „Leib Christi“, in dem die Glieder einander brauchen und die verletzbarsten Glieder besonderen Schutz verdienen (1Kor 12). „Wir aber, die wir stark sind, sollen die Schwächen derer tragen, die nicht stark sind“ (Röm 15,1). Deshalb braucht es eine glaubwürdige Stellungnahme zum Hebräerbrief und eine verlässliche seelsorgerliche Antwort.

Ein Blick in die Geschichte zeigt eine problematische Tendenz

Das älteste überlieferte Kanonzeugnis, der Kanon Muratori, zeigt, dass in Zeiten der Verfolgung Texte mit sehr eindringlichen Gerichtsdarstellungen beliebt waren. Um den Zusammenhalt der Gemeinde zu stärken, griff man offenbar auch zu sehr drastischen Warnungen. Das legt nahe, dass in bestimmten historischen Situationen die Betonung von Gericht und Warnung eine besondere Rolle spielte.

Bis heute hat das Zeugnis sensibler Gläubiger, die unter bestimmten Texten leiden, oft wenig Gewicht. Die Frage, ob der Hebräerbrief an den Kernaussagen des Evangeliums geprüft werden sollte, erscheint mancherorts als Tabu.

Offenbar sind bei vielen Christen die glaubensstärkenden Impulse aus der Verbindung mit Christus so schwach ausgeprägt, dass der Glaube ohne eine strenge dogmatische Absicherung unsicher erscheint. In solchen Situationen entsteht leicht der Eindruck, man müsse schwierige Fragen vermeiden, um die Stabilität der Gemeinschaft zu bewahren.

Es folgt die detaillierte Vers-für-Vers-Untersuchung in Form einer Tabelle. Indes werden viele Leser eine flüssig zu lesende Darstellung bevorzugen, in der die Inhalte thematisch geordnet sind  [PDF-Datei: 1.Gruppe: die Warnungen und Drohungen / 2.Gruppe: die Qualität der Trostworte].

 

 

8. Die Untersuchung des Hebräerbriefes Vers für Vers

Kommentare in der folgenden Tabelle zu bedenklich erscheinenden Aussagen sind mit roter Schrift in Fettdruck hervorgehoben.

Zu den Warnungen des Hebräerbriefes wurde bereits einiges gesagt. Bevor wir sie im Detail betrachten, ist es wichtig, einige grundlegende tröstliche Wahrheiten voranzustellen. Die Untersuchung gleicht einer Wanderung entlang eines tiefen Abgrunds. Wie bei jeder gefährlichen Strecke ist es sinnvoll, sich vorher in ein Sicherungsseil einzuhaken.

Die Warnungen des Hebräerbriefes können bei tieferem Nachdenken sehr belastend wirken. Manche treue Glaubensgeschwister sind unter ihrer Wirkung in schwere seelische Not geraten. Viele Gläubige schützen sich, indem sie solche Texte nur oberflächlich zur Kenntnis nehmen und schnell weiterblättern. Sie stützen sich auf Optimismus – doch dieser ist Menschen, die unter schweren Lebensbelastungen stehen, oft kaum möglich.

Ein Appell an Optimismus hilft in solchen Situationen wenig. Und es gibt Fälle, in denen seelsorgerliche Begleitung nicht ausreichend auf die Tiefe der Fragen eingeht. Deshalb wollen wir hier eine gründliche Untersuchung wagen – aber mit einem Sicherungsseil.

 

8a. Am Rande des Abgrunds: nie ohne Sicherungsseil!

Dieses Sicherungsseil besteht aus drei tragenden Strängen: drei grundlegenden Zusagen des Alten Testaments über Gottes geistliche Prioritäten.

2. Chronik 33,9+13 – Gottes Bereitschaft zur Wiederherstellung
Manasse verführte Juda zu schwerem Abfall. Er führte Götzendienst ein, zerstörte die Reformen seines Vaters Hiskia, stellte Götzenbilder in den Tempel, praktizierte Okkultismus und ließ seine Söhne durchs Feuer gehen. Die Bibel betont, dass kein König vor ihm so viel Böses getan hatte. Seine Taten waren nach dem Gesetz todeswürdig – und das über ein ganzes Leben hinweg. Und dennoch nahm Gott seine Reue an. Er setzte ihn sogar wieder als König ein, obwohl Manasse in der Verbannung keinerlei politische Bedeutung mehr hatte. Offenbar wollte Gott ein Beispiel für die Größe seiner Güte geben.

Das zeigt: Gottes Bereitschaft zur Vergebung übersteigt menschliche Maßstäbe.
Je klarer eine Heilszusage erscheint, desto größer ist zwar die Gefahr des Missbrauchs – aber gerade deshalb wird keine feste Grenze genannt, ab der Vergebung ausgeschlossen wäre.

Klagelieder 3,31 – Gottes Treue trotz Untreue
Denn der Herr verstößt nicht ewig; sondern er betrübt wohl und erbarmt sich wieder nach seiner großen Güte.“Die Vorgeschichte (Jer 3) zeigt: Gott hätte seinem Volk wegen wiederholter Untreue den Scheidungsbrief geben können. Doch er gab die Hoffnung auf Rückkehr nie auf.

Das bedeutet: Gottes Erbarmen bleibt bestehen, selbst wenn Menschen versagen.

Daniel 6,16 und Markus 2,27 – Gott gibt keine Regeln, um Menschen einzusperren oder zu überfordern. Er gibt sie, um Menschen zu schützen, zu entlasten und ihnen zu helfen.
In Daniel 6 ist der König durch ein Gesetz gebunden, das er nicht mehr ändern kann. Er muss seinen treuen Diener Daniel der Löwengrube übergeben, obwohl er es nicht will.

Lässt sich Gott auch durch sein Gesetz zur Gnadenlosigkeit verpflichten? Jesus macht deutlich: „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen. So ist der Menschensohn Herr auch über den Sabbat.“ (Mk 2,27)

Johannes fasst es so zusammen: „Das Gesetz ist durch Mose gegeben; Gnade und Wahrheit sind durch Jesus Christus geworden.“ (Joh 1,17)  Gnade hat mehr Kraft als das Gesetz – das ist die Wahrheit!

Paulus formuliert es noch deutlicher: „Der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig.“ (2Kor 3,6b)

Das zeigt: Bei Jesus steht nicht der Buchstabe an erster Stelle, sondern Gnade, Wahrheit und Leben.

Das Sicherungsseil: drei geistliche Prioritäten. Aus diesen drei Texten ergibt sich ein tragfähiges Fundament:

Gott nimmt Reue an – selbst in extremen Fällen. Gott verstößt nicht endgültig. Gottes Gesetz dient dem Menschen, nicht umgekehrt.

Diese Prioritäten sind grundlegend und dauerhaft gültig. Wir müssen nicht befürchten, dass der Buchstabe des Hebräerbriefes an irgendeiner Stelle mehr Gewicht hätte als diese Grundlinien der biblischen Offenbarung.

Auf dieser Basis ist es möglich, auch die eindringlichen Warnungen des Hebräerbriefes ohne Furcht zu betrachten.

 

8b. Der Blick in den Abgrund – die Drohungen des Hebräerbriefes

1. Teil

 

Kap., Vers Inhalt Beurteilung, Einordnung
1-2 Messianischer Auftrag und Hoheit  Jesu Wiederholung bekannter Fakten: Christus als Schöpfer (Jo1,3 / 1Kor 8,6 / Eph 3,9 / Kol 1,16), Wahres Ebenbild Gottes (2Kor 4,4 / Phil 2,6 / Kol 1,15), reinigendes Sühneopfer (Mt 26,28 / Rö 5,9 / 1Kor 6,11 / 1Pe 1,19 / Offb 7,14), zur Herrschaft erhöht (Lk 22,69 / Phi 2,9 / Offb 5,12), über den Engeln und über Mose stehend (3,1-6)
2,2-3 Deshalb müssen wir im höchsten Maß auf das achten, was wir gehört haben, damit wir nicht am Ziel vorbeitreiben. Denn schon das Gesetz, das durch Engel verkündet wurde, war verbindlich, und wer es übertrat oder nicht darauf hören wollte, erhielt die verdiente Strafe. Wie sollen wir da der Strafe entgehen, wenn wir eine so großartige Rettungsbotschaft missachten? (NeÜ) Die Gerichtsworte, die die Engel an die Propheten weitergaben, trafen unfehlbar ein. Dasselbe gilt für die Höllenstrafe, die der Hebräerbrief mehrfach (3,10-11 / 10,26-27 / 12, ) allen Gläubigen androht. Die Grundaussage des Hebräerbriefes: das Heil des Gläubigen ist durch „Sünde“ verschiedenster Art ständig aufs Höchste gefährdet.   Die wiederholten Drohungen mit unwiderruflicher Verdammung schon zu Lebzeiten sind seine eindrücklichsten Aussagen. 
2,3b wenn WIR eine so großartige Rettungsbotschaft missachten? Wer WIR ist, verrät uns Hebr 10,34: Gläubige, die sich auf den Himmel freuen, und durch Verfolgung alles verloren haben. Kann man sich treuere Gläubige vorstellen? Worin soll denn nun die „Missachtung der Rettungsbotschaft“ bestehen durch Menschen, die auf Ausgleich ihrer Leiden und Belohnung im Jenseits hoffen? Was sollen sie nun „desto mehr“ leisten, damit sie nicht zusätzlich noch diese Hoffnung verlieren und die „verdiente Höllenstrafe“ erhalten? 
2,15 Er hat die erlöst, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten Sehr schöne  Formulierung einer Verheißung, die bereits in Luk 1,68-74 ähnlich formuliert würde: „Gelobt sei der Herr, der Gott Israels! Denn er hat besucht und erlöst sein Volk und hat uns aufgerichtet ein Horn des Heils im Hause seines Dieners David – wie er vorzeiten geredet hat durch den Mund seiner heiligen Propheten –… dass wir, erlöst aus der Hand der Feinde, ihm dienten ohne Furcht unser Leben lang“ Eigentlich eine wertvolle Verheißung von hoher Priorität. Doch wie wird sich dieses Versprechen mit dem eigentlichen Anliegen des Hebräerbriefes, der Warnung Jesu vor der Hölle Nachdruck zu verleihen, vertragen?
2,17 Daher musste der Sohn in allem seinen Brüdern gleich werden, auf dass er barmherzig würde und ein treuer Hohepriester vor Gott, zu sühnen die Sünden des Volkes. Schöne Formulierung. ebenso wie 2,15 ein Versprechen, dass Jesus das Schuldproblem lösen wird. Doch wie wird sich dieses Versprechen mit dem eigentlichen Anliegen des Hebräerbriefes, der Warnung Jesu vor der Hölle Nachdruck zu verleihen, vertragen?
3,6 Gottes Haus sind wir, wenn wir die Zuversicht und das Rühmen der Hoffnung bis zum Ende standhaft festhalten Hier scheint einfacher Optimismus und das Bezeugen der eigenen Errettung zu genügen, um sich des Heils gewiss fühlen zu können. So einfach ist es nun auch nicht! Jesus selbst warnte vor unangebrachtem Optimismus: „Nicht alle die Herr sagen werden, kommen ins Himmelreich.“ (Mt 7,21 ff ) Auch das Gleichnis von den 10 Jungfrauen warnt vor unberechtigtem Optimismus. (Mt 25,1) Der Glaube, der keine geistgewirkten Taten  Gottes aufzuweisen hat, ist tot und endet mit den Teufeln in der Hölle. (Jak. 2,26 )Taten zum Zweck der Heilssicherung sind von vornherein tot und genügen nicht. (Gal 3) Geistgewirkte Taten sind durch die Geistesfrüchte Liebe und Freude gekennzeichnet. Gläubige nun, die bereits unter der Angst leiden, den point of no return durch Mangel an Glauben (siehe folgende Erläuterung zu Hebr 3,7-17) oder durch „mutwillige Sünde“ überschritten zu haben, bringen überhaupt keine Taten mehr aus Liebe und Freude zustande. Auch ist keine Zuversicht mehr da, die festgehalten werden kann. Christen, die die Bibel wenig lesen und Problemstellen verdrängen können,  – und das ist die überwiegende Mehrzahl – werden sich durch diesen Vers in ihrem Heilsoptimismus bestätigt sehen. Sorgfältig lesende Gläubige indes erkennen, dass Optimismus nicht genügt und werden folglich ihre Angst nicht los.
3,7-17 Erinnerung an das Beispiel der Israeliten, denen kurz vor dem Ziel der Eintritt in das verheißene Land versagt wurde, „wegen ihres Unglaubens“. „… wo mich eure Väter versuchten und prüften und hatten doch meine Werke gesehen vierzig Jahre lang. Darum zürnte ich diesem Geschlecht und sprach: Immer irren sie im Herzen! Aber sie verstanden meine Wege nicht, sodass ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht eingehen in meine Ruhe.“ (VV. 9-10  Die Details werden in 4Mo 14,39ff berichtet. Das Volk weigerte sich, den Kampf mit den übermächtig erscheinenden Bewohnern zu beginnen. Daraufhin wird ihm der Kampf verboten und angekündigt, dass alle für den Rest ihres Lebens in der Wüste bleiben und dort sterben sollten. Nun bereuten die Israeliten ihren Kleinmut, und erklärten sich zum Kampf bereit. Mose wiederholte das Verbot und warnte, dass die Heilsverheißung durch wiederholte Sünde nunmehr zunichte geworden und der größte Einsatz aussichtslos sei. Die Israeliten begannen dennoch tollkühn den Krieg und wurden vernichtend geschlagen. Die Übriggebliebenen fristeten ein trostloses Leben in der Wüste.
3,10-11 So lasst uns nun bemüht sein, in diese Ruhe einzugehen, damit nicht jemand zu Fall komme wie in diesem Beispiel des Ungehorsams. Das Beispiel aus dem Mosebuch wird auf die in Hebr 10,34 beschriebenen vorbildlichen Gläubigen bezogen, die hoffen, am Ende ihres Lebens in die versprochene Heimat, in den Himmel, einzuziehen, wo sie Ruhe und Frieden finden. Wie soll man das Beispiel anwenden? Was sind die Gemeinsamkeiten zwischen damals und heute? Die Unterschiede sind doch sehr groß! Der Gläubige heute läuft nicht mehr hinter einer Feuersäule mehr, hindurch durch das geteilte rote Meer, nachdem all seine Feinde mit Plagen zugrunde gerichtet wurden. Er lebt „im Glauben und nicht im Schauen“ (2Kor 5,7). Ähnlichkeiten zwischen damals und heute bestehen nur darin, dass der Gläubige auch heute gegen Gebote verstoßen kann („Sünde„, „Ungehorsam„), die – wie die Bergpredigt zeigt –  ein Vielfaches schwerer und anspruchsvoller als die des alten Testamentes sind (Mt 5,48: „ihr sollt vollkommen sein!„), und zB auch Unterlassungen mit einbeziehen: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde.“ (Jak 4,17) 
3,11b wie in diesem Beispiel des Ungehorsams. Inwiefern kann denn das damalige Geschehen ein „Beispiel“ für heutiges Fehlverhalten sein?  Das erläuternde Beispiel aus dem Alten Testament bezieht sich eindeutig auf vorübergehendes (!) Misstrauen, denn die Israeliten, die als abschreckendes Beispiel dienen sollten, bereuten ja ihren Unglauben, ja waren sogar nachträglich bereit, ihr Leben in dem Kampf mit den kanaanitischen „Riesen“ zu riskieren (4Mo 14,39ff) [3] Wie später am Beispiel Esaus ausgeführt wird (12,16-17). kann jedoch auch Reue nichts mehr am Verdammungsurteil derer ändern, die „zurückgewichen“ (10,39) sind. Sollen wir daraus lernen, dass ein kurzfristiger (!) aber wiederholter Verstoß gegen das Gewissen („Ungehorsam„) ein ähnliches Ergebnis haben kann, dass Gott die Geduld endgültig verliert, die Tür zum Heil unwiderruflich verschließt, sodass dem Gläubigen die ewige Folter in der Hölle sicher ist? Die Warnung in Röm 14,15 scheint diese Befürchtung zu bestätigen. Wie groß ist diese Gefahr? Steht der Gläubige ständig mit einem Bein in der Hölle, sodass man ihn jeden Tag ermahnen muss, um Himmels willen nicht zu „sündigen„?
3,12a Seht zu, Brüder und Schwestern, dass niemand unter euch ein böses, ungläubiges Herz habe und abfalle von dem lebendigen Gott Was beinhaltet das Verb „abfallen„? Schon die innere Distanzierung von einem Gott, dessen Forderungen unerfüllbar erscheinen? Der reiche Jüngling konnte nicht gerettet werden, weil er sich nicht dazu entschließen konnte, die Forderung Jesu, „all seine Habe den Armen zu geben„, zu erfüllen.  (Mt 19,21) Hier ist zweifellos Schwäche im Spiel und keine Bösartigkeit. Auch „Freundschaft mit der Welt“ bedeutet bereits „Feindschaft mit Gott“ (Jak 4,4), obwohl diese gar nicht angestrebt werden muss. Und ein „Feind Gottes“ kann unversehens über den point of no return hinausgelangen, wie zB Saul, dem Gott nicht mehr antwortete. (1Sam 28,16)  Was als „weltlich„, d.h. als „Feindschaft gegen Gott“ anzusehen ist, unterliegt der Deutungshoheit der Vorsteher und Bibellehrer, die nicht – wie bei Paulus (2Kor 4,2) – etwa den Gläubigen Rechenschaft für ihr Tun schuldig sind, sondern „allein Gott“, d.h. ihrer Vorstellung von Gott, die durchaus der eines grausamen und kleinlichen Diktators nahekommen kann. Auch solchen Bibellehrern hat  der Gläubige nach Hebr 13,17 ohne Widerstreben zu gehorchen, wenn er sich nicht die Strafe Gottes zuziehen will.  In buchstabenhörigen Gemeinschaften ist die Versuchung sehr groß, strenge Gebote weiter zu verschärfen. Das wird belohnt: der rigoristische Exzess erzeugt  ein Selbstbewusstsein als „Auserwählte“ gegenüber allen, die dieses Leistungsniveau nicht erreichen, und entsprechendes Sendungsbewusstsein als „Gottes Stellvertreter“. Auch dient eine Verschärfung der Profilierung der Glaubensgemeinschaft und bindet die Hörer intensiver an die Leiter und Prediger der Gemeinschaft. Darüber hinaus entsteht auch ein Gefühl größerer Nähe („Intimität“) zu Gott und die Überzeugung, hohe Erwartungen an Gott stellen und seinen Arm bewegen zu dürfen. Langfristig aber entsteht aber auch der deprimierende Eindruck einer hohen Empfindlichkeit bzw Reizbarkeit Gottes, der die Missachtung überzogener Normen als „Feindschaft“ gegen ihn bewertet und Glaubensfreude und Heilszuversicht nachträglich wieder auflöst. 
3,12b …. sondern ermahnt euch selbst jeden Tag, solange es »heute« heißt, dass nicht jemand unter euch verstockt werde durch den Betrug der Sünde. Was genau mit „Sünde“ gemeint ist, bleibt hier und auch im folgenden weitgehend unbestimmt.  Nach Hebr 13,17 ist bereits die Frustration der Bibellehrer durch Unfolgsamkeit strafbare „Sünde„. Wird hier nicht der Überlastung des Gewissens durch überstrenge, engherzige, das Gewissen über die Maßen belastende Auslegung größter Raum gegeben?   Zunächst richtet sich der Hebräerbrief gegen das einzelne „schwarzes Schaf“, das in der Duldung von „Sünde“ zu weit gegangen und „zurückgeblieben“ ist (Hebr 4,1). Doch in 5,11 wird aber wieder die ganze treue Gemeinschaft als „zurückgeblieben“ und „unreif“ gescholten und mit der Gefahr, verdammt zu werden, konfrontiert. Ähnlich auch in 12,15  und 12,25. Ohne dass überhaupt klar ist, welche „Sünde“ konkret begangen worden ist, wird die bewährte treue Gruppe mit Drohungen eingedeckt, als ob es sich um eine kurz vor dem Absterben befindliche Laodicäa-Gemeinde handeln würde. Dabei liegt gar kein konkretes Versagen vor. Dem Verfasser genügt für die schulmeisternde Behandlung dieser Christen bereits die Tatsache, dass sie die geforderte Hundertprozentigkeit im Widerstand gegen „die Sünde“ noch nicht erreicht haben (Hebr 12,4)  Bei einem derart harten Urteil über bewährte Christen sollte man es für angemessen halten, wenn der Briefverfasser nicht anonym bleibt, sondern sich mit Namen und Auftrag legitimiert, so wie Paulus es in allen seinen Briefen getan hat. Doch die Leser erfahren nichts darüber. Aus der Anonymität heraus müssen sie sich mit den härtesten Drohungen eindecken lassen. Ziehen wir doch einmal den Vergleich zum das Urteil des Paulus über einen konkreten Fall, über jemanden, der eine skandalöse Ehe geschlossen hatte und uneinsichtig war (1.Kor 5) Hier kann man sehr wohl vom hartnäckigen, verstockten Festhalten an der Sünde reden, von einer fatalen Lebensentscheidung, und doch findet der Apostel  auch für diesen Menschen noch freundliche Worte und einen Weg zur Rettung. Im ganzen Brief spürt der Leser die herzliche Verbindung des Apostels zur seiner Gemeinde. In der erbarmungslosen Kälte des Hebräerbriefes,  dessen Verfassers sich nicht zu erkennen gibt, haben Gefühle der Zuneigung keinen Platz.
3,14 Wir haben Anteil an Christus bekommen, wenn wir die anfängliche Zuversicht bis zum Ende standhaft festhalten. (Siehe Erläuterung zu Hebr 3,6)
4,3 Ich schwor in meinem Zorn: Sie sollen nicht in meine Ruhe eingehen Wenn Gott „schwört“ (!), dass alle, die  sich „heute“  überfordert sehen und Angst haben und deshalb  ungehorsam sind oder zweifeln, mit Sicherheit in der Hölle landen, welchen „Trost“ soll dann sein ganz anders lautender „Eid“ bieten, der dem Heil noch eine Chance gibt (6,10-13)?
4,7 Heute, wenn ihr seine Stimme hört, so verstockt eure Herzen nicht Wenn jemand gestern, vorgestern oder noch früher den Ruf zum Gehorsam gehört und ignoriert hat, welcher „Eid Gottes“ gilt dann? Was sollen, dürfen, können wir glauben, wenn das „Heute“ bereits gestern war? Dem „Eid“ in Hebr 4,3, der allen, die den Ruf ignoriert haben und weiter „mutwillig gesündigt“ haben, die ewige Verdammnis zusichert , oder dem „Eid“ in Hebr 6,10.12, der noch eine Chance gibt? 
4,12 Denn das Wort Gottes ist lebendig und wirksam. Es ist schärfer als das schärfste zweischneidige Schwert, das die Gelenke durchtrennt und das Knochenmark freilegt. Es dringt bis in unser Innerstes ein und trennt das Seelische vom Geistlichen. Es richtet und beurteilt die geheimen Wünsche und Gedanken unseres Herzens. (NeÜ) Formulierung in Analogie zu Jer 23,20: Ist mein Wort nicht wie ein Feuer“, spricht der Herr, „und wie ein Hammer, der Felsen zerschlägt? bzw. Jes 49, 1-2:“Der HERR hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2 Er hat meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht.“
4,14-16 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Wiederholung bekannter Fakten: Sündlosigkeit trotz Versuchung:  Mt 4,4 / Joh 8,46 / priesterliche Verantwortung: Lk 22,32 / Jo 6,32 ff / Jo 17 (vgl Rö 15,16). Wiederum ein Versprechen in schöner Formulierung, doch im Hebräerbrief ohne konkreten Inhalt. Der Begriff „Mitgefühl Christi“ scheint anzudeuten, dass ein gewisses Maß von „Zurückbleiben“ hinter den hohen Forderungen toleriert wird, doch wie groß ist diese Toleranz? Niemand weiß es.  Jesus jammerte das Volk (Mt 9,36), doch die beängstigende Perspektive, dass von den vielen Menschen nur wenige den Weg an der ewigen Strafe vorbei ins Reich Gottes finden werden (Mt 7,14), steht dazu offenbar nicht in Widerspruch. Entsprechend darf der Gläubige, der Angst hat, in die Hölle zu kommen,  des „Mitgefühls Christi“ sicher sein, ohne dass dieses Mitgefühl etwas an seinem schrecklichen Schicksal ändern kann.  
4,16 Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit. Wie soll diese „Zusage“ trösten können, wenn der Christ auf größeres Versagen zurückblickt und die „rechte Zeit“ vermutlich vorgestern oder gestern war (siehe Anmerkung zu 4,7) Vergleichen wir damit einmal andere Bibelstellen. Wieviel glaubwürdigere und wirksamere Worte des Trostes finden wir im Alten Testament! Ps 30,6: „Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude“ oder auch Ps 103,11: „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“ 

