Vorbilder im Glauben

Menschen mit starkem Gottvertrauen und spiritueller Reife können für Menschen, die erst am Anfang des Glaubensweges stehen, ein Segen sein. 

Jeder Gläubige ist aufgerufen, so in der Haltung seines Meisters zu leben, dass er denen, die jünger im Glauben sind, beistehen kann. Auch wenn er keine Leitungsfunktion hat, ist es der natürliche Wunsch eines Gläubigen, zu wachsen und „älter im Glauben“ zu werden.

Den Älteren im Glauben kann man am ehesten die Aufgabe anvertrauen, für die Belange der Glaubensgemeinschaft zu sorgen und sie vor Schädigung zu schützen.

Gläubige, die in den Vorstand einer Glaubensgemeinschaft gewählt werden, sind nicht automatisch Ältere im Glauben. Manche werden wegen spezieller Fähigkeiten (z.B. ein gutes Händchen für Finanzen) gewählt, obwohl sie glaubensmäßig nicht weiter vorangekommen sind als die Gläubigen, die sie gewählt haben. Wenn von der Satzung einer Gemeinschaft eine Zahl an Vorstandsmitgliedern vorgeschrieben ist, und sich wenig Gläubige finden, die für diesen Dienst Zeit und Lust haben, dann werden notgedrungen auch ungeeignete Leute in diese Position gewählt. Schon aus diesem Grund ist eine Gleichsetzung von Vorstandmitgliedern und Älteren im Glauben nicht sinnvoll.

Die gebräuchliche Bezeichnung „Älteste“ erscheint unangemessen, da sie die Wahl in das Amt quasi automatisch mit einem spirituellen Autoritätsanspruch verknüpft. Jesus hat ohnehin verboten, dass sich Gläubige mit Superlativen anreden lassen. „Sie sitzen gern obenan beim Gastmahl und in den Synagogen und haben’s gern, dass sie auf dem Markt gegrüßt und von den Leuten Meister genannt werden. Aber ihr sollt euch nicht mit Meister anreden lassen; denn einer ist euer Meister; ihr aber seid alle Brüder. … Und ihr sollt euch nicht Lehrer nennen lassen; denn einer ist euer Lehrer: Christus. Der Größte unter euch soll euer Diener sein.“ (Mt 23,8) Es ist deshalb sinnvoll, besser von „Älteren im Glauben“ zu sprechen, da hiermit die Frage assoziiert wird, wieviel älter denn der Betreffende tatsächlich ist.

Ältere im Glauben (1.Tim 5,17) werden sich immer selber prüfen und deshalb auch eine Überprüfung durch Gemeindemitglieder begrüßen, da hierdurch ihre Vertrauenswürdigkeit bestätigt wird.

Die Vertrauenswürdigkeit der Älteren ist für ein friedliches und liebevolles Miteinander in der Glaubensgemeinschaft von entscheidender Bedeutung.

Auch der Apostel Paulus war jederzeit bereit sich prüfen zu lassen, sich „in allen Dingen als Diener Gottes zu beweisen, ...durch ungetrübte Liebe, mit Hilfe des Wortes der Wahrheit,   durch die Kraft Gottes, durch die Waffen der Gerechtigkeit zur Rechten und zur Linken...“ (2.Kor 6,7). „Wir halten uns fern von allen schändlichen und lichtscheuen Verhaltensweisen: weder täuschen wir jemanden noch und  verfälschen wir das, was Gott gesagt hat. (2.Kor 4,2) „Gebt uns Raum [in euren Herzen]: Wir haben niemandem Unrecht getan, niemand geschädigt,  niemanden übervorteilt.“ (2.Kor. 7,2)

Auch für junge Christen, die gerne später einmal der Gemeinschaft als Älterere dienen möchten, ist die Prüfung anhand der Maßstäbe Christi wichtig. Je sensibler der Gläubige auf diese Maßstäbe reagiert, desto mehr spirituelle Autorität und Glaubwürdigkeit ist bei ihm sichtbar.

Leider werden die Maßstäbe Christi immer noch von vielen evangelikalen Gläubigen als zweitrangig (!) eingeschätzt! Manche Gläubige wissen nicht einmal, dass es sich hierbei um die wichtigsten Grundsätze Jesu (Mt 23,23) handelt …

Verwende deshalb die gleichen Maßstäbe, wenn du prüfen willst…

Grundsätzlich kannst du Älteren, die sich zu den Qualitätsmaßstäben Christi als wichtigstem Gebot bekennen, Vertrauen entgegenbringen. 