2. Teil

Kap., Vers Inhalt Beurteilung, Einordnung
5,1-10 Jesus der mitfühlende Hohenpriester, Vollbringer der Versöhnung für die Gehorsamen. Wiederholung der Gedanken in Hebr 2,17 / 4,14-16 /  Mi 7,18 / Mt 9,36.
5,11-14 Tadel wegen fehlendem Fortschritt im Glauben: „Und IHR, die ihr längst Lehrer sein solltet, habt es wieder nötig, dass man euch die Anfangsgründe der göttlichen Worte lehre und dass man euch Milch gebe und nicht feste Speise„. Besser formulierte Ermahnungen findet man in Kor 3,1-2 / Gal 4,1 ff / Eph 4,14, denn das Lehramt anzustreben ist für viele Gläubige wegen der strengeren Beurteilung nicht zu empfehlen (Jak 3). Die scharfe Ermahnung des anonymen Verfassers ist schwer nachvollziehbar. Die Empfänger des Briefes sind Gläubige von außergewöhnlicher Treue, die sich bestens bewährt haben,  die in der Verfolgung „den Raub ihrer Güter mit Freuden (!) erduldet haben“ (Hebr 10,34) Welch eine Glaubensstärke, welche gründliches Erkennen der unsichtbaren Realität ist dazu nötig!  Hier aber werden sie von dem anonymen Verfasser wie Schulkinder gemaßregelt, die zu wenig Einsatz zeigen. Dass man so mit Gläubigen umgeht, die bereits hohen Glaubensmut bewiesen und alles für den Glauben geopfert haben (Hebr 10,34), ist schwer verständlich.
6,1 Darum wollen wir jetzt lassen, was am Anfang über Christus zu lehren ist, und uns zum Vollkommenen wenden. Ja, was ist denn das „Vollkommene„? Es folgt ein großer Sermon über die Verdammnis aller, die den Glauben zeitweilig verloren haben.
6,1b Wir wollen nicht abermals den Grund legen mit der Umkehr von den toten Werken und dem Glauben an Gott Die jüdischen Gläubige hofften sich vergeblich mit penibler Erfüllung des Gesetzes („toten Werke„) unter den Segen Gottes bringen, obwohl sie zugleich Jesus, den von ihm gesandten Messias ablehnten. Diese Gefahr besteht bei den Empfängern des Hebräerbriefes, die ja bewährte Christen waren (Hebr 10,34) aber gar nicht. Indem der Hebräerbrief ständig die Gefahr beschwört, durch „Sünde“ wieder verlorenzugehen und dann auch noch das Ansammeln von „Werken“ empfiehlt, um diese Bedrohung zu kompensieren (Hebr 6,10), macht er Angst zum alles überragenden Motiv. Wie verträgt sich Angst mit Liebe? Sie fördert immer die Egozentrik. Und erzeugen Werke aus Angst, um sich sich selbst zu sichern, zu retten, etwa Glaubensfreude und Vertrauen? Sicherlich nicht. Sie sind schädlich für den Glauben. Sie sind ebenfalls „tote Werke“.
6,1-12 Unwiderrufliche Verdammung aller, die den Glauben zeitweilig verloren oder verlassen haben (der „Abgefallenen“): „Für alle, die Gott schon mit seinem hellen Licht erleuchtet hat, die an sich selbst erfahren haben, wie herrlich Gottes himmlische Gaben sind, und denen der Heilige Geist geschenkt wurde, die Gottes gute Botschaft aufnahmen und etwas von der Kraft der ewigen Welt kennen gelernt haben – für all diese Menschen ist es unmöglich, wieder zu Gott zurückzukehren, wenn sie sich bewusst von ihm abgewendet haben und ihm untreu geworden sind.“  Auch an einer alles entscheidenden Stelle wieder verstörende Unklarheit! Was bedeutet denn „abfallen“ ? Ist ein Christ, der wiederholt weltlich gelebt hat, dadurch auch schon zum „Feind Gottes“ geworden, der auf die Seite des „Widersachers“ gehört?  (Jak 4,4) Oder genügt auch schon das längere Verharren in Unversöhnlichkeit, um als „Schalksknecht“ das Heil zu verlieren? (Mt 18, 34-35) Doch nehmen wir an – was unbeweisbar ist – mit dem Wort „abfallen“ sei nur die endgültige Distanzierung vom Glauben gemeint. An den Gründen dafür hat der Schreiber des  Hebräerbriefes kein Interesse. Ihm kommen nicht einmal die einfachsten Fragen in den Sinn. Können nicht schreckliche Lebenskatastrophen an der Liebe Gottes und dem Sinn des Glaubens zweifeln lassen? Kommt es nicht immer wieder vor, dass notorische Unehrlichkeit und religiöse Erpressung in der Bibellehre ein abstoßendes Gottesbild entstehen lassen und die Anziehungskraft des Glaubens zerstören? Ist der Gedanke so abwegig, dass Prediger und andere Vertrauenspersonen ein Verbrechen an einem Gläubigen begehen können? Wenn sich dann noch die Gemeinde auf die Seite des Täters stellt, wieviel Vertrauen in Gott bleibt dann wohl übrig?  Was geschieht mit Gläubigen, die durch Androhung von Folter und Hinrichtung erpresst wurden, sich von ihrem Glauben zu distanzieren? Werden sie für ihr Versagen mit ewiger Höllenfolter bestraft? Werden sie für ihr Versagen mit ewiger Strafe belegt?  Auch wenn der Verfasser gelegentlich die Worte Mitgefühl und Trost benutzt… wo ist hier bei ihm auch nur das geringste Verständnis für solche Zwangslagen zu sehen ?  Für ihn gibt es nur Anpassung oder Vernichtung! Wer das „Parteibuch“ zurückgibt, ist für alle Ewigkeit verloren.
6,10 Was aber euch angeht, ihr Lieben, sind wir vom Besseren überzeugt und von dem, was Rettung bringt, auch wenn wir so reden. Die Empfänger der Hebräerbriefes hatten bereits „all ihre Habe für den Glauben geopfert“ und sich in der Verfolgung bewährt (Hebr 10,34). Nur die Bewährung im Märtyrertod fehlt noch. (Hebr 12,4) Dürfen nur Gläubige mit dieser Opferbereitschaft auf „Besseres“ als die Hölle hoffen? Hoffnung gibt es offenbar nur, wenn dieser hohe Standard gehalten wird. Wehe allen, die dahinter „zurückbleiben“ (Hebr 4,1 / 10,39)! Die Auswirkung des Hebräerbriefes in der Geschichte: immer wieder hat er gutwillige und überforderte Gläubige, selbst den an völlige Hingabe gewöhnten Luther, in völlig überflüssige Seelenqual gestürzt. Was bleibt da von der Zusicherung eines von Angst befreiten Lebens (Hebr 2,15) übrig?
6,10  Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient. Verdienste, fromme Werke als Gegengewicht  zum allgegenwärtigen Risiko der Verdammung zu Lebzeiten ? Wieviel Werke genügen innerhalb welchen Zeitraums, damit sich der Gläubige sicher fühlen darf? Wieviel Werke genügen, um wiederholte Unterlassungssünden auszugleichen, die genauso wie Tatsünden den Zorn Gottes heraufbeschwören können? „Wer etwas Gutes zu tun weiß und tut es nicht, macht sich eines Vergehens gegen Gott schuldig.“ (Jak 4,17) Müssen sensible, ängstliche und sorgfältige Gläubige mehr leisten als optimistisch und oberflächlich denkende Gläubige, um keine Angst vor der Hölle zu haben (Sorgfaltsparadox)? Wo ist die notwendige Abgrenzung von der Werkgerechtigkeit, die ja den Glauben ebenfalls völlig zerstört (Gal 5,1), zu finden? Wo doch Paulus eindringlich warnt, dass auch das kleinste bisschen Werkgerechtigkeit wie Sauerteig das ganze Leben verunreinigt! (Gal 5,9) Wenn das Motiv der guten Tat die Sorge um das eigene Heil wird, welchen Rang kann da das Motiv der Freude, Mitgefühl, Wertschätzung und Dankbarkeit noch haben? 
6,13-10 Schwur Gottes als Sicherheit des Heils abenteuerliche Konstruktion, die zudem durch den Verdammungseid in Hebr 4,3 sowie auch durch das verunsichernde Sondergut der viermaligen Bekräftigung irreparabler Verdammnis bei mutwilliger Sündedeutlich in Frage gestellt wird. Abraham wurde mit einem Eid die Entschlossenheit Gottes deutlich gemacht, seinen Herzenswunsch nicht zu vergessen. Diese Verheißung war vom Tun Abrahams unabhängig – worauf Paulus nachdrücklich hinweist (Rö 4, 13). Bei der Verheißung des Heils macht hingegen solch ein „Eid“ überhaupt keinen Sinn, wenn das Heil derartig von eigenem Wohlverhalten – von der Vermeidung des zeitweiligen Unglaubens undmutwilliger Sünde“   und von äußerster Hingabe (12,4: „bis aufs Blut„) – abhängig ist, wie der Hebräerbrief behauptet. Wem fällt dazu nicht das Wort Jesu ein? „Ich aber sage euch, dass ihr überhaupt nicht schwören sollt, … Eure Rede aber sei: Ja, ja; nein, nein. Es ist nicht gut, darüber hinauszugehen.“ (Mt 5,34 + 37)
7,1-28 Jesus als messianischer Priesterkönig entsprechend dem Vorbild Melchisedeks. Erläuterung des Messiaspsalmes 110,4. Originelle Beweisführung: Levi in den Lenden Abrahams sitzend, musste dessen Unterwerfungsgeste, die Abgabe des Zehnten, gegenüber dem Priesterkönig Melchisedek, notgedrungen mitmachen, sodass folglich levitisch-mosaische Gesetze den Gesetzen des Messias unterworfen sind. Eine etwas spitzfindige Argumentation mit dem mageren Ergebnis, dass der Messias das Recht hat, Mose zu korrigieren. Was aber auch kein gläubiger Christ bezweifelt, zumal der Prophet Maleachi bereits Mose korrigiert und zeigt, dass er in der Frage der Ehescheidung größere Autorität hat (Mal 2,13ff). Viel gewichtiger und hilfreicher für die Praxis ist hingegen die Argumentation des Paulus, der auf die kontraproduktive Wirkung des Gesetzes hinweist, das fruchtlose Selbsterlösungsbemühungen provoziert, ohne vom Egoismus befreien zu können. (Römer- und Galaterbrief). Wie sollte auch  der Hebräerbrief die Gefahr der ichbezogenen Werkgerechtigkeit im Blick haben, deren glaubenszerstörende Wirkung  Paulus erkannt hatte? Gerade der Hebräerbrief verleitet zu den Gläubigen, sich mit äußerster Hingabe (12,4: „bis aufs Blut„) durch Ansammeln frommer Werke (6,10) vor dem Fall in den bodenlosen Abgrund zu schützen. Aber so kann man eben NICHT frei und fröhlich leben, wie es der Hebräerbrief anfangs zusichert (2,15). 
8 Jesus, neuer Priester eines neuen Bundes Die Kapitel 8 und 9 sind die wertvollsten Abschnitte des Briefes.
9 Die reinigende Kraft des blutigen Sühneopfers Jesu Die Kapitel 8 und 9 sind die wertvollsten Abschnitte des Briefes. 
9,22 Ohne Blutvergießen keine Vergebung prägnante Formulierung
9.10 Dem Menschen ist bestimmt einmal zu sterben, dann kommt das Gericht prägnante Formulierung, aber nicht verallgemeinerbar nach 1Pet 3,19

 

3.Teil

Kap., Vers Inhalt Beurteilung, Einordnung
10,01-18 Der alte Opferdienst, der nur an Sünde erinnern konnte. als schattenhafte Ankündigung Das mosaische Gesetz als schattenhaftes Abbild der zukünftigen Heilsereignisse wird bereits in Kol 1,28 erwähnt.
10,3-6 Vielmehr geschieht durch die Opfer alle Jahre nur eine Erinnerung an die Sünden. Denn es ist unmöglich, durch das Blut von Stieren und Böcken Sünden wegzunehmen. 5 Darum spricht er, wenn er in die Welt kommt (Psalm 40,7-9): »Opfer und Gaben hast du nicht gewollt; einen Leib aber hast du mir bereitet. 6 Brandopfer und Sündopfer gefallen dir nicht. Hinweis auf die Vorläufigkeit des Opferdienstes, die durch allein wirksames Jesu Opfer abgelöst wurde. Diese Tatsache ist in fast jeder Schrift des NT bezeugt.
10, 14-17 Denn mit einem einzigen Opfer hat er für immer die vollendet, die geheiligt werden. 15 Das bezeugt uns aber auch der Heilige Geist. Denn nachdem er gesagt hat: 16 »Das ist der Bund, den ich mit ihnen schließen will nach diesen Tagen«, spricht der Herr: »Ich will meine Gesetze in ihr Herz geben, und in ihren Sinn will ich sie schreiben, 17 und ihrer Sünden und ihrer Missetaten will ich nicht mehr gedenken Welche Sicherheit kann der Gläubige V.17 entnehmen, wenn weiter die Möglichkeit besteht, dass er eine nicht näher definierte „mutwillige Sünde (Hebr 10,16) begeht, die nicht mehr vergeben wird und die folglich ewig im Gedächtnis Gottes bleibt? Die mutwillige Sünde ist vergebbar bis zu dem Zeitpunkt, an dem „die Erkenntnis der Wahrheit empfangen“ wurde. Nach Kol 1,6 / 2Jo 1,1 lässt sich dieser Ausdruck am ehesten auf den Zeitpunkt der Bekehrung beziehen, durch den der Gläubige „geheiligt“ und mit einem „neuen Sinn“, dem „Sinn Christi“ (1Kor 2,16) ausgestattet wird. So erstaunt es wenig, dass schon in der frühen Christenheit die Lehre aufkam. dass nach Bekehrung und Taufe gröbere und wiederholte Verstöße gegen das Gewissen als „Todsünde“ unvergebbar sein könnten. (s. 1Joh 5,16-17) Mit dem Hebräerbrief, der Gläubige ab dem Zeitpunkt der Bekehrung als „vollendet“ (Hebr 11,40), quasi als nahezu „vollkommen“ (vgl. Mt 5,48) beschrieb, ließ sich diese Sicht unterstützen. 
„10,19-25 Aufruf an gutem Gewissen und Bekenntnis festzuhalten Inhaltlich bereits vorhanden 1Tim 1,5 / 1Pet 3,16
10,26 Denn wenn WIR mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt hinfort kein Opfer mehr für die Sünden, 27 sondern ein schreckliches Warten auf das Gericht und ein wütendes Feuer, das die Widersacher verzehren wird.... Mit dem tödlichen WIR bezieht sich der Verfasser des Hebräerbriefes selbst in die Risikogruppe der von ewiger Verdammnis Gefährdeten mit ein. Dieses WIR wird noch einmal bekräftigt in Hebr 12,25. Damit ist  die weit verbreitete und  verharmlosende These widerlegt, es seien nur nicht-bekehrte Menschen, keinesfalls aber Gläubige so schrecklich bedroht
10,26-29 Unausweichliche Verdammung für alle, die mutwillig“ sündigen. Die griechische Form des Verbs bezeichnet keine einmalige, sondern eine wiederholt praktizierte „Sünde„. Doch unklar bleibt, an welche Art Sünde der Verfasser hier denkt.  Fällt  auch fortgesetzte Unterlassung des eigentlich Richtigen darunter, wie es Jak 4,17 sagt? Die fortgesetzte Verweigerung der völligen Selbstaufopferung („Kreuzesnachfolge“), wie es Mt 16,23 oder gar Mt 19,16ff fordert? Die Verweigerung der Forderung, alles Hab und Gut bis auf das Lebensnotwendigste (1Tim 6,8) zur Linderung der Not der Ärmsten hinzugeben?  Das Zurückstellen spiritueller Prioritäten zugunsten materieller Genüsse (Hebr 12,16)?  Die Verweigerung der Forderung zu missionieren – auch unter Lebensgefahr (1Kor 9,16 / Hes 33,8-9) ? Obwohl die Strafe grenzenlos grausam ist, weiß niemand genau, wo denn nun die rote Linie verläuft. Ist eine Regung des Gewissens als „Stimme Gottes“ zu verstehen? Ist das fortgesetzte Handeln gegen eine Forderung des Gewissens  als  irreparable „Verstockung“ (Hebr 3,7) zu betrachten, die mit dem Verlust des ewigen Lebens zu bestrafen ist (vgl. Röm 14,15 + 20 + 23)?  Wann darf sich der Gläubige sicher fühlen? Soll er sich auf das Urteil des Seelsorgers verlassen, der vielleicht die Gefahr herunterspielt, um sich selbst unerlaubte Erleichterung zu gönnen? Wo soll das objektive Urteil herkommen? Bezieht der Hebräerbrief nun die Drohung mit der Hölle sogar auf die eifrigsten Gläubigen, sollten sie in ihrem Kampf gegen „die Sünde“ nachlässig werden, so darf sich erst recht jeder angesprochen und bedroht sehen, der von diesem hohen Niveau noch weit entfernt ist. Wird erwartet, dass man aus Angst vor der Hölle so lebt, dass man sich über lange Phasen keiner Sünde mehr bewusst ist und eigentlich nur noch unabsichtlich, versehentlich sündigt ? Wie sollen unter dem Gefühl ständiger Bedrohung Gefühle der Dankbarkeit, Wertschätzung oder gar Liebe zu Gott entstehen? Ist es nicht reichlich naiv, von seelischer Erpressung einen Fortschritt in der Charakterbildung zu erwarten, wo doch die freiwillige Entscheidung für das Gute für den guten  Charakter typisch ist? Irgendetwas davon ahnt der Verfasser des Hebräerbriefes, er spricht es sogar aus, dass „das Herz nur durch Gnade fest werden“ kann (Hebr 13,9), doch letztlich ist ihm diese wichtige Erkenntnis doch nicht klar, sodass er immer wieder den Gläubigen mit der Androhung ewiger Vernichtung „motivieren“ muss, womit er übrigens auch seiner eigenen Zusicherung eines von Angst befreiten Lebens (Hebr 2,15) widerspricht. Vollends taktlos und widersinnig ist es, die Warnung vor unumkehrbarer Verdammung noch zu Lebzeiten Gläubigen einzuschärfen,  die bereits alles für den Glauben geopfert haben (Hebr 10,34). Was sollen denn die armen Gläubigen noch alles tun? Alles geopfert und noch immer wird wie besessen Druck gemacht! 
10,26-27 Denn wenn wir mutwillig sündigen, nachdem wir die Erkenntnis der Wahrheit empfangen haben, bleibt hinfort kein Opfer mehr für die Sünden, sondern ein schreckliches Warten auf das Gericht und ein wütendes Feuer, das die Widersacher verzehren wird Mit seinem rigorosen Exzess erzeugt der Hebräerbrief eine Bedrohung, eine Unsicherheit und seelische Bedrängnis, die durch nichts mehr gesteigert werden kann. Welche grausamen Seelenqualen der Hebräerbrief bei sensiblen Mitchristen anrichten kann, lässt sich auch an dem Leidensbericht des Franz Spiera ersehen, der zur Zeit Luthers lebte und binnen eines halben Jahres an seiner Angst elend zugrunde ging.
 10,29 Eine wie viel härtere Strafe, meint ihr, wird der verdienen, der … den Geist der Gnade schmäht? Je länger die Erpressung mit maßlosen Forderungen und Strafen das Gewissen belastet und verwundet, desto wahrscheinlicher ist es, dass sich der Gläubige irgendwann zu negativen Bemerkungen hinreißen lässt. Ein dummes unüberlegtes Wort ist schnell gesagt, was auch der Jakobusbrief  feststellt (Jak 3). Der von vielen geschätzte Bibellehrer Adolf Schlatter vertrat die Auffassung, dass auch ein abfälliges Wort über Brüder, über einen Bibeltext, in dem sich der Geist Gottes äußert, ein unvergebbarer Fehltritt sein könnte. Durch die Verkettung von absichtlicher Sünde und verbaler Entgleisung wird die Unsicherheit des Gläubigen, seine Fixierung auf sich selbst und seine fragwürdige Motivation, sich mit frommen Werken möglichst weit von dieser Gefahrenzone entfernt zu platzieren, noch einmal verstärkt. 
10,26 der … den Geist der Gnade schmäht? Muss dazu der Heilige Geist explizit genannt werden, wie es in Mt 12,22ff geschieht? Die Geschichte von Ananias und Saphira zeigt, dass sich der Heilige Geist schon durch eine simple Lüge persönlich beleidigt sieht und mit sofortiger Vernichtung antwortet (Apg 5,2). Auch wenn die übliche Auslegung beteuert, dass das Ehepaar nicht in die Hölle gekommen ist, so bleibt doch der Eindruck der äußersten Reizbarkeit Gottes zurück, dem vielleicht „irgendein Wort“ (Luk 12,10) gegen irgendetwas, was mit dem Heiligen Geist in Verbindung steht, genügt.
10,30-39 Der Glaubensmut der Hebräergemeinde ist nur ein guter Anfang und keine Garantie für das Heil. auch die Ermahnung zum Durchhalten findet sich andernorts: Gal 6,9 / 1Pet 1,13 / Offb 3,11.
10,34 Denn ihr habt mit den Gefangenen gelitten und DEN RAUB EURER GÜTER MIT FREUDEN ERDULDET, WEIL IHR WISST, dass ihr eine bessere und bleibende Habe besitzt.“ Es gibt einen Trend in der bibeltreuen Theologie, der die Erbarmungslosigkeit des Hebräerbriefes durch die Behauptung mildern will, bei den Empfängern des Hebräerbriefes handele es sich nicht um bekehrte Gläubige, sondern um Juden, die zwar die frohe Botschaft gehört hatten, aber mit dem Gedanken liebäugelten, wieder zum Tempeldienst zurückzukehren.  Weshalb die frohe Botschaft durch exzessive Drohungen noch froher und attraktiver werden soll, ist nicht nachzuvollziehen. Wer diesen Unsinn glaubt oder gar noch meint verbreiten zu müssen, sollte Hebr 10,34 noch einmal genau lesen. Wer waren diese Leute? Im Gefängnis gelitten! Bettelarm geworden! Und dann noch mit Freuden! Weil sie an die unsichtbare Habe im Himmel glaubten, als hätten sie sie bereits. Und diese Leute, die mit Freuden ihre ganze Existenz geopfert haben (sehr wahrscheinlich in der Auseinandersetzung mit fanatischen Vertretern des alten Tempeldienstes!), sollen nun keine Gotteskinder sein? Wie können sie dann aber „wissen“, dass im Himmel ein Erbe auf sie wartet? Gerade diese Hoffnung hat sie ja zu dem großen Opfer motiviert. Der Satz: „Sind wir Kinder, sind wir auch Erben“ (Rö 8,17) gilt auch umgekehrt: Sind wir Erben, dann sicher auch Gotteskinder. Auch wenn die verbreitete Strategie besteht, beeindruckend treue Gläubige als „unbekehrte“ Juden zu bezeichnen, die sich nicht zu einer „echten Bekehrung“ entschließen wollen  (Roger Liebi, Scofield Bibel), was ist damit gewonnen? Kann man im Ernst erwarten, dass solche leicht widerlegbaren Argumente überzeugen? Zumindest können sie die Illusion erzeugen, dass Theologen das Thema nicht totschweigen wollen. McArthur versucht in seinem Bibelkommentar die Empfänger in „Nicht-Bekehrte“ und „Bekehrte“ aufzuspalten, für die die schweren Drohungen keinesfalls gelten sollen.  Dieser Ansatz, missachtet die Tatsache, dass der Verfasser zweimal mit dem Wort „Wir“ (Hebr 10,26 / 12,25) die Drohungen mit der Hölle ausdrücklich auch auf sich selbst bezieht. Dass der Verfasser selbst ein „bekehrter“ Gläubiger ist, wird ja wohl niemand bezweifeln.  Dennoch hält man hartnäckig und verbissen weiter an dieser Falschbehauptung fest. Unfreiwillig liefern sie damit den Beweis, dass der Hebräerbrief, würde er sich an Gläubige richten, ihre  Heilsgewissheit und Glaubensfreude in Frage stellt. Also kann nicht sein, was nicht sein darf.  
10,35 Darum werft euer Vertrauen nicht weg, welches eine große Belohnung hat. schöne Formulierung
11 Die Vorbilder im Glauben erleben Wunder und Niederlagen Jephta stört in der Liste der Glaubensvorbilder. Er lässt seine Tochter für ein unüberlegtes Gelübde büßen, obwohl das Gesetz die Möglichkeit der Auslösung des Erstgeborenen mit einer Geldsumme vorsah. Wird Gott durch die penible Einhaltung destruktiver Gelübde geehrt? Ist das die Botschaft: Sklavischer Gehorsam gegenüber dem Buchstaben des Gesetzes ohne Rücksicht auf seelische Not ist ganz im Sinne Gottes? Dass dem Verfasser des Hebräerbriefs die unsägliche Geschichte als Glaubensvorbild empfehlenswert erscheint,  überrascht nach seinen vorausgegangen Worten wenig. Dabei hätte es viel bessere Möglichkeiten gegeben, Gott seine Dankbarkeit zu zeigen. Warum hat Jephta nicht den größten Teil der Kriegsbeute den Armen seines Volkes zum Dank geschenkt, um deutlich zu machen, wem der Sieg zu verdanken war? Der Krieg mit den neidischen Stammesbrüdern (über 40.000 Tote!) hätte so vermieden werden können. Jetzt behielt er die Beute für sich, richtete ein Blutbad unter seinen Stammesbrüdern an und mit seiner Tochter geschah wer weiß was! Was für ein Vorbild! Respekt! Die Jephta-Geschichte ist tatsächlich so wenig vorbildlich, ja vielmehr so peinlich, dass so gut wie niemand in den Gemeinden sie überhaupt noch kennt.
Hebr 11,24-27 Durch den Glauben wollte Mose, als er groß geworden war, nicht mehr Sohn der Tochter Pharaos heißen, 25 sondern wollte viel lieber mit dem Volk Gottes zusammen misshandelt werden, als einen flüchtigen Genuss der Sünde zu haben, 26 und hielt die Schmach Christi für größeren Reichtum als die Schätze Ägyptens; denn er sah auf die Belohnung. 27 Durch den Glauben verließ er Ägypten und fürchtete nicht den Zorn des Königs; denn er hielt sich an den, den er nicht sah, als sähe er ihn. Sehr gut beobachtet und schön formuliert!
12,1-2 Darum auch wir: Weil wir eine solche Wolke von Zeugen um uns haben, lasst uns ablegen alles, was uns beschwert, und die Sünde, die uns umstrickt. Lasst uns laufen mit Geduld in dem Kampf, der uns bestimmt ist, 2 und aufsehen zu Jesus, dem Anfänger und Vollender des Glaubens, der, obwohl er hätte Freude haben können, das Kreuz erduldete und die Schande gering achtete Sehr schöne Formulierung. Aber schon andernorts Inhaltlich bereits vorhanden:
12,2-14 Lob der Erziehung durch Leid Es gibt viel Leid, dass keinen erzieherischen Sinn erkennen lässt. Anderseits kann Leid sehr oft zu Geduld, Mitgefühl und Demut erziehen (Jak 1,2)
12,6 Denn wen der Herr lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt jeden Sohn, den er annimmt Auch wenn hier wieder hohl und phrasenhaft von „Sohnschaft“ geredet wird wie andernorts von „Mitgefühl“ (5,2) und  „Trost“ (6,18), so bleibt doch eines klar:  sollte der „Sohn“ seinem anspruchsvollen „Vater“ nicht mehr genügen und „zurückbleiben“ (10,39), ergeht es ihm schlimmer als jedem Tier im Schlachthaus. Der Hebräerbrief lehrt keine von Liebe und Vertrauen geprägte Vater-Sohn-Beziehung zwischen Gott und dem Gläubigen, sondern de facto eine äußerst strenge Sklave-Herr-Beziehung, in der sowohl die Forderungen wie auch die Strafen maßlos und unendlich viel härter sind als zu Moses Zeiten. 
12,10 Denn jene haben uns gezüchtigt wenige Tage nach ihrem Gutdünken, dieser aber tut es zu unserm Besten, auf dass wir an seiner Heiligkeit Anteil erlangen. Erziehung durch ständige Drohung und Erpressung mit dem Ziel einer von Werkgerechtigkeit nicht mehr unterscheidbaren „Heiligkeit“ dient sicherlich dem Gläubigen nicht „zum Besten„, wie hier behauptet wird. Barmherzigkeit und Liebe, freiwillig geschenkt aus Einsicht in ihren Wert, das wäre echte Charakterbildung und ein sinnvolles Erziehungsziel, das aber den geistigen Horizont des Verfassers bei weitem übersteigt.
10,24 und lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken In einem Klima seelischer Erpressung wird man auf diese Aufforderung nur in der bekannten soziopathischen Weise reagieren:  mit Kontroll- und Kritiksucht und mit pharisäischem Stolz (Mt 23,5 / Luk 18,11). Gerade der Hebräerbrief verleitet Gläubige, über Mitchristen, die an seinen Drohungen verzweifeln, die Nase zu rümpfen und und sie zu meiden.
10,25 wie wollen WIR entrinnen…?“ Mit dem tödlichen WIR bezieht sich der Verfasser des Hebräerbriefes selbst in die Risikogruppe der von ewiger Verdammnis Gefährdeten mit ein. Dieses WIR wird noch einmal bekräftigt in Hebr 12,25. Damit ist  die weit verbreitete und  verharmlosende These widerlegt, es seien nur „nicht-bekehrte“ Menschen, keinesfalls aber Gläubige so schrecklich bedroht
12,12-13 Darum heißt es: »Stärkt die kraftlosen Hände! Lasst die zitternden Knie wieder fest werden!« Bleibt auf dem geraden Weg, damit die Schwachen nicht fallen, sondern neuen Mut fassen und wieder gesund werden. Ähnlich auch in Hebr 10, 24ff: „lasst uns aufeinander achthaben und einander anspornen zur Liebe und zu guten Werken und nicht verlassen unsre Versammlung, wie es sich einige angewöhnt haben, sondern einander ermahnen.Was sollen diese Appelle nützen? Tragen sie tatsächlich zum Zusammenhalt der Gläubigen und zur gegenseitigen Fürsorge bei? Wie soll man neuen Mut fassen, wenn zugleich mit der schwersten Strafe gedroht wird? Auch die Schwachen treibt der Hebräerbrief mit höllischer Drohung an, nicht „zurückzubleiben„. Bereits durch dieses plumpe pauschale Verfahren werden Gläubige mit einem empfindlichen Gewissen besonders schwer belastet. Denn gerade die sorgfältigen, ängstlichen Gläubigen beziehen die strengen Worte der Bibel in erster Linie auf sich selbst, während optimistische und oberflächliche Gläubige am ehesten denken können, dass nicht sie, sondern andere damit gemeint sind.  (Sorgfaltsparadox) Diese einfache seelsorgerliche Erkenntnis ist dem Verfasser des Hebräerbriefes nicht bekannt. Und wie soll man Vertrauen zu Bibellehrern fassen, die wider besseres Wissen die Drohungen des Hebräerbriefes nur auf Nichtgläubige beziehen? Muss sich der Gläubige,  der diese Sicht nicht teilt, nicht völlig verlassen fühlen? Wie soll er sich einer Glaubensgemeinschaft zugehörig fühlen, in der alle, die oberflächlich und optimistisch denken, sich ihres Glaubens freuen können? Alle packen ihre Vergebungsgeschenke aus, danken jubelnd Gott – und er sitzt dabei und erhält nichts! Er wird die Angst nicht los und sitzt schließlich einsam in der Psychiatrie. Ist es ein Wunder, wenn er sich dann selbst als endgültig von Gott verlassen empfindet?  Welche Antwort, welchen Trost kann man ihm geben, wenn ihn die widerlegbare Behauptung, nur Nichtgläubigen werde mit der Hölle gedroht, nicht überzeugt? Wie soll er da „gesund werden„, wie der Hebräerbrief fordert? Die Mitglieder der Gemeinde werden hinfort einen großen Bogen um ihn machen, da sie die Illusion, nur Nichtgläubige seien bedroht, für ihr eigenes seelisches Gleichgewicht brauchen.
12,15-29 Warnung vor dem Versäumen der Gnade Gottes, vor Verbitterung, und vor dem Zurückstellen spiritueller Prioritäten zugunsten materieller Genüsse, die zum Verlust des Heils führen kann und auch durch Reue nicht reparierbar ist. Was ist mit dem Verkauf des Erstgeburtsrechts, der nicht mehr rückgängig zu machen ist, gemeint? Niemand weiß es. Verstehen wir diesen Vers im Sinne von Hebr 6,6, so ist hier wieder der Verlust bzw. das Verlassen des Glaubens  gemeint. War der Anlass dafür eine Schädigung durch die Glaubensgemeinschaft (woran der Hinweis auf die „verbitterte Wurzel“ denken lässt),  dann wird die Glaubwürdigkeit dieser Gemeinschaft wohl kaum durch brutale Drohungen wiederhergestellt. Andere christliche Theologen haben den Vers im Sinne von Hebr 10,26 interpretiert, dass das gewohnheitsmäßige Dulden einer Sünde einem Verzicht auf Segen zugunsten materieller Vorteile gleichkommt und zum unwiderruflichen Ausschluss vom Heil führt.  Der Hebräerbrief kann mit seinen diffusen, unklaren Drohungen, bei denen niemand wirklich weiß, woran er ist,  das Versprechen eines von Angst befreiten Lebens (Hebr 2,15) nicht einlösen.
12,17 Ihr wisst ja, wie es ihm (Esau) später erging, als er den Segen von seinem Vater bekommen wollte: Er wurde von Gott verworfen und fand keine Möglichkeit mehr, das rückgängig zu machen, obwohl er sich unter Tränen darum bemühte. Manche Seelsorger versuchen die  bedrohliche Wirkung dieser Worte zu mildern, indem sie den Schaden, den Esau hinnehmen musste, auf den Verlust des Segens begrenzen: also nur ein zeitlicher, materieller Verlust. Dieses Argument ist aus zwei Gründen schwach. 1. Dieser Satz ist eingebettet in einen Text mit Anspielungen auf die ewige Verdammnis. Betrachten wir dazu einige Stichworte: „aus der Gnade fallen“ (V.15), „ein Hurer und Gottloser wie Esau“ (V.16), „wieviel weniger werden wir entrinnen“ (V.25), „unser Gott ist ein verzehrendes Feuer“ (V.29). Zum anderen führt der Prophet Maleachi aus, dass der Zorn Gottes sich nicht nur gegen Esau gerichtet hat, sondern auch noch seine Nachkommen ruiniert: „Ich hasse Esau und habe sein Gebirge öde gemacht und sein Erbe den Schakalen zur Wüste. … Werden sie bauen, so will ich abbrechen, und man wird sie nennen »Land des Frevels« und »Das Volk, über das der HERR ewiglich zürnt« (Mal 1,3-4) Ewiger Zorn! Die Assoziationen zur ewigen Verdammnis sind wohl deutlich genug. Auch tiefste Reue ändert demnach nichts mehr am Schicksal, von Gott verworfen zu sein! Diese Aussage wurde bereits im 3. und 4. Kapitel am Beispiel der Israeliten illustriert, deren tätige Reue nicht das Geringste nützte. Dennoch wird immer wieder von Verteidigern des Hebräerbriefes behauptet, dass die Angst, verloren zu sein, ein „sicherer Beweis“ dafür sei, dass der Heilige Geist noch im Gläubigen vorhanden sei, der ja die Rettung verbürgt. (1Kor 1,22). Wie der Hebräerbrief aber an anderer Stelle deutlich sagt, ist das „schreckliche Warten“ auf die Hölle (Hebr 10,27), die Angst davor, bereits der Vorgeschmack der späteren Höllenqualen. Wie kann die Angst dann die Errettung garantieren? Auch die Teufel, die mit Sicherheit nicht in den Himmel kommen,  „glauben und zittern“ (Jak 2,19). Zittern sie nun aus Angst, oder etwa, weil es ihnen zu kalt ist? Welche Bibelstellen will man diesen Fakten entgegensetzen? Und doch wird die unehrliche Antwort weiter überall von Bibelgläubigen dem Ratsuchenden als „Lösung“ präsentiert. Dabei sollte eigentlich jeder erkennen können, wie sinnlos es ist,seine Heilsgewissheit an eine Behauptung zu knüpfen, die dem Text widerspricht. Dennoch wird genau diese Sicht als einziger Ausweg angeboten. Vom Betroffenen wird erwartet, zu glauben, dass das Wort des Seelsorgers mehr Gewicht hat als der nachvollziehbare Sinn des biblischen Textes — was den Seelsorger unentbehrlich macht und als Garant für das Heil unangemessen aufwertet. Ein anderer Grund für die Beliebtheit dieser Antwort ist noch viel wichtiger. Irrationalität erspart dem  Bibellehrer, den Fehler in der eigenen Theologie zu suchen. Nun kann alles so bleiben wie es ist:  wenn die Angst nicht wieder verschwindet, so liegt es eben nur an einer depressiven, irrationalen Veranlagung des Betroffenen, um die sich die Psychiatrie mit oder ohne Erfolg bemühen muss. Sollen andere sehen, wie sie mit ihm fertig werden.
12,25 Denn wenn jene nicht entronnen sind, die den abwiesen, der auf Erden den Willen Gottes verkündete, wie viel weniger werden wir entrinnen, wenn wir den abweisen, der vom Himmel her redet. Wie viel weniger“ werden wir entrinnen? Das Evangelium des Johannes zieht den entgegengesetzten Vergleich!  steht: „Mose brachte nur das Gesetz, aber wirkliche Gnade und Barmherzigkeit wurde erst durch Jesus Christus geschenkt.“  (Joh 1,17) Der Hebräerbrief dreht diese Relation aufs neue um, und macht dadurch die neue Botschaft hundertmal schlimmer als die alte. Wieviel Sinn soll das machen, wenn im Neuen Bund nicht nur die Forderungen das Maximum erreichen (Mt 5,48), sondern auch noch die Strafen für deren Missachtung drastisch verschärft werden? Passt nicht hier der Kontrast von 1.Kön 12,11 viel besser: „Nun, Vater Mose hat auf euch ein schweres Joch gelegt, ich, Christus,  aber will’s euch noch schwerer machen. Mein Vater hat euch mit Peitschen gezüchtigt, ich will euch mit tödlichen Skorpionen züchtigen„?  Wieviel kann da das Versprechen von Freiheit und Sicherheit (Hebr 2, 15), das der Hebräerbrief gleich zu Beginn gibt, noch bedeuten?  Wie passt diese Erbarmungslosigkeit zum ehrlich gemeinten Satz des Paulus „Zur Freiheit hat uns Christus befreit. Steht fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auferlegen“ (Gal 5,1)? Wie soll der Gläubige „feststehen“ und sich der Freiheit erfreuen können, wenn der Hebräerbrief vollen Einsatz „bis aufs Blut“ (Hebr 12,4) fordert und jedem, der „zurückbleibt“, mit der Hölle droht?
13,1-7 Aufruf zur Liebe, Gastlichkeit, Fürsorge für Verfolgte, Warnung vor Habgier und Ehebruch in zahlreichen Texten bereits vorhanden und anschaulicher ausgeführt, u.a. in Luk 14,12  / Mt 25, 31 ff. (Gastfreundschaft) // Mt 19,19 / 1.Kor 7,11 / Eph 5,33 / Jak 2,11 (Eheliche Treue) // 1.Tim 6,10-11 (Geldgier)
13,2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. Was ist denn das für ein Motiv, das hier mit Vorteilen für den Gastgeber wirbt? Das Motiv des Mitgefühls mit dem, der draußen steht und keine Bleibe hat und das Gefühl der Dankbarkeit, dass man geben darf statt betteln und bitten zu müssen, dass sollten die ausschlaggebenden Motive sein. Selbstredend ist der Gläubige auch in diesem Tun Jesus besonders nah: „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Mt 25,40). Doch der Satz ist nicht ohne Nutzen, denn er führt den Leser weiter zur Frage: Wo ist überhaupt irgendein Ausdruck froher Dankbarkeit gegenüber der Liebe Jesu im Hebräerbrief zu spüren? Der Hebräerbrief hat nur ein Thema: das ständige Bemühen um eigene „Heiligkeit“, um Gott nicht zum Zorn zu reizen, der unversehens mit endgültiger Vernichtung reagieren könnte.
13,8 Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit. Sehr schöne Formulierung, inhaltlich bereits vorhanden in Mi 5,2, Jo 8,58, Phil 2, 6 ff, Offb 5,11 ff
13,9 es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade, Wunderschöne Formulierung und unzweifelhaft wahr: Durch Gnade wird das Herz fest, nicht durch Antreiben mit dem Gesetz und durch ständige Drohung mit der Hölle, wie es der Hebräerbrief wiederholt vor Augen stellt. Was daran „gnädig“ sein soll, bleibt unverständlich. Der Hebräerbrief lehrt eine Gottesbeziehung, die von Gottes Seite aus jederzeit unwiderruflich gekündigt werden kann, sofern der Gläubige hinter der Forderung vollkommenen Gehorsams „zurückbleibt„.  Immer wieder hat er damit gutwillige Gläubige – wie einst auch Martin Luther –  in tiefste Verzweiflung gestürzt. Wer erfahren möchte, welches Unheil der Hebräerbrief im Laufe der Kirchengeschichte angerichtet hat, der kann sich in dem Essay informieren, den wir unter der Adresse „bibelwahrheit-bibelwahn.de“ zur Verfügung stellen. Warum hat diese durch Hunderte von Leidensberichten bestens bezeugte Tatsache in der „bibeltreuen2 Theologie nicht das geringste Gewicht??? Was ist das für eine Verkehrung des Begriffs „Gnade“? Charakterliche Festigkeit und die Fähigkeit, andere Menschen aufzurichten, entsteht dadurch sicherlich nicht! Wo bleibt das vom Hebräerbrief behauptete „Mitgefühl“ (Hebr 5,2), das doch der „im Gläubigen regierende Christus“ (Gal 2,20) für seine leidenden Kinder haben sollte?
13,9  Lasst euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, …, nicht durch Speisegebote, von denen keinen Nutzen haben, die danach leben Ähnliche Formulierung wie in Kol 2,20. Doch welcher Unterschied! Paulus demontiert die Autorität der schädlichen Gesetzeslehrer. Die Gläubigen, die in Gefahr stehen, verführt zu werden, greift er nicht an, sondern appelliert an sie, sich die Freiheit in Christus nicht rauben zu lassen. (Gal 5,1 ff) Der Hebräerbrief hingegen hat überhaupt keine Vorstellung von christlicher Freiheit, er versucht christliche Höchstleistung durch massive Drohungen zu erzwingen. Dabei ist das Gesetz Christi, das völlige Selbstverleugnung fordert, viel schwerer zu halten als mosaische Rituale. Was wäre dadurch gewonnen, wenn Christen nun durch ein noch viel härteres Gesetz belastet und bedroht würden?.
13,14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Sehr schöne Formulierung, s.a Joh 14,2 / Offb 21,2
13,15-19 Aufruf zum Lobpreis, Gehorsam gegenüber den Lehrern, Festhalten am Bekenntnis und Fürbitte in zahlreichen Briefen bereits vorhanden
13,17 Gehorcht euren Lehrern und folgt ihnen, denn sie wachen über eure Seelen – und dafür müssen sie Rechenschaft geben Der beste Anreiz für ein Leben zur Freude Gottes und der Menschen ist der Wunsch, eine ähnliche Persönlichkeit wie das verehrte Vorbild zu erwerben. Dieses Motiv taucht im Hebräerbrief gar nicht auf, der sich von der Drohung mit ewiger Verdammnis viel mehr verspricht. Auch der Gedanke, ob die Lehrer ein Vorbild liefern, dem nachzueifern lohnt, tritt hinter einer pauschalen Forderung zurück, Bibellehrern grundsätzlich gehorsam zu sein. Paulus gestand hingegen seinen Hörern das Recht der Prüfung zu. Er trat viel bescheidener auf und sprach durchaus die Möglichkeit an, dass auch von ihm einmal etwas Falsches kommen könnte: „Wer euch aber einen anderen Weg zum Heil zeigen will als die rettende Botschaft, die wir euch verkündet haben, den wird Gottes Urteil treffen – auch wenn wir selbst das tun würden oder gar ein Engel vom Himmel.“ (Gal 1,8 HfA)  Ihm war es wichtig seinen Hörern Rechenschaft zu geben: „Wir haben uns von allen beschämenden Heimlichkeiten losgesagt. Wir arbeiten weder mit Tricks noch verfälschen wir das Wort Gottes, sondern lehren die Wahrheit ganz offen. Dadurch empfehlen wir uns vor den Augen Gottes dem Gewissensurteil aller Menschen.“ (2Kor 4,2) / NeÜ) Das Gewissen kann nicht zwei Herren dienen, sondern wird am ehesten einer widerspruchsfreien, überzeugenden Ethik folgen. Im Hebräerbrief, der schon soviel Gläubige geschädigt und ihnen  Glaubensfreude und die Möglichkeit uneigennütziger Liebe genommen hat. ist eine solche Ethik nicht zu finden  „An den Früchten werdet ihr sie erkennen!“ (Mt 7,16) Über den anonymen Verfasser des Hebräerbriefes können wir guten Gewissens sagen: man kann ihn keinesfalls als Bibellehrer empfehlen. Man muss vor seinen Schlussfolgerungen warnen.
13,17b damit sie das mit Freuden tun und nicht mit Seufzen; denn das wäre nicht gut für euch Den Bibellehrern ist Gehorsam zu leisten, damit sie keinen Anlass zur Klage haben – ungeachtet dessen, ob es richtig oder fragwürdig ist, was sie lehren. Andernfalls wird auch hier wieder dieser vorbildlichen Glaubensgemeinschaft mit Bestrafung, Unsegen (= Fluch) gedroht.
13,20-25 Grüße und Segenswünsche
13,23 Wisst, dass unser Bruder Timotheus wieder frei ist; mit ihm will ich euch, wenn er bald kommt, besuchen Die Erwähnung des Timotheus soll den Anspruch des Briefes unterstützen, vom Paulus, dem bedeutendsten Apostel der Christenheit, verfasst zu sein. Wer jedoch die mangelnde Empathie und die strenge Werkgerechtigkeitsorientierung des Verfassers wahrnimmt, erkennt den großen Unterschied zur Lehrweise des Apostels und wird diese Zuschreibung nicht übernehmen.