Wenn du dir überlegst, wie Du selbst von anderen Gläubigen behandelt werden möchtest (Mt 7,12), wenn Du ein wichtiges Anliegen hast, oder was zu tun ist, damit die brüderliche Liebe und Verbundenheit stärker wird (Rö 13,10) , dann wirst Du sehr wahrscheinlich ganz ähnliche Fragen stellen…

 

1. Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit


Stehen Deine Älteren ehrlich Rede und Antwort, wenn man sie zu dem befragt, was sie in Lehre und Seelsorge vertreten?


Oder behindern oder verfälschen sie den Informationsfluss, um notwendige aber unbequeme Kritik abzuwehren:

– wird ein klärendes Gespräch in einem anerkennenswerten Anliegen verweigert? Werden Briefe mit wichtigem Anliegen nicht beantwortet?

– wird  inhaltlich Schwerwiegendes mit formalen Beanstandungen abgewehrt?

– nimmt man eine offensichtliche Lüge eines Mitgliedes oder Ältesten widerspruchslos hin?

– wird ohne bibelgemäße Begründung – allein auf der Basis privater Interessen – widersprochen?

– wird die Gefahr des Machtmissbrauchs gesehen und ehrlich angesprochen und ist die Gemeinde über Gegenmaßnahmen informiert?

– dürfen  Gläubige aus einer anderen Gemeinde auf Irrtümer und Gefahren aufmerksam machen?

– wird ein Vermittlungsgespräch mit einem unparteiischen Zeugen, der nicht zur Gemeinde gehört, verweigert?

–  wird die Weitergabe von bibelgemäßen Informationen behindert oder verboten?

– wird Hausverbot erteilt, ohne dass die Mitgliederversammlung den Ausgeschlossenen hören und über den Fall  entscheiden darf?

 


2. Gerechtigkeit, Fairness


Lehren Deine Älteren die Wertschätzung fairen und gerechten Handelns durch Reden und Tun?

– kann man offen über das Thema „Fairness“ reden?

– ist es möglich, für Gespräche Fairness-Regeln zu vereinbaren? Ist es möglich im Fall unfairer und verantwortungsloser Seelsorge, die Angelegenheit vor die Gemeinde zu bringen ? (siehe: „Beichtgeheimnis„)

– ist der Inhalt wichtiger als die Form oder werden formale Argumente gegen inhaltliche ausgespielt?

– behandelt jemand Gläubige, die nicht zum Vorstand gehören, von oben herab,  anstatt sich als „Diener“ (Mt 23,11) ihrer Mitchristen zu betrachten ?

– spielt sich jemand als Experte auf, obwohl der Betrag eines anderen Gläubigen seriöser und biblisch besser begründet ist ?

–  urteilt jemand bei Fehlverhalten von Älteren weniger streng, obwohl nach biblischer Ordnung „strenger geurteilt“ (Jak 3,1) werden muss?

– verweigert jemand ein Vermittlungsgespräch nach Mt 18,16, wenn  als Vermittler ein Christ aus einer anderen Gemeinde bestimmt wird ?

– Ist es möglich, Beschwerden gegen ein Vorstandsmitglied an unparteiischer Stelle vorzubringen, d.h. bei Älteren einer bibelgläubigen Gemeinde, die nicht unter dem Einfluss der Gemeinde des Beschuldigten stehen ? Wird diesen Älteren das Recht zugestanden, die Parteien zur Sache zu hören und ihre Beurteilung in den Mitgliederversammlungen der involvierten Gemeinden zu berichten ?

– ist man gleichgültig gegenüber der Gefahr der Befangenheit bei Anhörung und Entscheidung oder ist man sensibel für die Notwendigkeit eines qualitätsorientierten, unparteiischen Verfahrens ?

– Wird ein Gläubiger im Falle eines Rechtsstreites benachteiligt, bloß weil er aus einer anderen Gemeinde stammt?

– Wird jemand in einem Rechtsstreit begünstigt, weil er angesehener oder wohlhabender ist und mehr spendet ? Merke: Der heilige Geist wohnt in allen Gläubigen und hat ihnen damit  königliche und priesterliche Würde geschenkt (Offb 1,6).