Der Verfasser des Hebräerbriefes scheint seine Widersprüchlichkeit irgendwie zumindest zu ahnen. Er rät daher dem Gläubigen, sich etwas Sicherheit durch gute Werke zu verschaffen. Im sechsten Kapitel, Vers 10 heißt es: „Denn Gott ist nicht ungerecht, dass er vergäße euer Werk und die Liebe, die ihr seinem Namen erwiesen habt, indem ihr den Heiligen dientet und noch dient“ (Hebr 6, 10). Verdienste, fromme Werke als Gegengewicht zum allgegenwärtigen Risiko der Verdammung zu Lebzeiten ? Wie viel Werke genügen innerhalb welchen Zeitraums, damit sich der Gläubige sicher fühlen darf? Wie viel Werke genügen, um wiederholte Unterlassungssünden auszugleichen, die genauso wie Tatsünden den Zorn Gottes heraufbeschwören können? „Wer etwas Gutes zu tun weiß und tut es nicht, macht sich eines Vergehens gegen Gott schuldig“ (Jak 4, 17). Müssen sensible, ängstliche und sorgfältige Gläubige mehr leisten als optimistisch und oberflächlich denkende Gläubige, um keine Angst vor der Hölle zu haben?

Wo ist die notwendige Abgrenzung von der Werkgerechtigkeit, von Taten zum Zweck der Heilssicherung zu finden? Wo doch Paulus eindringlich warnt, dass ein Kompromiss mit Werkgerechtigkeit den ganzen Glauben zerstören kann. „Zur Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! ..Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, aus der Gnade seid ihr herausgefallen“ (Gal 5, 1 + 4).

Wenn das Motiv der guten Tat die Sorge um das eigene Heil wird, welchen Rang können da Motive der Freude, Mitgefühl, Wertschätzung und Dankbarkeit noch haben? Auch dieser Gedanke findet sich im Hebräerbrief seltsamerweise wieder. „Es ist ein köstlich Ding, dass das Herz fest werde, welches geschieht durch Gnade“ (Hebr 13, 9). Eine wunderschöne Formulierung und unzweifelhaft wahr: Durch Gnade wird das Herz fest, nicht durch Antreiben mit dem Gesetz und durch ständige Drohung mit der Hölle. Der Verfasser des Hebräerbriefes spricht es aus und versteht es dennoch nicht. Was an den hemmungslosen Drohungen des Hebräerbriefes „gnädig“ sein soll, versteht doch kein Mensch!

Der Hebräerbrief lehrt eine Gottesbeziehung, die von Gottes Seite aus jederzeit unwiderruflich gekündigt werden kann, sofern der Gläubige hinter der Forderung vollkommenen Gehorsams „zurückbleibt„. Immer wieder hat er damit gutwilligste Gläubige – wie einst auch Martin Luther – überflüssigerweise in tiefste Verzweiflung gestürzt. Warum hat diese durch Hunderte von Leidensberichten bestens bezeugte Tatsache in der bibeltreuen Theologie nicht das geringste Gewicht???

Was ist das für eine seltsame Auffassung von „Gnade“? Charakterliche Festigkeit und die Fähigkeit, andere Menschen aufzurichten, entsteht dadurch sicherlich nicht! Wo bleibt das vom Hebräerbrief behauptete „Mitgefühl“, das doch der „im Gläubigen regierende Christus“ für seine leidenden Kinder haben sollte?

Vergleichen wir damit einmal Trostworte aus dem Alten Testament! Psalm 30, Vers 6: „Denn sein Zorn währet einen Augenblick und lebenslang seine Gnade. Den Abend lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude“ oder auch Psalm 103, Vers 11: „Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn fürchten. So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein. Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.“

Macht das Sinn, dass in den Psalmen des Alten Testaments mehr Gnade zu finden ist als im Hebräerbrief?

Luther hatte also völlig recht mit seiner Einschätzung, dass der Hebräerbrief aus Stücken unterschiedlicher Qualität zusammengesetzt ist. Auf dem folgenden Bild ist das noch einmal übersichtlich dargestellt. Hilfreiche Texte sind mit grüner Farbe markiert. Für destruktiv wirkende Texte wurde die Farbe Rot verwendet.

Die Attraktivität des Hebräerbriefes beruht vor allem auf einer detaillierten Zusammenschau von alttestamentlichem Priester- und Opferdienst und der Erlösungstat Jesus in Kapitel 8 und 9, eine Zusammenschau, die von vielen Gläubigen geschätzt wird. Ein weiteres Highlight ist die Zusammenstellung der Glaubensvorbilder im 11. Kapitel, wobei aber die Einschätzung Jephtahs als Glaubensvorbild unangenehm auffällt, weil die destruktive, dumme und schädliche Gesetzeserfüllung Jephtahs damit aufgewertet wird. Details dazu sind im Anhang zu finden.

Die schönen Juwelsprüche des Hebräerbriefes finden sich im ganzen Brief verteilt und sind als kleine grüne Kreise dargestellt. Diese Juwelsprüche stehen inhaltlich in so krassem Gegensatz zu den Drohungen des Hebräerbriefes, dass anzunehmen ist, dass der Verfasser sie von einem urchristlichen inspirierten Zitatenschatz abgeschrieben hat.

 

 

9. Das Ergebnis der Untersuchung  (Zusammenfassung)

Fazit: Wie kann jemand nur auf die Idee kommen, dass der Apostel Paulus der Verfasser des Hebräerbriefes sein könnte? Die Briefe des Paulus sind voller Stellen, in denen er Mitgefühl, Anteilnahme (Röm 12,15 / 2Kor 1,3–7), Trauer (Röm 9,2–3 / Phil 2,27–28), Freude und echte emotionale Verbundenheit zeigt (2Kor 11,28–29 / Phil 4,1 / 1Thess 2,7–8 / 2Tim 1,4 / Philem 1,10–12). Paulus verschweigt nicht seine innere Zerrissenheit (Röm 7). Offen spricht er über Situationen der Überforderung (1Kor 2,1–3 / 2Kor 1,8–9 / 7,5–6), die er mit Gottes Hilfe überwinden konnte. Er fürchtet die Gefahr, sich selbst zu überheben (2Kor 12,7–10) und betont die Notwendigkeit nüchterner Selbstprüfung (1Kor 4,3–4 / Phil 3,12–14). Er möchte ein Gehilfe zur Freude sein (1Kor 1,24), umwirbt seine Hörer (Gal 4,8ff), um sie vor dem Verlust der christlichen Freiheit und Glaubensfreude zu bewahren. Wie eine Mutter leidet er für sie Geburtsschmerzen (Gal 4,19), in herzlicher Weise versucht er, sie zu überzeugen.

Dem Verfasser des Hebräerbriefes dagegen liegt Empathie in dieser Form fern. Er scheint sich jetzt schon neben den Weltenrichter gesetzt zu haben und von hoher Warte herab pauschal über alle Gläubigen zu urteilen. Wer „zurückbleibt“ und mutlos wird (Hebr 4,1 / 10,39) … wird mit der schwersten denkbaren Strafe bedroht. Wer an Gott zweifelt, an seine Liebe nicht mehr glauben kann, aufgrund welcher Not auch immer … wird ebenfalls mit dieser Strafe bedroht. Könnten ihn nicht auch schlimme Erlebnisse in der Glaubensgemeinschaft dazu gebracht haben? Wen interessieren schon die Gründe? Auch wer „wiederholt sündigt“, egal ob es große oder kleine Schwächen und Bindungen sind, trägt nach dieser Logik die volle Verantwortung für sein Schicksal. Dass sich ein Mensch mit religiöser Skrupelhaftigkeit Jahr für Jahr zermartert, ob er vielleicht doch die rote Linie überschritten und eine Sünde zu viel begangen hat – auch das scheint niemanden zu interessieren.

Wirklich erstaunlich, dass immer wieder von gläubigen Theologen behauptet wurde, der Apostel Paulus könnte der Schreiber des Hebräerbriefes sein! Schon aus sprachlichen Gründen ist das äußerst unwahrscheinlich. Noch viel mehr aber aus inhaltlichen Gründen! Dass vorbildliche Christen wie unreife Anfänger schulmeisterlich behandelt und gescholten werden, dass Christen, die auf Abwege geraten, ungeachtet ihrer Reue noch zu Lebzeiten verdammt werden können, ist ein so schockierendes Sondergut, dass mit Verwirrung, Verunsicherung und Widerspruch in den Gemeinden zu rechnen ist. Eben deshalb ist es kaum nachvollziehbar, dass Paulus – wäre er der Verfasser – ausgerechnet hier auf die Autorisierung durch den Hinweis auf seinen apostolischen Auftrag verzichtet, den er in allen seinen Briefen verwendet.

Der Mangel an Empathie im Hebräerbrief fällt im „bibeltreuen“ Mainstream so gut wie niemandem auf. Zum Erstaunen ist das nicht, wenn man bedenkt, wie gefühllos und rücksichtslos in buchstabenorientierten Glaubensgemeinschaften mit theologisch Geschädigten umgegangen wird. Der Verfasser des Hebräerbriefes und Paulus haben sich offensichtlich nicht gekannt. Denn wenn das stimmt, was der Hebräerbrief androht, dann hätte Paulus sich den Brief an die Galater sparen können.

Im Hebräerbrief bleibt von der freundschaftlichen Beziehung zwischen dem Meister und seinem Jünger nichts übrig. Schon gar nicht kann man von einer „Liebesbeziehung“ zwischen Braut und Bräutigam (Jes 62,5 / 2Kor 11,2) reden. Jeglicher Herzton, jegliches Umwerben fehlt. Unerbittlich werden Hingabe, Opfer und Selbstüberwindung gefordert, immer das Bild der ewigen Strafe im Hintergrund.

Dem Verfasser des Hebräerbriefes kommt nirgends, nicht ein einziges Mal der Gedanke, wie sehr seine Worte dem religiösen Missbrauch entgegenkommen, dass sie jeglichem frommen Extremismus quasi einen Blankoscheck in die Hand geben, dass sie wieder ein ähnlich schädliches Schriftgelehrtentum entstehen lassen könnten wie die Pharisäerkaste zur Zeit Jesu, die den Buchstaben über die Barmherzigkeit stellte.

Fällt es denn wirklich nicht auf? Es gibt keinen Text zwischen den Buchdeckeln der Bibel, der religiösen Machtmenschen so wirksame Instrumente der Bedrohung, Einschüchterung und Erpressung in die Hand gibt wie der Hebräerbrief. Es gibt keinen Text, der so sehr jegliches Mitgefühl mit den durch fromme Gewalt Geschädigten zu lähmen imstande ist, keinen Text, der so sehr pharisäische Überheblichkeit und hartherziges Verurteilen anderer fördern kann wie der Hebräerbrief.

Wäre es nicht die Pflicht jedes Bibellehrers, alles zu tun, damit verletzliche Gläubige von vornherein einen großen Bogen um den Sog frommer Selbstzerfleischung machen können? „Mache ein Geländer an deinem Dach, damit niemand herunterfällt und du nicht Blutschuld auf dich lädst“ (5Mose 22,8).

Zweifellos erwarten Gläubige, die Tradition mit Inspiration verwechseln, ein „entschiedenes Bekenntnis“ zu allem, was durch die Tradition zwischen die biblischen Buchdeckel geraten ist. Sie erwarten, dass kein Geländer angebracht wird, weil ja dann der Eindruck entstehen könnte, dass eine Gefahr vorhanden ist. Dieser Eindruck ist unerwünscht, und deshalb ist man auch froh, wenn Christen, die die Angst vor der Hölle nicht loswerden, möglichst bald aus der Gemeinde verschwinden, wo sie den Erlösungsjubel nur stören.

Dann besteht auch kein Grund mehr, die Warnung Martin Luthers in der Gemeinde bekannt zu machen.

Was nur ist das Motiv? Lässt es die eigene Ehre nicht zu, dass man zugibt, sich in einem wichtigen Punkt geirrt zu haben, nämlich in Bezug auf die Irrtumslosigkeit und Inspiration des Hebräerbriefes? Und doch warnt uns das inspirierte Wort des Paulus: „Wer Menschen gefallen möchte, steht nicht im Dienst Christi!“ (Gal 1,10). Wofür erwartet ein solcher Bibellehrer dann eigentlich Lohn? (Mt 25,21)

Wer werkgerechten Einfluss – wie er durch den Hebräerbrief vermittelt wird – duldet, um damit um die Anerkennung der Mehrheit zu buhlen, macht sich der Verfälschung der frohen Botschaft schuldig. Es ist erstaunlich, dass Bibellehrer diese Gefahr so leicht nehmen.

Für Jesus indes war Barmherzigkeit der entscheidende Punkt. Er hat die Pharisäer, die entschiedenen Super-Gläubigen, die harte Urteile über überforderte und schwache Menschen fällten, die den Menschen unerträgliche Lasten aufbürdeten (Mt 23,4), als „blinde Blindenleiter“ (Mt 15,14) charakterisiert. „Was ihr dem Geringsten getan habt, das habt ihr mir getan!“ (Mt 25,45).

Martin Luther verfügte als Professor der Theologie über einen scharfen Verstand und umfassende Bibelkenntnis. Wenn schon Martin Luther keine Möglichkeit sah, die furchtbaren Drohungen des Hebräerbriefes zu entschärfen, wie viel weniger werden weniger begabte Gläubige dazu in der Lage sein.

Die Tatsache, dass immer wieder gutwillige Christen an diesem extrem harten Text verzweifeln, gar an ihm zugrunde gehen, dass sie durch lebenslanges Abfüllen mit Psychopharmaka verkrüppelt und berufsunfähig werden, findet in der bibeltreuen Glaubensgemeinschaft, die sich viel auf ihre Einheit als Leib Christi zugute hält, kaum Beachtung.

Auch wenn der Verfasser des Hebräerbriefes christliche Werte wie „Freiheit“, „Mitgefühl“, „Trost“, „Hoffnung“, „brüderliche Liebe“ aufs Papier geschrieben hat, so bleiben diese Begriffe doch bei ihm seltsam kraftlos und unglaubwürdig. Ist das ein Wunder? Seine wichtigsten Kategorien sind Drohung, Verdienst und Vergeltung geblieben. Was immer die Freiheit in Christus sein soll, die jetzt durch den Abschied vom Judentum gewonnen sein soll, bleibt unklar. Unterwerfung unter Christus und seine Forderungen ist für ihn ein viel wichtigeres Ziel.

Sein gefühlsarmes Schreiben vermittelt den Eindruck, als ob der Gläubige durch Christus vom Regen in die Traufe gekommen ist. Will man Mose mit Christus vergleichen, so passt 1.Kö 12,11 („ich werde euch mit einer noch härteren Peitsche züchtigen…“) viel besser zum Hebräerbrief als Joh 1,17 („Denn das Gesetz ist durch Mose gegeben; die Gnade und Wahrheit ist durch Jesus Christus geworden“). Wenn der Hebräerbrief die „frohe Botschaft“ ist, dann erscheint es manchen Gläubigen erträglicher, unter dem Gesetz des Mose zu bleiben.

Abschließend noch ein Eindruck zu den oftmals schönen Formulierungen, die diesem Brief eine gewisse Attraktivität verleihen. In den Versen 2,14–15 lesen wir: „auf dass er durch den Tod die Macht nähme dem, der Gewalt über den Tod hatte, nämlich dem Teufel, und die erlöste, die durch Furcht vor dem Tod im ganzen Leben Knechte sein mussten.“ Was fällt dem Leser dabei auf?

Dieses Versprechen, das gleich zu Anfang im Hebräerbrief gemacht wird, weckt zwar große Erwartungen. Sie werden vom Hebräerbrief jedoch selbst bitter enttäuscht. Was bleibt von der Erlösung übrig, wenn dem Gläubigen ständig mit der Hölle gedroht werden muss, sollte er in seinem Streben nach Heiligkeit und Selbstverleugnung nachlassen?

Auch die schöne Erkenntnis, dass „das Herz fest wird durch Gnade“ (Hebr 13,9), übersteigt den geistigen Horizont des Hebräerbriefschreibers bei weitem. Da liegt der Gedanke nahe, dass diese schönen Sätze aus einem anonymen christlichen Zitatenschatz stammen könnten.

Und in diesem Punkt sind sich wohl alle Christen einig: alle Zitate aus diesem Schatz sind – ohne jeden Zweifel – durch den Heiligen Geist inspiriert.

Aus diesem kostbaren Schatz hat sich der Verfasser des Hebräerbriefes dann bedient, um seine sehr harten Ausführungen aufzuwerten.

Wohl anders verhält es sich bei dem Highlight des Hebräerbriefes, der detaillierten Zusammenschau von alttestamentlichem Priesterdienst und der Erlösungstat Jesu im achten und neunten Kapitel. Es ist eine immer wieder beobachtbare Tatsache, dass manche Bibellehrer eine besondere Begabung haben, Parallelen und Zusammenhänge in der Bibel aufzuspüren, d.h. ihre Stärke in der theologischen Theorie und Abstraktion haben und deswegen auch gerne gehört werden. Dies aber schließt nicht aus, dass sie zugleich in der Seelsorge infolge mangelnder Sensibilität und Kompetenz eine wirkliche Gefahr für vorgeschädigte Mitmenschen sein können.

Gläubige, die nicht geübt sind, zu prüfen, ja die noch nicht einmal wissen, dass sie das Recht dazu haben, lassen sich immer wieder dadurch täuschen, dass zugleich auch viel Gutes, Richtiges und Schönes angeboten wird.

Auch im selbstbewussten Auftreten gibt es eine Ähnlichkeit. Obwohl der Verfasser des Hebräerbriefes Jesus nicht persönlich kannte, kein Augenzeuge und auch kein Apostel war, noch Kontakt zu Paulus hatte, tritt er – weit entfernt von der bescheidenen Selbsteinschätzung, die Paulus und Petrus auszeichnete (1Kor 4,4) – mit einem sehr starken Autoritätsanspruch auf, als wäre er der Weltenrichter selbst. Paulus hatte in Korinth mit solchen „Superaposteln“ zu tun und hat sich im zweiten Korintherbrief ausführlich dazu geäußert.

Um es mit einem kurzen Satz zusammenzufassen: Zweifellos enthält der Hebräerbrief inspirierten Text, herrlich kraftvoll leuchtende Juwelsprüche. Der Verfasser hat sie jedoch aus einem urchristlichen Zitatenschatz abgeschrieben, ohne ihren Sinn zu verstehen. Sie passen nicht zu dem anderen, was er schreibt, und womit er die Person Jesu und seine Entschlossenheit zu retten und zu heilen, fragwürdig macht.

Was war und ist bis heute die Folge? Verzweifelte Menschen, die keinen Segen Gottes in ihrem Leben haben sehen können, die all ihr Versagen zutiefst bereuen, kommen mit ihrer Not zu Jesus, weil er gesagt hat: Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen. Durch den Hebräerbrief erfahren sie dann, dass sie vielleicht eine rote Linie überschritten haben, irgendwann zu oft gesündigt, irgendwo zu wenig geglaubt, und dass sie nun abwarten müssen, um dann nach ihrem Tode zu erfahren, ob sie in die ewig dauernde Strafe der Hölle kommen oder nicht. Gibt es etwas Schmerzvolleres? Was bleibt von dem Füreinander der Mitglieder des Leibes Christi übrig, wenn dann noch Gläubige, denen es gut ergangen ist im Leben, das Urteil fällen: ja wenn jemand so ungesegnet leben muss, dann wird seine Höllenangst ja wohl ihre Gründe haben und das verdiente Schicksal sein! Letztlich liegt diese Einstellung sehr nahe, wenn man felsenfest glaubt an die Tradition, die dem Hebräerbrief erst viele Generationen nach den Aposteln die Autorität der Unfehlbarkeit verlieh.

Und eins ist sicher: hätte Martin Luther diesen Brief als irrtumsloses Gotteswort anerkennen müssen – es hätte wohl nie eine Reformation gegeben!

 


 

 

 


Anmerkungen und Quellenhinweise:

[1] Der Chester-Beatty-Papyrus Nr. 2 (P⁠46) (um 200 n. Chr.) enthält den Hebräerbrief unter neun Briefen des Paulus

[2] Zur Diskussion, die Indizien zugunsten einer frühen Datierung Ende des 2.Jhtn.Chr. aufzeigt, siehe die Dissertation von Joachim Orth  „Das Muratorische Fragment und die Frage seiner Datierung, Wien 2018

 

[3] Dass etliche der Israeliten Mose töten wollten (4Mo 14,10), vermag die bedrohliche Wirkung des Textes nicht zu mildern, da das NT bereits das Beschimpfen eines Mitmenschen mit der Höllenstrafe bedroht. (Mt 5,22), ja sogar den Hass auf ihn wie versuchten Mord bewertet (1Joh 3,15).

 

[4] „Lesen wir den Hebräerbrief im Grundtext, so fällt uns an der Wortwahl und am Satzbau auf, dass der Verfasser ein ausnehmend gutes Griechisch schreibt, auch kennt er das griechische Alte Testament (Septuaginta) genau. Dies lässt auf eine hellenistische Bildung schließen wie sie in der jüdischen Diaspora in damaliger Zeit weithin gepflegt wurde. … Die Art und Weise wie der Hebräerbrief vom Priestertum und Opferdienst der Stiftshütte berichtet (Hebr 7,27 / 9.4) und dabei die tatsächlichen Gegebenheiten seiner Zeit völlig außer acht lässt, berechtigt zu der Frage, ob der Verfasser den alten jerusalemitischen Tempel und seine Ordnungen überhaupt aus eigener Anschauung gekannt hat.“ (Wuppertaler Studienbibel, Laubach Fritz, Der Brief an die Hebräer, 1983, S.16-17)

[ENDE]


Weitere wichtige Beiträge zu diesem Thema:

Sehr aufschlussreich sind auch die Kommentare zu den jeweiligen Beiträgen…

wichtige OutLinks:

Vorrede Luthers zum Hebräerbrief | Biblia 1545 – Stilkunst.de

Hebräer 10:26 – Kritischer und erklärender Kommentar

Predigten zu Hebräer 10,26 (W.McDonald / H.F. Kohlbrügge)

 


Hätte es jemals eine Reformation gegeben, wenn Martin Luther an die Irrtumslosigkeit des Hebräerbriefes geglaubt hätte? Wohl kaum. Noch auf der Flucht vor dem Mordbefehl des Kaisers warnte Martin Luther in seiner ersten Bibelausgabe: Teile des Hebräerbriefs bergen ein Risiko für Heilsgewissheit und Glaubensfreude. Wir prüfen nach. Ist seine Warnung berechtigt?

hebraeerbrief.de


10. Aufschlussreiche Kommentare des „tonangebenden“ Bibellehrers N.N.

Die 14 Punkte seiner „Widerlegung“ meines Beitrags sind aufschlussreich. Ich habe sie einzeln beantwortet, weil sie typische Argumentationsmuster widerspiegeln, die in bibelorientierten Kreisen häufig vorkommen. Die Antworten sollen nicht verletzen, sondern zeigen, wo aus meiner Sicht theologische und seelsorgerliche Schwierigkeiten liegen.

Artikel aktualisiert am 17.07.2026

24 thoughts on “Risiko Hebräerbrief?”

  1. Dinge, die Sie beschreiben sind nur problematisch, wenn man nicht beachtet, dass z.B. bestimmte Stellen über das Sündigen, bzw. mutwillig sündigen, im Päsens aktiv stehen, d.h. es sich um ein „dauerndes in der Sünde leben“ handelt…

    Insofern würde ich an Ihrer Stelle hier Buße tun und akzeptieren, dass der Hebräerbrief eindeutig von Gott inspiriert ist und wenn man ihn richtig versteht, sogar eine große Hilfe ist.

    Ich würde ein Thema auch nicht ins Internet stellen, denn es mag einigen helfen, aber bei Anderen auch die Gottlosigkeit und letztlich den Abfall herbeiführen, bzw. stärken.

    ich bin schon etwas schockiert, was Sie hier folgern.

    1) Luther war ein Brudermörder und falscher Theologe – das ist wohl unstrittig, s.a. Haltung gegenüber den Täufern, den Bauern und seine katholische Sakrametenlehre (Taufe Abendmahl). Also in keiner Weise ein unverdächtiger Zeuge
    2) Sie gehen ganz subjektiv vor, indem Sie den entscheidenden Fehler bei der Auslegung machen: Sie nehmen nicht „alle“ Stellen der Schrift zu diesen Themen, z.B. Gal 1,8f; zeigt, dass Paulus genauso „hart“ vorgeht
    3) wir haben hier kein seelsorgerliches Problem, sondern ich kann die Leute genauso trösten und aufbauen mit dem Hebräerbrief
    4) man muss beachten, dass der Hebräerbrief hier an Juden und nicht Heiden gerichtet ist, d.h. der Focus beginnt wo anders
    5) letztlich ist es aber keine andere Lehre, als die des Paulus
    6) ich könnte jetzt alles Punkte von Ihnen auflisten, was ich mir aber erspare
    7) ich habe eher Sorge, dass Sie Inspiration der Bibel nicht glauben (2tim 3,16f;) und mache mir auch Sorgen über Ihre Gottesfurcht (Kol 3,22)
    8) als Gott der Menschheit die gedruckte Bibel gab, war der Hebräerbrief eindeutig dabei (Textus Receptus)
    9) diese Inspiration anzuzweifeln ist nicht nur biblisch unhaltbar, sondern auch gottlos – so war hier auch Luther, der wirklich teilweise die Sünde tolierierte (Philipp von Hessen und dessen Konkumbinat, Ehe usw)
    10) Sie wirken auf mich wie Jemand, der wohl traumatische Erlebnisse hatte und die zum Maßstab der Bibel macht
    11) nur die Paulusbriefe haben die Suskription – un die hat der Hebräerbrief eben auch, also muss er von Paulus sein. Der Name wird verschwiegen, wegen der Juden, an die er gerichtet ist
    12) z.B. meint die Bibel in „mutwillig sündigen“ ein „dauerhaftes Leben in Sünde“, das sieht man an der Zeitform des präsens aktiv und nicht ein ein oder sogar mehrmaliges in Sündefallen
    13) Sie sind wohl zudem ein klassischer Vertreter „der Unverlierbarkeit des Heils“, was aber auch Paulus und Petrus – unabhängig vom Hebräerbrief – nicht gelehrt haben. (2Petr 2,20ff; Gal 1,9; usw),
    14) auch Pulus lehrt klar, dass Gott zu fürchten ist und man mit der Sünde nicht spielen darf, 2Kor 5,11; usw.

    1. Ich habe zu Ihren 14 Punkten einige Fragen und Korrekturen:

      Dass das Verb in Hebr 10,26 ein „fortgesetztes Sündigen“ meint, ist so gut wie allen Christen, die mit dem Thema ihre Not hatten, und auch mir wohl bekannt. Wie wenig dieser Hinweis nützt, können Sie unter Punkt 12 nachlesen.

      zu 1) Ein pauschales Urteil über Luther greift zu kurz. Luther war ein Mensch mit großen Stärken und großen Schwächen. Seine seelsorgerliche Verantwortung und sein Mut in der Ablassfrage sind unbestreitbar. Gleichzeitig zeigen spätere Entscheidungen, dass auch er Fehlurteile fällen konnte. Das macht ihn nicht zu einem „unverdächtigen Zeugen“, aber auch nicht zu einem grundsätzlich unglaubwürdigen. Die historische Einordnung muss differenziert erfolgen. Wenn Sie Texte selbst des frühen Luther für unglaubwürdig halten wollen, dann müssten sie fairerweise auch Texte des König David verdammen, der noch auf dem Sterbebett einen Auftragsmord anordnet an Simei, dem er Vergebung zugeschworen hatte (2.Sam 16,5 ff / 19,18-23 / 1.Kö 2,8-9). Und das tut er, obwohl er einst selbst Vergebung empfangen hatte für den todeswürdigen Auftragsmord an Uria . Ein wahrer Schalksknecht“ also (Matthäus 18,23–35)? Mit Ihren Worten: David ist also „in keiner Weise ein unverdächtiger Zeuge“?

      zu 2) Stimmt. „Harte“ Stellen gibt es nicht nur im Galaterbrief, sondern im ganzen NT. Der Hebräerbrief ist jedoch der einzige Text, der den Gläubigen mehrfach mitteilt, dass schon jetzt und hier eine Reue sinnlos sein kann, wobei die genauen Umstände der Verdammung sehr unklar bleiben. Man wird in der Gemeinde aufgefordert, der jeweiligen Meinung des Bibellehrers zu folgen. Auch Sie haben eine Meinung dazu, die unbeweisbar bleibt. In den 70 Jahren wurde in evangelikalen Kreisen gelehrt, dass Masturbation eine schwere Sünde und dem Ehebruch vergleichbar sei. Ein entsprechender Artikel war auch auf der Webseite der FTH Gießen eingestellt. Damals sahen sich viele junge Christen ständig mit der Befürchtung konfrontiert, wegen „notorischem Ehebruch“ unter dem unauslöschlichen Fluch Gottes leben zu müssen. Inzwischen ist der Artikel verschwunden. So sieht man es heute lockerer. Wie viele junge Menschen hat der unbewältigte Triebstau zu einer verfrühten und voreilig geschlossenen Ehe verführt! Eine absolute Katastrophe!

      zu 3) Die seelsorgerliche Dimension ist zentral. Es gibt Menschen, die durch bestimmte Warntexte in schwere Angst geraten. Das ist dokumentiert. Dass andere Gläubige diese Texte als tröstlich erleben, ist ebenso wahr. Die Frage ist: Wie gehen wir mit denjenigen um, die unter diesen Texten leiden?
      zu 4) Die Frage, ob der Hebräerbrief primär an Juden gerichtet ist, ändert nichts daran, dass Christen aller Herkunft ihn lesen und seine Aussagen auf sich beziehen.

      zu 5) Paulus spricht nirgends davon, dass die Reue eines Christen verworfen werden könne. Auch die Szenarien aus Hebr 3–4, in denen eine falsche Entscheidung nicht mehr korrigiert werden darf, finden sich bei ihm nicht.

      zu 6) Eine theologische Position muss auch ihre Nebenwirkungen bedenken. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen bestimmte Auslegungen zu schweren seelischen Belastungen geführt haben, wie sie unter matth2323.de/notfall-berichte/ nachgelesen werden können.

      zu 7) Ihre Sorge, dass ich „die Inspiration der Bibel nicht glaube“ verstehe ich nicht. Die von Ihnen zitierte Stelle 2Tim 3,16 betont, dass alles, was inspiriertes Gotteswort ist, „nützlich, heilsam und der Erziehung in der Gerechtigkeit dienlich“ wirkt. Es gibt jedoch Texte, die historisch betrachtet überwiegend destruktiv gewirkt haben. Ich habe sie unter matth2323.de/destruktive-bibelworte-in-der-geschichte/ zusammengestellt. Zeigen Sie mir bitte auch in den genannten 6 Fällen, dass ich mich irre und dass diese Stellen „nützlich“ und „heilsam“ sind. Dass man dennoch an die Inspiration der Bibel glauben kann (ohne Chicago-Brille) zeigt der Beitrag matth2323.de/bibelbrillen/

      zu 8) Die physische Präsenz eines Textes in einem Kanon wie dem Textus Receptus ist kein Beweis für seine Inspiration, sondern zunächst ein Hinweis auf die Überlieferungstradition. Der Kanon Muratori (ca. 140–180 n. Chr.) zeigt, dass Entscheidungen der frühen Kirche nicht immer eindeutig waren: Die sogenannte „Offenbarung des Petrus“, eine Schrift mit sehr drastischen Jenseitsdarstellungen, wurde damals in Rom mehrheitlich als inspiriert angesehen und im Gottesdienst gelesen. Später wurde sie jedoch wieder aus dem Kanon entfernt. Der Hebräerbrief wurde erst deutlich später aufgenommen — von Christen, die wie wir keinen persönlichen Kontakt mehr zu Jesus hatten. Die Entscheidung für seine Aufnahme war also eine historische Entscheidung von Menschen, nicht ein unmittelbares apostolisches Urteil. Daher ist es legitim zu fragen, ob diese Entscheidung ebenso fehleranfällig gewesen sein könnte wie die zeitweilige Aufnahme der Petrusoffenbarung.

      Warum gilt die Entscheidung für den Hebräerbrief heute als verbindlich? Weil die Tradition der Kirche ihn seit dem 4. Jahrhundert als kanonisch betrachtet. Diese Bindung an die Tradition ist ein wichtiger Bestandteil der kirchlichen Geschichte — und sie zeigt, dass auch evangelische Christen in Fragen des Kanons stärker von Tradition geprägt sind, als sie es oft wahrnehmen.

      zu 9) Wieso sind die unter matth2323.de/bibelbrillen/  als Nr 4 und 5 vorgeschlagenen Möglichkeiten einer verbesserten Inspirationsauffassung „gottlos“? Verschiedentlich gibt es Zeugnisse über die Vollkommenheit der Schrift in der Bibel (Ps 19,8 / 119,160 / Spr 30,5). Womit ist aber bewiesen, dass dieses Lob zu Recht im juristisch-mathematischen Sinne gemeint ist und nicht wie ein Lob, das der Liebende begeistert über seine Geliebte ausspricht, der nur auf ihre Vorzüge schaut und über ihre weniger ins Auge fallenden Mängel hinwegsieht?

      zu 10) Theologie muss dem Leben dienen. Wenn bestimmte Auslegungen bei sensiblen Gläubigen zu dauerhafter Angst führen, ist es legitim, diese Auslegungen zu hinterfragen.

      zu 11) Eine Nachschrift, wie sie bei Paulus üblich war, kann nachgeahmt werden, um den Brief aufzuwerten (Pseudoepigraphie) und ist kein Beweis dafür, dass Paulus tatsächlich der Verfasser war. Fragen Sie doch einmal Copilot o.ä. auf Ihrem PC, inwieweit sich das Griechisch der Paulusbriefe und des Hebräerbriefe stilistisch unterscheidet, oder schauen Sie in der Literatur dazu nach.

      zu 12) Der Begriff „mutwillig sündigen“ ist auslegungsbedürftig. Die Definition eines „dauerhaften Lebens in Sünde“ ist schwierig. Beispiele aus der Bibel zeigen, dass einzelne Fehlentscheidungen schwerwiegende Folgen haben können. Die seelsorgerliche Frage bleibt: Wie definieren wir diese Grenze verantwortungsvoll?

      zu 13) Die Frage nach der Verlierbarkeit des Heils ist komplex. Es gibt Menschen, deren innere Haltung so zerstört ist, dass eine Rückkehr schwer vorstellbar erscheint. Das ist eine seelsorgerliche, nicht eine dogmatische Festlegung.

      zu 14) Dottesfurcht ist wichtig. Doch der Schwerpunkt des christlichen Lebens liegt auf Liebe und Wahrhaftigkeit. Gesetzlichkeit führt oft zu seelischer Belastung. Die Frage ist: Wie leben wir Gottesfurcht, ohne Menschen zu überfordern?

      Wenn ich zur „Buße“ aufgerufen werde, kann ich nur das korrigieren, was nachweislich falsch ist. Meine Texte stellen sich bewusst der öffentlichen Prüfung. Sie folgen dem Maßstab Jesu: **Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit** (Mt 23,23).
      Der Vorwurf, mein Beitrag könne Gläubige zur Gottlosigkeit verführen, ist unbegründet. Ziel ist es, Menschen vor unnötiger Angst zu bewahren und eine verantwortliche Auslegung zu fördern.

      Ihr Vorwurf gar, dass mein Text etliche Christen zur Gottlosigkeit verführe, ist völlig haltlos. Was immer ich vertrete, wird sorgfältig an dem Maßstab Jesu der „Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Verlässlichkeit“ (Mt 23,23) geprüft, stellt sich – im deutlichen Gegensatz zu „bibeltreuen“ Websites – öffentlicher Kritik und ist jederzeit nachvollziehbar und neuer Überprüfung zugänglich.

      1. Lieber Bruder,

        seien Sie im Namen unseres Herrn Jesus herzlich gegrüßt.

        Das was Sie anderen Brüdern vorwerfen tun Sie selber auch: Sie richten alle gnadenlos, die sich nicht Ihrer Meinung anschließen.

        Das NT hat für jedes seelische Problem eine Lösung- ich selber hatte wohl mehr Probleme im psychischen bereich, als Sie nur ahnen können. Aber, als ich die Lehre des vollkommenen Opfers verstand, wurde ich völlig frei. Das wünsche ich Ihnen auch.