Begünstigung in einem Rechtsstreit ist deshalb in der neutestamentlichen Ethik eine besonders schwere Sünde. Sie hat „ein unbarmherziges Gericht“ (Jak 2,13) zur Folge.

 

3. Barmherzigkeit (besonders mit schwachen Mitgliedern)


Für Jesus war und ist der Schutz der schwachen Mitglieder der Gemeinde besonders wichtig: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder angetan habt, das habt ihr mir angetan“! (Mt 25,40.)

Es ist das Kennzeichen des Älteren im Glauben, dass er sich für das Wohl seiner Mitchristen verantwortlich fühlt. Wenn ein Hirte hundert Schafe hat und eines davon läuft ihm weg, was wird er dann wohl tun? Wird er bei den Hundert bleiben oder wird er sich auf die Suche machen nach dem einen Schaf, das ihm verloren gegangen ist?“(Luk 15,4)

Auch hier ist der Trend genau entgegengesetzt. In vielen Gemeinden haben die Bedürfnisse der Hundert Vorrang, denen es vergleichsweise gut geht und die mit einem unterhaltsamen frommen Programm bedient werden wollen.

In zwei Bereichen ist ein Mangel an Barmherzigkeit besonders auffällig:

a) Achtung vor dem Alter

– respektieren die jüngeren Älteren den Rat älterer und erfahrener Christen, auch wenn sie nicht zum Vorstand gehören ?

b) Schutz der durch Unrecht bedrohten und geschädigten Mitchristen

– setzen sich die Älteren dafür ein, dass der Schutz schwacher und hilfsbedürftiger Menschen in der Gemeinde verbessert wird ? Oder wird über Unrecht, das ihnen jemand zufügt, gleichgültig hinweggesehen ? Bleiben die Betroffenen auf ihrem Schaden sitzen, obwohl er repariert werden könnte ? Wird der Täter an seine Verantwortlichkeit erinnert, dem Betroffenen durch tätige Reue, durch praktische Hilfe das Vergeben zu erleichtern ?

Leider ist der Trend ist in vielen bibeltreuen Gemeinden  genau entgegengesetzt: auch schlimmstes Unrecht wird eilig unter den Teppich gekehrt: es wird als Privatangelegenheit der Betroffenen gesehen.

Auch wenn dies vielerorts der Brauch ist, so ist dennoch die Frage zu stellen:

Ist eigentlich bekannt, dass Gott den Gottesdienst von Menschen verabscheut, die gegenüber Unrecht in der Gemeinde gleichgültig sind?

Was zertrampelt ihr meine Vorhöfe… ihr kommt zu den Festen zusammen, aber ich verabscheue sie… betet soviel ihr wollt: ich werde nicht zuhören… lernt wieder Gutes zu tun !  Setzt euch ein für eine gerechte Rechtsprechung, helft den Rechtlosen, den Witwen und Waisen gegen ihre Bedränger!“ (Jes 1,12 ff)

Hört auf mit dem Geplärr eurer Lieder, ich mag eure Musik nicht hören! Bemüht euch endlich um ein faires Miteinander! Die Liebe zum Recht soll das ganze Land durchströmen wie ein mächtiger Fluss!“  (Amos 5,23-24)

Auch im Neuen Testament heißt es: „Helft, das Böse aufzudecken!“ (Eph 5,11)

So unwichtig kann die Bemühung um den Schutz vor Unrecht in der Gemeinde also nicht sein.  Es ist ein längere Prozess des Umdenkens nötig, um die schlechte Tradition der Gleichgültigkeit gegenüber Unrecht zu überwinden. Diese Aufgabe bedarf gemeinsamer Anstrengung, wenn auch die Hauptlast an wenige geeignete Gläubige delegiert werden kann.

Auf unserer Internetseite sind dazu viele Anregungen und praktische Vorschläge zu finden. Die Gemeinde sollte über ein evt. Defizit ehrlich informiert werden. Dann werden auch aus der Gemeinde viele gute Vorschläge kommen. Schlimm ist es, wenn eine Gemeinde hier in Unkenntnis gelassen oder dahingehend getäuscht wird, dass sie auch ohne Bemühung um das Recht geistlich gesund sein kann.

Artikel aktualisiert am 11.01.2022

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