        Wenn Sie die Inspiration der Bibel ablehnen, haben wir keine Basis für die Diskussion: 2Tim 3,16f; ist kein Märchen, sondern die Wahrheit, genauso Ps 119,160

        1. Ihren Umgang mit Schadensberichten und Biografien kann man nur schlampig und verantwortungslos nennen. Ihre eigene Biografie ist für Sie der einzige Maßstab – typisch für dilettantische Seelsorge, die nur ein Ziel hat: die Selbstbestätigung. Nicht das geringste Interesse für andere Lebenswege und Erkenntnisse! Sie sind nicht einmal in einem einzigen der 14 Punkte zu einem fairen Austausch bereit. Kann man dann anderes von jemandem wie Ihnen lernen, als gedankenlos und selbstgerecht nachzuplappern? Dazu passt, dass Sie mir vorwerfen, ich würde „gnadenlos richten“, bloß weil ich auffordere, keine Lüge in der Bibellehre zu dulden – eine Selbstverständlichkeit. Sie entrüsten sich darüber, dass ich darauf hinweise, dass die Verfasser der Chicago-Erklärung sich blutwenig aus dem strengen Titelverbot Jesu machen. Ist dieses Titelverbot nun inspiriert oder nicht? Und dann andere belehren wollen, dass sie bei Strafe der ewigen Verdammung zu Lebzeiten nicht mehr „mit der Sünde spielen sollen?“ Merken Sie nicht, wie krank das ist? Soll man sich an Ihrem „Vorbild“ orientieren? Gott behüte! Auch stimmt nicht, dass ich die Inspiration der Bibel ablehne! Dass es diese Inspiration gibt, dass sie aber nachweislich etwas anders aussieht als Sie denken, ist im Punkt Nr.9 beschrieben. Theologie am grünen Tisch ist Pfusch und nichts anderes als Propaganda. Wären Sie Psychotherapeut, Psychiater oder Seelsorger, man müsste Sie als Gefahrenquelle umgehend aus dem Verkehr ziehen.

  2. Paulus lehrt auch, dass Christus denen nichts nützt, die lieber dem Gesetz als der Gnade folgen (Gal 5:2).

    Kann es sein, dass der Hebräerbrief nichts anderes meint („[…] und den Geist der Gnade geschmäht hat?“ 10:28)?

    Wenn dem so ist, dann liegt die Schwäche des Hebräerbriefs nicht darin, dass er Verdammnis lehrt, sondern darin, dass er nicht genau benennt, was er unter „mutwillig sündigen“ versteht.

    Und deswegen lesen wir automatisch unsere Prägung dort hinein, die unter „sündigen“ die Verletzung des Gesetzes versteht – und nicht etwa die Verletzung von Liebe und Barmherzigkeit, die Jesus als die „höhere Gerechtigkeit“ (Mat 5:20) gelehrt hat.

    Die Unmöglichkeit zur Reue bleibt natürlich ein Problem. Das bleibt am Hebräerbrief zu kritisieren.

    Mein seelsorgerlicher Rat ist in solchen Fällen immer:
    1. Joh 4:17-18 lehrt, dass die Furcht vor der Strafe Gottes immer dann verschwindet, wenn wir der Liebe folgen – und immer dann wieder kommt, wenn wir das vernachlässigen. Wer also Angst vor dem Gericht und vor Strafe hat, der hat sie zurecht. Und der muss sich wieder dazu entschließen, der Liebe zu folgen.

    Hope this helps.

    1. „wer Angst vor der Strafe hat, hat sie „zu recht“? Der ist einfach nur lieblos gewesen? Selber schuld? Wieviel Christen sind psychisch robust und gewohnheitsmäßig lieblos gegenüber schwachen Mitmenschen – mit bestem Gewissen – dank einer indoktrinationsfreien Sozialisation. Und wieviele Christen haben Angst und schinden sich nach Kräften in der Nachfolge, weil sie die Drohungen der Bibel mit Verdammnis für alle, die nur „lau“ sind (Offb 3,16), ernstnehmen. Wie soll ein Christ sich „zur Liebe entschließen“ können, der aus der Bibel nur eine zweideutige Heilszusage herauslesen kann und sich folglich ständig von Gott bedroht fühlt? „Die Unmöglichkeit zur Reue“ bleibt ein „Problem“? Genau das! Richtig erkannt! Aber nicht nur ein logisches Problem, sondern eine seelsorgerliche und mitmenschliche Katastrophe! Wie soll ein Christ Mut zur Umkehr finden, wenn er befürchten muss, dass seine Reue vielleicht eh zu spät kommt? Das sind einfachste nachvollziehbare Gedanken, die für eine Einschätzung ausreichen, ob der Hebräerbrief nun tatsächlich – wie behauptet – in Einklang mit der „frohen“ Botschaft steht oder „ein anderes Evangelium“ unter die Leute bringt. „Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen!“ sagte Jesus (Jo 6,37). Was ist dieses Versprechen wert, wenn der Hebräerbrief gilt? Welchen Sinn macht ein Theologiestudium, wenn die Absolventen regelmäßig dort derartig mit Dogmatik dressiert werden, dass sie den Widerspruch zwischen beiden Aussagen nicht erkennen können und demzufolge als hirnlose Nachplapperer der tradierten Dogmatik auf die Gemeinden und auf psychisch gefährdete Mitchristen losgelassen werden? Der Hauptzweck solchen Studiums ist und bleibt ungeachtet der frommen Fassade der Eigennutz: ein krisensicherer Job für alle brav Angepassten.

  3. Ich finde das Wort „Strafe“ nicht im Grundtext. Und ich erlebe immer wieder, dass die deutsche Sprache nicht geeignet ist, die heilige Schrift korrekt auszulegen. Als Werk Luthers errichtet sie ein Denkgefängnis, aus dem nur ausbrechen kann, wer auch bereit ist, andere Sprachen und Denkweisen zu lernen.

    Schon ein Blick in die lateinische Vulgata klärt, dass „retributio“ ein völlig anderes Sühne-Denken zugrunde liegt, als der preußisch-evangelikal denkende Autor der „neuen evangelistischen Übersetzung“ suggerieren möchte. Die korrekte Analogie dafür ist der Bußgeldkatalog, nicht die blumige Übertreibungen der zwangs-unierten preußischen Staatskirche.

    Der Gott der Tora ist schlichtweg kein Deutscher und wer annimmt, er sei einer, kommt zu falschen Ergebnissen. Und die Mehrheit der Christen weltweit findet deshalb in der deutschen Theologie auch keine nützlichen Erkenntnisse.

  4. Betreff: Faktencheck zum Hebräerbrief

    ich habe mir erlaubt, einen Faktencheck in Bezug auf deinen Hebräerbrief vorzunehmen. Die nachfolgenden Punkte sind besonders auffällig und erfordern deinerseits eine vertiefte Befassung mit der Sache.

    Deine Betrachtungsweise ist zu einseitig und spiegelt nicht vollumfänglich die Bedeutung des Hebräerbriefes wider, insbesondere in seiner tieferen Bedeutung.

    … Die theologische Bedeutung des Hebräerbriefes: Eine wissenschaftliche Widerlegung der Kritik von Christian Rahn

    Der vorliegende Beitrag befasst sich mit einer kritischen Auseinandersetzung der von Christian Rahn vorgebrachten Einwände gegen den Hebräerbrief. Als Theologe, der sowohl wissenschaftlich als auch persönlich mit den herausfordernden Texten dieses neutestamentlichen Briefes gerungen hat, möchte ich eine differenzierte Analyse vorlegen, die auf theologisch-wissenschaftlichen Grundlagen basiert.

    ## Die Kritik an der Kritik: Eine Einordnung der Position Rahns

    Christian Rahn hat in seinem Beitrag „Gift im Hebräerbrief“ eine bemerkenswert zugespitzte Kritik am Hebräerbrief formuliert. Seine Position stützt sich primär auf die bekannte Kritik Martin Luthers, wonach der Hebräerbrief „wider alle Evangelien und Briefe des Paulus“ geschrieben sei[1]. Rahn argumentiert, der Hebräerbrief sei „der einzige neutestamentliche Text, der gläubigen Christen mit einem unumkehrbaren Verdammungsurteil noch zu Lebzeiten droht“ und löse daher „seelische Not“ bei sensiblen Lesern aus[1].

    Diese Behauptung bedarf einer grundlegenden theologischen und textkritischen Überprüfung. Denn sie verkennt sowohl die literarische Eigenart des Hebräerbriefes als auch seinen theologischen Ort im neutestamentlichen Kanon.

    ## Luthers Kritik im historischen Kontext: Eine notwendige Differenzierung

    Zunächst ist Luthers Kritik am Hebräerbrief in ihrem historischen Kontext zu betrachten. Luther stand in einem existenziellen Ringen um die Rechtfertigungslehre, und seine Beurteilung neutestamentlicher Schriften war stark von diesem Anliegen geprägt. Wie Thomas von Aquin in seiner theologischen Wissenschaftslehre betont, ist die „heilige Lehre“ jedoch als ein „einziges, zusammenhängendes Kommunikations- und Vermittlungsgeschehen zu beschreiben, das im Dienst der Vermittlung von Gottes Weisheit steht“[4]. Dieses Verständnis verbietet eine isolierte Betrachtung einzelner Texte ohne Berücksichtigung ihres theologischen Gesamtzusammenhangs.

    Es ist wissenschaftlich nicht haltbar, Luthers Urteil unbesehen zu übernehmen, ohne die erheblichen Fortschritte in der neutestamentlichen Exegese der letzten fünf Jahrhunderte zu berücksichtigen. Die moderne Forschung hat ein wesentlich differenzierteres Bild des Hebräerbriefs erarbeitet, das seine rhetorischen und theologischen Besonderheiten würdigt.

    ## Die Kanonizität des Hebräerbriefs: Historisch-kritische Perspektiven

    Rahn verweist auf die späte Aufnahme des Hebräerbriefs in den Kanon und suggeriert damit eine fragwürdige Kanonisierungsgeschichte. Dabei übersieht er jedoch die sorgfältige Prüfung, der alle neutestamentlichen Schriften unterzogen wurden.

    Die Kanongeschichte zeigt, dass der Hebräerbrief gerade wegen seiner theologischen Tiefe und seiner einzigartigen christologischen Reflexion in den Kanon aufgenommen wurde, nicht etwa – wie Rahn unterstellt – aufgrund eines „massiven Interesses, Gläubige mit der Übertreibung des Höllenthemas zu erpressen“[1]. Diese Behauptung ist historisch unhaltbar und theologisch unseriös.

    ## Die rhetorische Funktion der Warnungen: Hermeneutische Überlegungen

    Der Hebräerbrief nutzt die rhetorischen Mittel seiner Zeit meisterhaft, um seine theologische Botschaft zu vermitteln. Die von Rahn kritisierten Warnungen sind Teil einer komplexen rhetorischen Strategie, die darauf abzielt, die Adressaten in ihrer Glaubenstreue zu bestärken.

    Die „Bibliographie deutschsprachiger Rhetorikforschung“ belegt das wachsende Bewusstsein für die Bedeutung rhetorischer Analysen bei der Interpretation antiker Texte[2]. Die Warnpassagen des Hebräerbriefs sind in diesem Licht als paränetische Elemente zu verstehen, die der Glaubensstärkung dienen sollen, nicht der Einschüchterung.

    ## Das christologische Zentrum: Die eigentliche Botschaft des Hebräerbriefs

    Rahn fixiert sich einseitig auf die Warnpassagen und übersieht dabei das christologische Zentrum des Hebräerbriefes. Der Brief entfaltet eine einzigartige Hohepriesterchristologie, die den Zugang zu Gott durch Christus betont.

    Wie in der Studie zum Neuen Testament und seiner Umwelt hervorgehoben wird, geht es im Hebräerbrief um „zwei verschiedene Wege zum Heil“[7], wobei der Verfasser die Überlegenheit des Weges durch Christus herausstellt. Diese christologische Zentrierung relativiert die Warnungen und stellt sie in den größeren Zusammenhang der Heilsgewissheit durch Christus.

    ## Die Entgrenzung als theologisches Motiv: Der Hebräerbrief im Kontext

    Der Hebräerbrief steht im größeren Kontext neutestamentlicher Texte, die das Christentum als „Religionsgemeinschaft der Entgrenzung“ (Vollenweider) beschreiben[3]. Analog zum Epheserbrief, der den „Mauerfall“ zwischen Juden und Heiden thematisiert, entfaltet der Hebräerbrief eine Theologie, die die Grenzen der alttestamentlichen Kultordnung überwindet.

    Rahn missversteht die theologische Dynamik des Briefes, wenn er ihn als angstauslösend charakterisiert. Vielmehr geht es dem Verfasser um eine Neuinterpretation des Heilshandelns Gottes in Christus, die alte Grenzen sprengt und neue Heilsgewissheit begründet.

    ## Seelsorgerliche Perspektiven: Der Hebräerbrief als Trostschrift

    Entgegen Rahns Behauptung, der Hebräerbrief biete „keine überzeugende Hilfe“ für ängstliche Gläubige[1], ist der Brief in seiner Grundintention eine Trostschrift für angefochtene Christen. Die Darstellung Christi als mitfühlender Hohepriester (Hebr 4,15) zielt gerade darauf ab, Vertrauen zu wecken und Ängste zu überwinden.

    Nancy Rahn – ironischerweise eine Namensverwandte des Kritikers – beschreibt in ihrer Forschung „anschaulich, welch großes Potenzial in der gemeinsamen Psalmenrezeption liegen kann“[5]. Analog dazu liegt im Hebräerbrief großes seelsorgerliches Potenzial, wenn er in seinem theologischen Gesamtzusammenhang gelesen wird.

    ## Die evangelikalen Missverständnisse: Ein breiterer Kontext

    Die Kritik Rahns steht in einem breiteren Kontext evangelikaler Missverständnisse über die Bibel. Wie in der Analyse auf aufnkaffee.net dargestellt wird, machen evangelikale Autoren oft den „Flüchtigkeitsfehler“ zu behaupten, progressive Christen hielten „die Bibel nicht für verlässlich“[8]. Ähnlich unterstellt Rahn dem Hebräerbrief pauschal, er sei unvereinbar mit der Heilsbotschaft.

    Diese Sichtweise verkennt, dass die „Zuverlässigkeit der Bibel“ differenzierter zu betrachten ist als mit einem simplen „Die Bibel sagt…“[8]. Die theologische Wissenschaft hat längst erkannt, dass die verschiedenen biblischen Texte in ihren jeweiligen literarischen Gattungen und historischen Kontexten zu verstehen sind.

    ## Wissenschaftliche Exegese statt selektiver Lektüre: Methodische Einwände

    Ein grundlegendes Problem in Rahns Argumentation liegt in seiner selektiven Lektüre des Hebräerbriefs. Er isoliert die Warnpassagen und interpretiert sie ohne Berücksichtigung ihres literarischen und theologischen Kontextes.

    Die theologische Wissenschaftslehre fordert jedoch eine ganzheitliche Betrachtung. Thomas von Aquin betont, dass in der höchsten Form der Lehre die Theologie „Weisheit“ genannt wird[4]. Diese Weisheit erfordert ein differenziertes Verständnis der biblischen Texte, das ihre literarischen Eigenarten respektiert und ihre theologischen Anliegen würdigt.

    ## Fazit: Für eine ausgewogene Bewertung des Hebräerbriefs

    Die von Christian Rahn vorgebrachte Kritik am Hebräerbrief hält einer wissenschaftlich-theologischen Überprüfung nicht stand. Sie basiert auf einer selektiven Lektüre, historischen Vereinfachungen und theologischen Missverständnissen.

    Der Hebräerbrief ist kein „Gift“, sondern ein theologisch tiefgründiger Text, der die Heilsbedeutung Christi in einzigartiger Weise reflektiert. Seine Warnungen sind als Teil einer pastoralen Strategie zu verstehen, die darauf abzielt, die Adressaten in ihrer Glaubenstreue zu stärken.

    Eine wissenschaftlich fundierte Lektüre des Hebräerbriefs wird seine theologische Tiefe und seelsorgerliche Relevanz würdigen, ohne die Herausforderungen zu leugnen, die einzelne Passagen für moderne Leser darstellen können. Der Brief verdient seinen Platz im neutestamentlichen Kanon und kann auch heute noch wichtige Impulse für eine Theologie geben, die christologisch zentriert ist und zur Glaubenstreue ermutigt.

    Als Theologe, der sowohl wissenschaftlich als auch persönlich mit dem Hebräerbrief gerungen hat, plädiere ich für eine differenzierte Betrachtung, die seine theologische Bedeutung würdigt, ohne seine Herausforderungen zu verschweigen.

    ## Schlusswort: Theologie als Dialog

    Im Sinne einer dialogischen Theologie lade ich Christian Rahn und alle, die seine Bedenken teilen, zu einem vertieften Gespräch über den Hebräerbrief ein. Die theologische Wahrheit erschließt sich nicht in polemischer Zuspitzung, sondern im respektvollen Austausch unterschiedlicher Perspektiven.

    Wie Thomas von Aquin betont, haben alle, „die die heilige Lehre weitergegeben haben, dasselbe gelehrt“[4] – nicht im Sinne einer uniformen Doktrin, sondern im Sinne eines gemeinsamen Ringens um das Verständnis der göttlichen Weisheit, die uns in den biblischen Texten begegnet.

    [1] https://matth2323.de/risiko-hebraeerbrief/
    [2] https://www.semanticscholar.org/paper/a07913b9f6c3f7fee62ec385e7828794acc30323
    [3] https://www.zora.uzh.ch/id/eprint/26266/39/Vollenweider_Entgrenzung_Zora-Extern-1.pdf
    [4] https://kg-ktf.univie.ac.at/fileadmin/user_upload/p_kirchengeschichte/Pruegl/Online_Publikationen_Vortraege/Heilige_Lehre__Votrag_Ringvorlesung_Universitaetsjubilaeum_2015__HP.pdf
    [5] https://evang.at/wp-content/uploads/2024/12/241202_auge_2024_02_web.pdf
    [6] https://matth2323.de/wp-content/uploads/2025/04/ESSAY-SW-Risiko-Hebraeerbrief-06-04-2025.pdf
    [7] https://kidoks.bsz-bw.de/files/290/2004_067_118.pdf
    [8] https://aufnkaffee.net/2018/09/die-evangelikalen-missverstaednisse-ueber-progressive-christen-eine-replik-auf-markus-till/
    [9] https://unglueit-files.s3.amazonaws.com/ebf/d9482572410e44b19d605a335e5d89ce.pdf
    [10] https://matth2323.de/tag/bibelfit/
    [11] https://dokumen.pub/schriftauslegung-und-christologie-im-hebrerbrief-reprint-2011-ed-3110196972-9783110196979.html
    [12] https://core.ac.uk/download/pdf/83647326.pdf
    [13] https://www.degruyter.com/serial/tbt-b/html?lang=de
    [14] https://kidoks.bsz-bw.de/files/1288/Dissertation_Karkowski_2018.pdf
    [15] https://edition-nehemia.ch/j3/index.php/online-store/ein-unerschuetterliches-reich-kommentar-zum-hebraeerbrief.html
    [16] https://www.uibk.ac.at/iup/buch_pdfs/10.15203-99106-144-1.pdf
    [17] https://advent-verlag.de/buecher/theologie/bibelstudium/der-brief-an-die-hebraeer/
    [18] https://www.pro-medienmagazin.de/wp-content/uploads/2021/05/pdf_pro_2015_03.pdf
    [19] https://viktorjanke.de/warum-studieren-christen-ihre-bibel-nicht-teil-1/
    [20] https://jochenteuffel.com/2023/10/05/von-der-theologie-die-kunst-der-guten-gottesrede-in-entsprechung-zur-gelesenen-schrift-demzufolge-ist-die-theologie-keine-theoretische-wissenschaft-sondern-eine-poietische-kunst-die-auf-gl/
    [21] https://www.uni-regensburg.de/assets/theologie/fakultaet/studienkoordination/allgemeine-informationen/Leitfaden_2021_07_15.pdf
    [22] https://library.oapen.org/bitstream/20.500.12657/40027/1/9783657707461.pdf

    1. Diese „Kritik“ meiner Argumentation wurde mit Hilfe künstlicher Intelligenz erstellt – mit betrüblichem Ergebnis.

      Ich kann nirgends erkennen, dass auch nur ein einziger Satz meines Artikels „Risiko Hebräerbrief“ widerlegt worden wäre. Auch Luthers Warnung wurde nicht widerlegt.

      Die Kritik stellt nur Behauptungen in den Raum: Es sei wissenschaftlich angeblich nicht haltbar, Luthers Urteil unbesehen zu übernehmen, da die moderne Forschung ein wesentlich differenzierteres Bild des Hebräerbriefs erarbeitet habe, das seine rhetorischen und theologischen Besonderheiten würdigt. Die Warnpassagen des Hebräerbriefs seien als paränetische (ermahnende) Elemente zu verstehen, die der Glaubensstärkung dienen sollen, nicht der Einschüchterung.“ Das behauptet der mit KI erstellte Text.

      Dabei ist doch deutlich zu erkennen, dass die Einschätzung des theologischen Mainstreams bzw. der theologischen Forschung für die Bewertung eines psychischen Risikos für Christen, die durch überstrenge religiöse Sozialisation vorgeschädigt sind, gar keine Bedeutung haben kann. Adressaten des Artikels sind NUR diejenigen Gläubigen, die – ihrer religiösen Prägung entsprechend“ die Bibel nur als wortwörtlich inspiriert ansehen können, und jede andere Betrachtungsweise als Sünde, als gottloses und strafbares Verhalten ablehnen müssen. Unter dieser Voraussetzung las auch Luther zunächst die Bibel. Wenn der Hebräerbrief nur so gesehen werden darf, dann kann er mit seinen durch maßlose Drohung abgeschwächten Heilszusagen sehr destruktiv auf Heilsgewissheit und Glaubensfreude wirken. Wie durch Berichte von Seelsorgern immer wieder bezeugt, finden etliche Gläubige aus ihrer Angst gar nicht mehr heraus – wie auch auch am schrecklichen Beispiel des Francesco Spiera zu sehen, der an dieser Angst in Kürze elend zugrunde gehen. Wie kann man solchen Menschen rechtzeitig helfen? Indem man ihnen das fromme Geschwurbel eines Thomas von Aquin vorliest?

      Diese Frage beschäftigt den KI-Troll nicht im Geringsten, was Wunder! Denn sie hätte ja etwas mit Mitgefühl zu tun.

      Selbst wenn das, was progressive Christen oder Hinz und Kunz in der theologischen Wissenschaft denken können, zutreffen sollte, ist es dennoch bei dieser Aufgabenstellung weder sinnvoll noch hilfreich und wird von Gläubigen mit enger religiöser Prägung nicht einmal wahrgenommen.

      Es war ein Glück für Luther, dass er sich schlussendlich doch von etlichen Teilen des Hebräerbriefes distanzieren konnte. Dabei hat er durchaus den Wert der Textstellen zum Hohenpriestertum Christi anerkannt. Diese Textstellen machen aber die Tendenzen der Werkgerechtigkeit und Selbsterlösung in anderen Textteilen nicht unschädlich.

      Was ist von folgendem Satz der KI-Analyse zu halten? „Die Kanongeschichte zeigt, dass der Hebräerbrief gerade wegen seiner theologischen Tiefe und seiner einzigartigen christologischen Reflexion in den Kanon aufgenommen wurde, nicht etwa – wie Rahn unterstellt – aufgrund eines „massiven Interesses, Gläubige mit der Übertreibung des Höllenthemas zu erpressen“. Diese Behauptung ist historisch unhaltbar und theologisch unseriös.“ Soweit das Zitat.

      Eben dieses üble Motiv der seelischen Erpressung ist in der Offenbarung des Petrus unverkennbar, die ja auch deswegen nur vorübergehend in den biblischen Kanon aufgenommen wurde. Im meinem Artikel wird ganz ausführlich darauf eingegangen. Dieses üble Motiv hat in der Kanongeschichte also sehr wohl eine gewichtige Rolle gespielt. Unseriös und dilettantisch ist es, in einer Kritik darüber stillschweigend hinwegzugehen.

      Wer das für „wissenschaftlich hält, dem ist mein Beitrag „Wissenschaft“ (matth2323.de/wissenschaftlichkeit) sehr zu empfehlen.

      Doch hat es Zweck darauf hinzuweisen?

      1. Der Textgenerator eines Large Language Models (Marktingbezeichnung „Künstliche Intelligenz“) arbeitet nicht „wissenschaftlich“, sondern kombiniert algorithmisch eine Eingabe (diesen Artikel) mit seinem Trainingsmaterial (u. a. die verlinkten Texte) und erzeugt daraus einen menschlich lesbaren Text. Da die Eingabe ein Argument gegen den Hebräerbrief ist, kommt auch der Ausgabetext als Argument daher.

        Das erste Missverständnis ist, dass ein LLM eine „wissenschaftliche“ oder „christliche“ Meinung wiedergibt. Es wird aber auch mit diesem Artikel trainiert, da er frei im Internet verfügbar ist und könnte sich dementsprechend auch darauf berufen, dass der Hebräerbrief „gefährlich“ sei. Deshalb wird natürlich eine Gewichtung des Trainingsmaterials vorgenommen und in der Regel die Mehrheitsposition zum Hebräerbrief wiedergegeben, weil es das ist, was Leute von allgemein zugänglichen Chatbots erwarten.

        Am sinnvollsten verwendet man LLMs selbst als Autor, indem man das eigene Argument als Eingabe prüfen lässt und dann den eigenen Text überarbeitet, um die von der Maschine vorgebrachten Gegenargumente zu entkräften. Anschließend lässt man wieder die Maschine argumentieren und iteriert weiter, bis man mit dem Ergebnis des Diskurses zufrieden ist.

        Argumente im Diskurs zu prüfen ist übrigens eine Methode, die man schon im Altertum verwendete.

  5. Ich habe mich mit dem Hebräerbrief beschäftigt. Er ist nicht der wichtigste Teil vom NT. Er richtet sich an die damaligen Judenchristen. Die unvergebbare Sünde ist für mich, bewusst gegen Gott zu sein, obwohl man vorher fest von Gottes Worten ergriffen war. Der Schreiber hatte Bedenken, dass die Judenchristen abfallen, weil sie sich zurückgezogen haben und dadurch auf einem zu geringen Wissensstand stehen geblieben sind. Der Schreiber wollte ihnen wohl eher Angst einjagen. Es gibt aber tatsächlich eine endgültige Aussperrung (willentlich gegen Gott und Sein Wort sein und seine Aufträge willentlich nicht ausführen – da muss man aber genau schauen, ob der Auftrag wirklich von Gott kommt oder ob es eine eigene Idee oder die Idee von jemand anders war (also nicht durch Gott gewirkt; ähnliche Erfahrungen habe ich schon gemacht und damit Schiffbruch erlitten. D.h. alles genau prüfen, ob es von Gott gewirkt ist – Gott gebraucht manchmal weltliche Menschen und Dinge, um zu uns zu sprechen “ .. das Gute behaltet.)
    Viele Menschen, die Christen sind, machen Fehler (sündigen).Sie können auf die Gnade Gottes hoffen, wenn sie bereuen, wenn sie das wirklich wollen. Den eigenen Glauben nur am Hebräerbrief festzumachen, halte ich für falsch, weil Jesus, seine Jünger und di Apostel an vielen Stellen anders reden und handeln. Das ist ein Widerspruch. Ich weiß nicht, was du erlebt hast, dass dich das so fertig macht. Das sind meine Gedanken dazu. Ich weiß nicht, ob dir das irgendwie weiterhilft. Das Evangelium soll aufbauen und nicht abbauen.

    1. es ist freundlich, dass du dir ein paar Gedanken gemacht hast. Allerdings gehst du auf die Argumente in http://www.hebraeerbrief.de nicht ein sondern formuliert deine subjektive Sichtweise. Beweiskraft kann ich darin nicht erkennen. das eben war mein Anliegen, dass man den Hebräerbrief mal genauer unter die Lupe nimmt, um festzustellen, warum er bei manchen Christen jahrelange Verzweiflung auslöst und warum Martin Luther vor ihm warnte. Diese Frage stellen sich bibeltreue Bibellehrer eben nicht. Das ist das eigentlich Böse. Auch dass ich Redeverbot bekomme, obwohl keiner der Ältesten sich die Mühe macht, die mühevoll zusammengestellten Argumente anzusehen und ehrlich zu kommentieren. Heute wurde ich von einer Schwester angerufen, die mir sagte, dass sie ähnliche Ängste wie ich hatte jahrelang. Und sie sagte auch, dass noch andere Christen Befürchtungen haben, aber dass sie lieber verdrängen, weil sie wissen, dass sie von bibeltreuen Gläubigen keine seriöse Antwort, sondern nur subjektive Meinung bekommen.
      [24.7., 22:11] Christian: Du schreibst, es gäbe tatsächlich eine endgültige Aussperrung, wenn man willentlich einen Auftrag von Gott nicht ausführt…
      Eben das hatte ich früher auch gedacht. Mein Gewissen forderte von mir, bettelarm zu leben und alles Geld was ich hatte, für Hungernde in der Welt zu opfern, so wie der reiche Jüngling alles, was er hatte, den Armen geben sollte. „Wer etwas Gutes zu tun weiss und tut es nicht, dem ist es Sünde“ (Jak 4,17). Das wollte ich nicht. Somit habe ich wissentlich gegen ein Gotteswort verstoßen. Nach deiner Logik würde jetzt die Hölle auf mich warten. Warum denkst du, dass deine Antwort tröstlich bzw brauchbar ist?
      Gläubige sitzen jahrelang in der Psychiatrie. Sie gehen kaputt. Ihre Familien gehen kaputt. Meinst du nicht, dass man sich um eine verlässliche Antwort bemühen sollte? Leider bemühen sich bibeltreuen Gläubige um nichts. Es reicht wenn die Mehrheit mit der frommen Standardschallplatte zufrieden ist. Das ist das Schlimme, das mit Liebe und Verantwortungsbewusstsein unvereinbar ist.

      1. wie du schreibst, hat das Gewissen von dir etwas gefordert. War das denn von Gott inspiriert durch den Heiligen Geist? Wenn es so wäre, dann wären alle Christen arm oder würden in die Hölle kommen. Ich bin leider überfordert mit deinem Anliegen. Du solltest ausgebildete Theologen zu diesem Thema befragen, wenn die Ältesten und Evangelikalen dir nicht Rede und Antwort stehen wollen. Besser wäre noch: direkt Gott fragen. Jeder bekommt Weisheit, wenn er Gott bittet. Älteste und Evangelikale sind eben nur Menschen und nicht Gott. Es tut mir leid, dass ich hier nicht weiterhelfen kann. Vielleicht sollten die Geschwister, die damit Probleme habe sich zusammen tun und gemeinsam vorgehen.

        1. Liebe Schwester, warum soll ich ausgebildete Theologen frage, wenn Gott jedem die Weisheit gibt, der ihn darum bittet – wie du sagst? Wenn er sie jedem gibt, warum bittest du ihn nicht darum? Und wenn doch, warum zeigt er dir nicht die Lösung? Ich habe ja über diese Frage Jahrzehnte nachgedacht und eine Lösung gefunden und dir auch die Adresse hebraeerbrief.de genannt, wo sie zu finden ist. Ohne sie überhaupt angesehen geschweige denn geprüft zu haben, betrachtest du sie als nicht vorhanden oder nicht erwähnenswert und empfiehlst mir stattdessen, wo anders zu suchen?

  6. Hallo, vielen Dank für deinen Artikel über Luthers Schriftverständnis, im besonderen über den Hebräerbrief, ich habe ihn gerade gelesen. Ich teile Luthers Theologie in dem Punkt, dass alle Lehre innerhalb und außerhalb der Schrift an Christus und dem Evangelium der Erlösung allein aus Gnade zu messen ist. Dies ist die Mitte der Schrift und wirft ein helles Licht auf alle dunklen Bibelstellen, besonders im AT, die wir nicht verstehen oder in denen neben der Heiligkeit Gottes und der unbarmherzigen Härte des Gesetzes, des Zuchtmeisters, sein Erbarmen und seine Gnade noch gefehlt hat!

    In Christus hat aber nun der neue und vollkommen Bund stattgefunden und das Unvollkommene beendet! In ihm entdecken wir auch erst in Gänze und ohne Widersprüche den Charakter und das Herz des Vaters! Diese eindeutige Liebe Jesu und seine Zusagen sind für mich was zählt und woran ich alle Bibelstellen neuen und alten Testaments zu messen habe! Sie geben mir eindeutigen Trost und Heilsgewissheit.

      1. Ich habe mir den Artikel heute morgen auch durchgelesen. Er hatte Angst den Glauben verleugnet zu haben. Da würde ich ihm in der Seelsorge von Petrus, wie Jesus ihn zurückholt und gerade ihm seine Gemeinde anvertraut, erzählt haben. Und davon, dass Jesus uns treu ist, auch wenn wir untreu sind, wie die Schrift es sagt, denn er kann sich selbst nicht verleugnen! Und davon, das unser Heil allein durch Gnade geschieht und nie aus Werken. Davon, dass es jederzeit Vergebung und einen neuen Anfang gibt, wenn wir gesündigt haben. Und wenn der Hebräerbrief etwas anderes lehrt, dann sage ich: Christus aber nimmt den Sünder an, nicht den Gerechten.

        1. Man sieht, wie sorgfältig du Texte liest. Das Beispiel mit Petrus wurde ja Spiera bekanntgemacht. Es half ihm nicht! Und trotzdem führst du es hier an! Warum stellst du dir nicht die naheliegende Frage, warum das Beispiel des Petrus nicht geholfen hat? Nützt es irgendjemandem, dass Petrus vergeben wurde, wenn der Hebräerbrief sagt, dass beim Gläubigen heute, der zu wenig geglaubt oder zu viel „gesündigt“ hat, der Fall eintreten kann, dass er schon zu Lebzeiten unrettbar verdammt wird? Und der Hebräerbrief bedroht vorbildliche Gläubige, die in der Verfolgung „den Raub ihrer Güter mit Freuden erduldet haben“. (Hebr 10,34) Selbst diese sind in Gefahr. Was darf dann der normale Gläubige, der nicht alles geopfert hat, hoffen? So wie der Hebräerbrief formuliert, gibt es gar keine Vater-Sohn-Beziehung zu Gott. Sollte der Gläubige seinem anspruchsvollen „Vater“ nicht mehr genügen, ergeht es ihm schlimmer als jedem Tier, das geschlachtet und verwertet wird. Der Hebräerbrief lehrt eine knallharte Sklave-Herr-Beziehung, in der die Strafen unendlich viel härter sind als zu Moses Zeiten.

          Sehr aufschlussreich ist deine Formulierung: wenn der Hebräerbrief etwas anderes lehrt (dass es nicht jederzeit einen neuen Anfang gibt) DANN SAGE ICH…. Deine Autorität gegen die Autorität des Hebräerbriefes, gegen das angebliche Gotteswort? Nicht wenige evangelikale Pastoren machen es genauso: sie muten Gläubigen zu, ihre Heilsgewissheit von ihrer theologischen Meinung abhängig zu machen. Ist das nicht eine grandiose Selbstüberschätzung? Sie können ja nur bedauernd mit den Achseln zucken, wenn es in der Folge ein ewiges Hin- und Her in der gequälten Seele gibt, ein Zweifeln, ein Zagen, ob der Hebräerbrief vielleicht doch noch größere Autorität hat als das Pastorenwort oder vielleicht doch nicht? Eins ist sicher: Glaubensfreude und Lebensmut kann bei diesem Hin- und Her gründlich kaputtgehen. Doch dafür ist ja dann der Psychiater zuständig.

          Deinen Satz “ wenn der Hebräerbrief etwas anderes lehrt…“ hat Paulus anders fortgesetzt. Fällt es dir nicht auf? Hat er etwa gesagt wie du: dann muss man eben den ermutigenden Bibelstellen mehr Gewicht geben? Ganz sicher nicht! Sondern das: „Aber selbst wenn wir oder ein Engel vom Himmel euch ein Evangelium predigen würden, das anders ist, als wir es euch gepredigt haben, der sei verflucht. Wie wir eben gesagt haben, so sage ich abermals: Wenn jemand euch ein Evangelium predigt, anders als ihr es empfangen habt, der sei verflucht.“ (Gal 1,8-9) VERFLUCHT! Es gibt nicht nur eines, nicht zwei, nicht drei, sondern Dutzende Argumente für die Feststellung: der Hebräerbrief bringt die Werkgerechtigkeit durch die Hintertür wieder herein. Er weiß zur Freiheit des Christen nichts Überzeugendes zu sagen, sondern wirft ihn wieder in eine Sklave-Herr-Beziehung zurück, in der man ständig erpresst und bedroht wird und zudem verführt wird, andere zu erpressen, um das Gefühl der Ohnmacht zu mildern. Der ganze Galaterbrief beschwört die Gläubigen, dass es in dieser wichtigen Frage der Freiheit vom Gesetz Eindeutigkeit geben muss. Jeder Kompromiss ist tödlich für die Glaubensfreude. (Gal 5,4) Schon in frühester Zeit ist die Gemeinde in diesem Punkt fahrlässig gewesen.

          Anstatt das zu tun, was Luther empfohlen hat und was Paulus sicherlich auch getan hätte: den Hebräerbrief, dieses scheinheilige Geschreibsel eines unreifen Gesetzesfanatikers nicht als Glaubensdokument anzuerkennen. Werft diesen Schund endlich aus der Bibel oder – wenn die naiven Nostalgiker nicht darauf verzichten können, weil sie meinen, dass ja auch noch ein bisschen brauchbare Nahrung in dem Gift herumschwimmt – dann setzt wenigstens ein warnendes Vorwort hinein, dass der Hebräerbrief aus gutem Grund in der Christenheit umstritten war und bis heute geblieben ist.

  7. 1. Gefolgschaft meint die Nachfolge des nicht sündlosen Menschen. Sie hat nichts mit sündloser Perfektion (Fehlerachse Augustinus -Luther) noch mit politisch korrektem ökosozialen Verhalten zu tun (Fehlerachse Umweltreligion).
    Lukas 1, 6. Elisabeth und Zacharias waren gerecht. Die Lutherübersetzung hat hier lange mit fromm übersetzt, damit es ja niemandem auffällt, dass Gerechtigkeit nicht Sündlosigkeit oder perfekten Gehorsam meint, sondern Bundestreue. Es gibt eine Grenze des Lebensstils, innerhalb der man drinnen ist 1.Kor 6, 9f. Wer konstant ausserhalb lebt, bleibt draussen.
    Dieses Prinzip wurde durch den lutherischen „Vierschritt“ versaut:
    1. Gott verlangt Sündlosigkeit, perfekte Gesetzeserfüllung – 2. du kannst das nicht leisten – also 3. bleibt nur umgebuchte perfekte Gesetzeserfüllung als Lösung: iustitia imputativa extra nos, die im „Glauben“ ergriffen werden muss.
    4. Wem nun die unendliche Gerechtigkeit umgebucht wurde, erlangt das Heil auch als KZ-Manager oder prassender Landesfürst. Jede andere Behauptung wäre werxgerecht.
    Da der Glaube unsichtbar ist, darf er niemandem abgesprochen werden.

    2. Die von dir aufgeworfenen Fragen ethischen Verhaltens hätten zur Zeit des Paulus so geklungen: wie stellst du sicher, dass du keine Waren kaufst, die von Sklaven hergestellt wurden?
    Wie stellst du sicher, kein den Göttern geopfertes unreines Fleisch zu essen?
    Paulus sagt, forscht nicht nach.
    Dieser Problemkreis ist damit schnell erledigt. Es gibt ihn nicht im NT, warum also bei dir?

    3. Deine Sozialisation kenne ich nicht.
    Aber der Ansatz, mit Jesus die Bibel zu kritisieren, ist postgelikal sehr verbreitet und wird von Prof.Zimmer populär gemacht. Du definierst anhand von selbst definierten Regeln die nur lose in Math 23,23 erwähnt werden, ein Auslesekriterium, das gegen den Hebräerbrief angewendet wird. Das ist nun wirklich nur ein gradueller Unterschied zu Prof.Zimmer, der alles ablehnt, was nicht zu seinem humanistischen Jesus passt. Hätte die Kirche den Hebräerbrief ernst genommen, hätte sie die Abgefallenen nicht wieder aufgenommen ab 250, dann wäre die Kirche für Konstantins Pläne zu klein gewesen…keine Konstantinische Wende. Kein Novatianisches Schisma.
    Eine andere Kirche und eine andere Geschichte.
    4. Matthew Bates‘ Argumente sind historischer Natur. Pistis unter anderem als Gefolgschaft eines Soldaten gegenüber einem General. Das ist mehr als sola fide und weniger als sündloser ökosozialer Humanismus, wie du ihn mit deinen Erwägungen beschreibst.
    Das Volk beim Exodus war nicht sündlos. Aber die treuen kamen an.
    Nicht mehr, nicht weniger.
    Ad hominem Argumente ändern Fakten nicht.

    1. Lieber Bruder Sp.,
      du hast wieder sehr viel geschrieben. Was Luthers „Vierschritt“ betrifft… ich vertrete nicht Luthers Theologie, ich stelle nur fest, dass der Hebräerbrief immer wieder Christen, die ihrem Herrn folgen wollen, zutiefst entmutigt und in sinnlose Angst vor der Hölle gebracht hat. Ich selbst habe es so erlebt und bezeuge diese Erfahrung. Und sie war wohl auch Luthers Erfahrung, bevor er überhaupt irgendeine Art von Theologie zustande brachte. Insofern ist „Luthers Vierschritt“ oder was auch immer später kam, wie auch seine Auffassung vom Glauben für die Kanondiskussion völlig irrelevant. Schon gar nicht eine Diskussion, ob ein KZ-Manager die Himmeltür offen vorfindet. Zu sehr verlassen würde ich mich darauf nicht.

      Was hat das mit den Empfängern des Hebräerbriefes zu tun, die nach Hebr 10,34 opferbereite, tiefgläubige Christen mit Heilsgewissheit waren und dennoch bedroht werden? Was du mit „Gefolgschaft“ meinst, bleibt inhaltlich weitgehend unklar, wie auch der Kommentar von Thomas dem Hooligelikalen feststellt.

      Zu Punkt 2: Nun gut, ein Punkt für dich: Paulus sagte in der Tat: forscht nicht nach. Das mildert aber nur das dritte Beispiel, nicht nachzuforschen, ob ungerechte Produktion im Spiel ist. Bei den beiden anderen Punkten muss man nicht nachforschen. Heute verbrauchen wir Ressourcen ganz anders, sodass die Verantwortung für zukünftige Generationen sehr stark ins Blickfeld rückt. Adam und seinen Kindern wurde der Auftrag erteilt, die Erde zu bebauen und zu bewahren. Auch wenn es haufenweise Menschen gibt, die es nicht interessiert, wie unsere Enkel auf einer ausgeplünderten und verseuchten Erde vegetieren müssen, so ist das noch lange kein Beweis, dass das Gebot „Wer etwas Gutes zu tun weiß, und tuts nicht dem ist es Sünde.“ hier nicht anwendbar ist. Jedenfalls wirst du akzeptieren müssen, dass viele Christen kein kurzsichtiges Gewissen haben und nicht so leicht über die Frage hinwegsehen können, was sie späteren Generationen kaputtmachen. Auch Reisen mit Kreuzfahrtschiffen oder Flugzeugen verunreinigen die Luft massiv. Das weiß jeder: da muss man nicht nachforschen.

      Dasselbe gilt für das Thema Verzicht auf Genuss, damit Menschen, die hungern, das Nötige kaufen können, braucht man nicht nachforschen. „Wer etwas Gutes zu tun weiß, und tuts nicht dem ist es Sünde.“ Wieso ist das keine Sünde, wenn wir uns gegen den hungernden Menschen und für den Genuss entscheiden? Der Problemkreis ist schnell erledigt? Schnell verdrängt vielleicht – mehr aber auch nicht! Diese sehr belastenden Fragen werden von dir ignoriert. Dabei können sie bei Gläubigen durchaus die Angst entstehen lassen, dass sie sich mit diesem Verhalten wider besseres Wissen einer „mutwilligen Sünde“ schuldig gemacht haben. Röm 14,15b scheint dies zu bestätigen: wer jemanden verführt, wider besser Wissen Götzenopferfleisch zu essen, hat ihn damit ins Verderben gebracht. Röm 14,23 weitet den Sündenbegriff aus: alles, was mit Zweifeln genossen wird, fällt in dieselbe Kategorie: es kann den Gläubigen ins Verderben bringen. Man könnte diese Sätze natürlich auch sanfter auslegen, der Eindruck der Ausweglosigkeit wird indes durch den Hebräerbrief massiv verschärft.

      Zu Punkt 3: Schon Maleachi beansprucht größere Autorität als Mose, denn er kritisiert die Ehescheidung, die Mose erlaubt. (Mal 2,15) Auch Jesus bricht das Sabbatgesetz um der Liebe willen. Der Geist hat Vorrang vor dem Buchstaben (2Kor 3,6) Das ist Fakt: und ob dieser Ansatz verbreitet ist oder nicht – er ist richtig. Wo dieses Prinzip weiter anzuwenden ist, dazu muss man natürlich versuchen zu verstehen, wie Jesus heute handeln würde… Unmöglich scheint es nicht zu sein: siehe 1 Kor 1,26.

      Weil wir nach 1Kor 1,26 selber urteilen und denken dürfen, habe ich auch die Freiheit über Mt 23,23 mir viele Gedanken zu machen. Du willst mir diese Freiheit nicht zugestehen. Doch wo tauchen diese Maßstäbe eigentlich in deinem Denken und Argumentieren auf? Haben sie in deinem Denken die angemessene Bedeutung? Ich kann es nirgends sehen.

      Die Schublade „Prof Zimmer“ aufzuziehen und mich in dieselbe zu werfen, macht die Diskussion nicht klarer.

      Du kritisierst die Kirche, die „die Abgefallenen“ wiederaufgenommen hatte. Das waren Menschen, die dem Kaiser geopfert hatten, weil man ihnen im Falle einer Weigerung mit Hinrichtung drohte. Und nun alternativ kommen sie nach deiner Meinung alle in die Hölle und werden dort ewig gefoltert? Tatsächlich? Wegen einem Kaiseropfer, das erpresst wurde und nie freiwillig gegeben worden wäre? Das soll mit der Liebe des himmlischen Vaters zu seinen Kindern zusammenpassen: sie vor die Entscheidung einer Hinrichtung oder der ewigen Folter in der Hölle zu stellen? Ist das dein Gottesbild?

      Da ist ja selbst der Islam barmherziger: eine durch Grausamkeit erpresste Absage an den Glauben gilt als nicht gegeben.

      Deine ganze Argumentation offenbart, wie wenig Gedanken du dir um die in Mt 23,23 gebotene Barmherzigkeit machst. Weg aus der Gemeinde, ab in die ewige Hölle, das ist das einzige, was dir zu diesen geschundenen Menschen einfällt. Dabei ist noch nicht einmal sicher, ob du in einer ähnlichen Situation Heldenmut zeigen würdest. Aber dann über Menschen richten, die in Todesangst versagt haben!

      Was du dann noch erzählst über Konstantin und Novatian – ich denke eine Kirche, die von Liebe faselt und zugleich so unbarmherzig ist, ist nicht wert, dass sie existiert. Genauso wie der Hebräerbrief auch: er faselt von Liebe, von Trost und Mitgefühl – ohne sich dafür im geringsten ernsthaft zu interessieren. Warum behaupten eigentlich so viele Bibelausleger wahrheitswidrig , dass die Empfänger des Hebräerbriefes gar keine wiedergeborenen echten Christen waren? Weil sie andernfalls genau diesen Eindruck haben – wie unangemessen und rücksichtlos der Hebräerbrief mit diesen hochverdienten Gläubigen umgeht!

      Die Frage aus dem letzten Kommentar ist auch noch nicht beantwortet: ist das Herzeigen von akademischen Titeln mit der Nachfolge Jesu Christ vereinbar, mit seinem Verbot: ihr sollt euch nicht Meister oder Lehrer nennen lassen? Das Gebot ist nicht unwichtig! Die Pharisäer hatten sich damals auf einen hohen Sockel gestellt. Damit machten sie sich selber die Möglichkeit kaputt, bessere Argumente anzuerkennen. Das Gesicht musste immer gewahrt werden. Mit dieser Einstellung entstehen Denkschulen und Denktraditionen, die Konkurrenz nicht ertragen und auch berechtigte Korrektur zum Schweigen bringen müssen. In diesem Klima erlahmt schließlich die Suche nach der Wahrheit – es geht in erster Linie nur noch um die Verteidigung der eigenen Position. Würden sich alle Bibellehrer konsequent an dieses Gebot halten, dann hätten wir eine fruchtbare und lebendige Gesprächskultur. Und wir wären einen großen Teil der Bevormundung durch ein selbstgerechtes, karrieregeiles Establishment in der Gemeinde endlich los!

  8. 1. Deine Argumentation ist objektiv fehlerhaft, da Paulus selbst in 1.Kor 10 Christen daran erinnert, dass ohne Gehorsam auch sie wie die Exodusgeneration die Heilsverheissungen nicht erben.
    Der Hebräerbrief führt diesen genuin paulinischen Gedanken nur kenntnisreich aus.
    2. Paulus lehrt, dass Menschen mit vertrauendem Gehorsam (hypakoe pisteusin, Ro 1, 5 oder Gehorsam des Glaubens) – kurz Gefolgschaft (pistis) gegenüber dem Messias als Gerechte gelten, als treue Mitglieder im Bundesvolk (dikaiosyne historisch jüdisch) – und zwar ohne Konversion ins Judentum durch Beschneidung (erga nomou, Werke des Gesetzes).
    Diese „neue Paulusperspektive“ macht klar, dass Gehorsam gegenüber der Toraauslegung Jesu als Bestandteil von Gefolgschaft gegenüber dem Messias immer schon heilsnotwendig war,ist und bleiben wird. Und der Hebräerbrief bestätigt den richtig verstandenen Römerbrief und umgekehrt.
    Kurz: die bibeltreuen Evangelikalen predigen dasselbe falsche lutherische Missverständnis wie du.Nur fühlen sie sich verpflichtet, Luthers Irrtümer mittels hanebüchener Auslegung-Eiertänze mit den klar werxgerechten Stellen auszusöhnen, und du brauchst keine Verdrehungen, weil du die Autorität von Gottes Wort sowieso schon verworfen hast: Schriften der Bibel, die dein humanistisches postgelikal-lutherisches Evangelium widerlegen, können einfach ipso facto als unchristlich abgeleht werden.
    Schade: du erkennst, dass du mit einem falschen Evangelium aufgewachsen bist ( der Botschaft von der nicht-Heilsnotwendigkeit von Gehorsam), aber statt zum wahren Evangelium durchzudringen, lehntst du die Texte ab, die den Lutherismus am klarsten widerlegen.
    Christus ist allen, die ihm gehorchen, Urheber ihres Heils. Nichts anderes ist „Gerechterklärung durch Gefolgschaft“. Ach ja: Rechtfertigung durch Glauben, kann es allein schon deswegen nicht geben, weil pistis weder in der Synagoge noch in der antiken Kultur mit „Glaubensüberzeugung allein“ verstanden wurde.
    Matthew Bates „Salvation by Allegiance alone.“

    1. Lieber Bruder Sp.,
      Ich glaube, ich sollte einige Fehleinschätzungen und Missverständnisse ausräumen. Vertrete ich wirklich die Lutherische Rechtfertigungslehre, dass „allein der Glaube genügt“, auch wenn das Tun abscheulich ist? Ich glaube nicht, dass das irgendwo auf der Webseite vertreten wird. Wem das Heil wichtig ist, dem ist auch treue Gefolgschaft zu Jesus Christus wichtig. In der Auseinandersetzung mit den pharisäischen Buchstabenknechten hat Jesus darauf hingewiesen, worauf es ihm besonders ankommt: die wichtigsten Gebote, die in Mt 23,23 beschrieben sind: „Barmherzigkeit, Gerechtigkeit, Verlässlichkeit“. Dieser Ethik fühle ich mich verpflichtet. Wer immer sich unter den Einfluss Jesu begibt, wird diese drei Gebote als Kostbarkeiten sehen und in dieser Überzeugung erstreben. Da diese drei Werte oder Qualitätsmaßstäbe höchsten Rang haben, geben sie Orientierung und deshalb wird auch die Ethik in Übereinstimmung mit ihnen gestaltet.

      Wenn mich Christus zu wirklicher Freiheit (Jo 8,36) befreit hat, wie darf mich dann der Buchstabe zwingen, gegen mein Gewissen zu handeln? Was hat die Freiheit, dem an Mt 23,23 gebundenen Gewissen zu folgen, mit der Schublade des „Humanismus“ zu tun? Jesus hat den Buchstaben des Sabbats gebrochen um der Liebe willen (Mk 2,27-28), die Kritik der Buchstabenknechte hat ihn nicht gestört und der Gläubige darf diesem Beispiel folgen, gerade wenn er dadurch Schaden von anderen abwenden kann. Nur wenn Bibelworte die Bewertung anhand dieser Qualitätsmaßstäbe durchlaufen, können sie ihre heilsame Kraft entfalten. Diese Überlegungen dürfen aber nicht willkürlich nach persönlichen Vorlieben geschehen, sondern immer nur unter Beachtung spiritueller Disziplin. https://matth2323.de/geistliche-disziplin/

      Insofern verstehe ich deinen Vorwurf nicht, dass „ich die Autorität von Gottes Wort sowieso verworfen habe“. Tatsächlich? Du scheinst auf meiner Seite nicht gerade viel gelesen und geprüft zu haben.

      Jetzt mal „Butter bei die Fische“? Was verstehst du denn konkret unter „Gehorsam“? Jak 4,17 hängt die Latte sehr hoch: „Wer nun weiß, Gutes zu tun, und tut’s nicht, dem ist’s Sünde“

      Bereich Eigentum:
      du kaufst einen Kuchen. Jemand anders fehlt aber dieser Geldbetrag, um sich ein Brot zu kaufen, dass ihn vor dem Verhungern bewahrt. Was ist wichtiger? Verzichtest du grundsätzlich auf alle Ausgaben für Genuss, Hobby und Bequemlichkeit, damit möglichst viel Menschen, die sich Nahrung oder Ärzte nicht leisten können, geholfen wird?

      Bereich Umweltverschmutzung:
      du nutzt ein Auto. Das Auto verpestet mit Tausenden anderer Autos die Umwelt. Menschen sterben an Feinstaub und an Umweltkatastrphen durch die Klimaveränderung. Ist es Sünde, ein Auto zu benutzen, obwohl du Fahrrad fahren könntest? Verzichtest du auf Reisen, die mit hohem Energieverbrauch verbunden sind?

      Bereich Unrecht in der Produktion:
      In der Fleischindustrie leiden Tiere Entsetzliches. Isst du nur Fleisch aus artgerechter Haltung oder möglichst gar kein Fleisch? Verwendest du nur Fairtrade-Produkte, damit Arbeiter nicht ausgebeutet werden? Verzichtest du auf den Gebrauch von Handys, Computer und Elektronik, die Kobalt enthalten, das durch Kinderarbeit in Afrika gewonnen ist? Bist du bereit, dich vor dem Kauf eines Produktes zu überzeugen, dass das Produkt nicht aus ungerechter Produktion stammt?

      Es gilt: „Habt nicht Gemeinschaft mit den unfruchtbaren Werken der Finsternis; deckt sie vielmehr auf.“ (Eph 5,11) Weiter gilt: „Wer nur ein Gebot übertritt, hat damit das ganze Gesetz gebrochen.“ (Jak 2,17)

      Jetzt ist die Frage an dich: wieviel Gehorsam ist nötig zum Heil? An welchen Standard soll man sich halten, wann darf man sich des Heils sicher sein? Was ist, wenn der Gläubige sagt: es ist mir egal, was mein Verhalten andernorts anrichtet und sich weiter billige T-Shirts oder Elektronik kauft, von der anzunehmen ist, dass sie mit jämmerlich entlohnter Kinderarbeit gefertigt wurden. und er stirbt plötzlich…. ist er dann im Himmel oder in der Hölle, weil der Gehorsam gewohnheitsmäßig unvollständig war? Wo fängt die mutwillige Sünde an?

      Die Latte hängt denkbar hoch: „ihr sollt vollkommen sein, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist.“ (Mt 5,48)

      Zu dem von dir empfohlenen Autor Matthew W Bates Ph.D.: was hat ein Doktortitel bei einem Theologen zu suchen? Wo doch Jesus folgendes sagte: „Aber ihr sollt euch nicht Meister nennen lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. Und ihr sollt niemand euren Vater nennen auf Erden; denn einer ist euer Vater: der im Himmel. Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein. (Mt 23,8). Weder Meister, Master, Lehrer, Doktor oder Oberdoktor!

      Hat Bruder Bates das nie gelesen? Soll das jetzt die Art „Gehorsam“ sein, den Jesus erwartet?

      Ist nicht genau das recht typisch für bibeltreue Bibellehrer? Sie haben fast alle ihren Doktor, Master, Professor, Titel, die einen Vorsprung von Autorität erzeugen, sodass das, was ein Mensch ohne Doktortitel sagt, für weniger gewichtig gehalten wird. Auch wenn es dreimal wahrer und konstruktiver ist. Was hat sich Jesus bei dieser Mahnung wohl gedacht? Gar nichts? Ist sein Gebot wirklich so unbedeutend, dass der Gläubige es ignorieren kann, als wäre es nie gesagt worden? Tatsächlich? Oder ist es ein wichtiges Gebot? Macht es Sinn? Ich, der ich nach deiner Einschätzung „die Autorität von Gottes Wort sowieso verworfen habe“, glaube das. Ist es nicht viel besser, man lernt und übt das Argumentieren auf der Basis der Qualitätsmaßstäbe Jesu? Denn was wahr, ist und bleibt wahr, auch wenn es von einem geistig gering ausgestatteten Menschen (διανοητικά καθυστερημένος) gesagt wird.

      Zu Paulus; Wenn man genau liest, dann merkt man, dass er situationsbezogen argumentiert: Seine scharfen Worte in 1.Kor 6 sind eine Reaktion auf Leute, die an Nachfolge gar kein Interesse haben, Leute, die den christlichen Glauben zum Vorwand nehmen, sich in der Gemeinde aufzuhalten, um dort Menschen, die nichts Böses ahnen, umso leichter betrügen und ausnutzen zu können. Das ist wirklich ein Skandal! Ganz anders in Eph 1, im Galaterbrief, wo er gutwillige Christen anredet, denen natürlich der Geschenkcharakter der Erlösung deutlich gemacht wird. Man kann aus diesen Aussagen kein System machen. Wir können uns das Heil nicht durch Wohlverhalten kaufen. Aber Treue und Wertschätzung Jesu und seiner Leitung bleibt das unverwechselbare Kennzeichen des Christen.

      In einem weiteren wichtigen Punkt irrst du auch, nämlich mit der Annahme, dass ich mit einem liberalen Christentum aufgewachsen bin. Auch das zeigt, wie oberflächlich du die Texte dieser Webseite liest. Das Gegenteil ist wahr. Ich bin streng bibeltreu erzogen worden, wurde mit Ethik traktiert, bis mein Gewissen unter dem Ringen um vollständigen Gehorsam zusammenbrach und zu guter Letzt ständig wund wurde. Obwohl ich mir große Mühe gab, alles, was das Gewissen forderte, einzuhalten, war die Heilsgewissheit und Glaubensfreude sehr bald zerstört. Ich wurde psychisch für Jahrzehnte schwer krank Unter „Notfallberichte“ sind viele ähnliche Leidensschilderungen zu finden, von Gläubigen, denen fromme Buchstabenknechte in unangebrachtem Selbstbewusstsein schwerste Lasten auferlegt hatten. Tröstlich ist zu wissen: genau vor diesem überfrommem Wahn hatte Jesus einen tiefen Abscheu. (Mt 23,4)

      Das erkläre mir doch: wieviel Unvollkommenheit darf sich ein Christ leisten, ohne in „mutwillige Sünde“ zu geraten und eine höllische Konsequenz befürchten zu müssen?

      Das Perverse am Hebräerbrief ist die Tatsache, dass er gutwilligsten Christen, die bereits Heilsgewissheit hatten und in der Vorfreude auf den Himmel all ihr Hab und Giut geopfert hatten (Hebr 10,34), dennoch viermal mit der unwiderruflichen Verdammung noch zu Lebzeiten gedroht wird. Wenn selbst diese Menschen bedroht sind, was darf dann der erwarten, der von diesem hohen Niveau weit entfernt ist? (https://matth2323.de/hebraeerbrief-fuer-nicht-bekehrte/)

      Diese Perversität ist in dem thematisch ähnlichen Paulustext in 1.Kor 10, den du zitierst, nicht zu finden.
      Dass dir das nicht auffällt! Immer wieder bestätigen gutwillige und sorgfältige Christen, dass sie ihre Heilsgewissheit durch den Hebräerbrief verloren haben. Auch ein Luther konnte sehr früh dieselbe Erfahrung machen, ohne dass er seine umstrittene Gnadenlehre bereits entworfen hatte.

      Schade, dass Mitgefühl mit den Mitchristen, die durch den „tötenden Buchstaben“ (2.Kor 3,6) geschädigt wurden, bei dir leider so wenig zu sehen ist wie bei dem Verfasser des Hebräerbriefes. Es scheint, dass dich nur theologische Schubladen interessieren: Humanistisch, Postevangelikal, Lutherisch. (άχρηστη ανοησία)

      Interessieren Jesus diese Schubladen auch? Oder interessieren ihn vielmehr die Menschen, gerade diejenigen, die von ihrer pharisäischen Umgebung getriezt, abgelehnt und verurteilt werden?

    2. Lieber Herr Sp.,

      das sind – mit Verlaub- bahnbrechende Erkenntnisse, an denen Sie uns teilhaben lassen !

      Aus 1. Kor 10 lese ich allerdings etwas anderes heraus als Sie… dort geht es um Anbetung falscher Götter und um das eigene Gewissen, das v.a. Rücksicht auf Geschwister haben sollte…
      zudem bekräftigt Paulus dort eine Aussage, die er bereits in 1. Kor 6 verwendete: „Es ist alles erlaubt, aber nicht alles dient zum Guten“. Stützt dies Ihre Argumentation ?

      Aber vielleicht möchten Sie uns ja ein paar Fragen beantworten, nur damit wir Sie nicht falsch verstehen ?

      Wie verstehen Sie das Ergebnis des Apostelkonzils (Apg 15), wonach die Apostel den Heiden nur noch eine Minimalethik von 4 Geboten auferlegten ? Haben die das Evangelium auch schon nicht recht verstanden ?

      Sie sagen, es sei fürs Christsein notwendig, dass man „Gehorsam gegenüber der Toraauslegung Jesu“ an den Tag legt, korrekt ? Wie sieht das im konkreten Fall denn aus ? Sollen wir jetzt die 623 Ge- und Verbote der Tora in unseren Alltag befolgen oder „nur“ die Teile, die von Jesus in den uns überlieferten Schriften der Evangelien zur Sprache bringt ?

      Hat Jesus, wenn er sich nicht gerade im Disput mit den Pharisäern befand, einzelne Menschen auf ihre Toraobservanz angesprochen ? Oder hat er nicht vielmehr auf die Frage seiner Jünger, wer denn überhaupt selig werden könne, geantwortet mit: „Bei den Menschen ist´s ummöglich, aber bei Gott ist alles möglich.“ (Mt 19,26)

      Das, was der von Ihnen zitierte Herr Bates vertritt, scheint im Grunde nicht viel anders zu sein
      als das im US-amerikanischen Raum schon vor einigen Jahrzehnten entstandene Konzept der Lordship Salvation“, wie mir scheint. (=Errettung durch tätigen Gehorsam) Dieses Konzept geht wohl auch auf den bekannten calvinistischen Bibellehrer John McArthur zurück. (derselbe McArthur, der übrigens auch Corona leugnete… bei Bedarf bitte googeln !)

      Es scheint Menschen zu kitzeln bzw. zu schmeicheln, wenn man Ihnen das Gefühl gibt, an einem exklusiven, überlegenen („Geheim“-)Wissen teilhaben zu lassen, das der Mehrzahl anscheinend verborgen bleibt… Das war schon in der frühchristlichen Gnosis so. Ich möchte Ihnen diese Geisteshaltung nicht unterstellen wollen.

      Jesus gab uns ja die Goldene Regel (Mt 7,12) , welche die gesamte Tora mitsamt Propheten auf den Punkt bringt und Nächstenliebe definiert. Sofern Sie sich mit Ihrem Beitrag nur hierauf bezogen haben sollten, gebe ich Ihnen insofern Recht, als dass diese eine verbindliche Richtschnur für unser aller Leben sein sollte !

      Mit freundlichen Grüßen
      thomas

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