Video Fehlende Heilsgewissheit – Was nun?:

(Ein Interview von Simon Poppe)

(in Bearbeitung…)

 

Transkript

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(Simon Poppe:) Ja, hallo liebe Geschwister. Ich grüße euch wieder im Namen unseres Herrn Jesus und heute haben wir mal eine Premiere
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und zwar heute führe ich ein Interview mit einem Bruder, dessen Namen ich nicht
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erwähnen soll und den ihr auch nicht zu Gesicht bekommen werdet, aber ihr könnt ihn hören. Und  zwar geht es
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darum, ich habe ja in den letzten beiden Folgen über die Frage gesprochen, kann ein Kind Gottes noch verloren gehen?
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Und ich hatte auch einleitend gesagt, dass  dass sich diese Folgen auch
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speziell an  solche richten, die halt sich selbst  sehr sicher sind,
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dass sie nicht mehr das Heil verlieren können, einfach um mal eine andere
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Seite aufzuzeigen. Aber das schließt natürlich ganz ganz viele Brüder aus oder Schwestern, die schon seit Jahren
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in größter Not sind und halt keine Heilsgewissheit haben. Ich war letztens
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mal in der Russlanddeutschen Gemeinde und da hatte ein junger Bruder mir anvertraut, du Simon, ich glaube 80% der
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Geschwister hier …. nicht nur, dass sie keine Heilsgewissheit haben, sondern sie glauben sogar eher, dass sie verloren
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gehen, weil sie unter so strenger Erziehung und Belehrung waren, dass sie
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sich einfach für unwürdig halten,  ins Reich Gottes einzugehen.
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Und das muss man einfach sehen. Es gibt tatsächlich mehr Gläubige, als wir uns vorstellen können, die keine
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Heilsgewissheit haben. Und an für diese ist das heutige Video gedacht, denn
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ich habe hier einen Gast, der genau diese Nöte hatte und teilweise heute
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sogar immer noch hat, der mir schon viel erzählt hat über seine Not und darüber
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wollen wir heute mal sprechen.  ja, ich darf jetzt deinen Namen nicht nennen, aber gerne würde ich dich
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jetzt mal einleitend fragen, lieber Bruder, wie kam es dazu, dass du
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irgendwann gemerkt hast:  das mit der Bibel und mit  dem, was da steht,
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das kann ich überhaupt nicht ertragen. Daran gehe ich zugrunde.

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(Betroffener:) Ja. Hallo erstmal und ich will mich dazu gerne äußern. Lieber Bruder,
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ich freue mich, dass du mich dazu mal befragst. Ich denke auch, dass es wichtig ist, dass  solche
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Erfahrungen in der Gemeinde Gottes nicht unter den Tisch fallen oder vergessen werden, weil ich denke – das
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ist wichtig -, weil die Gemeinde, alle Christen ein Leib sind, wie der Apostel
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Paulus sagt. Und wenn ein Mitglied leidet oder verzweifelt, dann geht es auch die anderen etwas an. Dann sollte sich
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der ganze Leib unwohl fühlen und über Abhilfe nachdenken.
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Ja, leider ist es oft anders, aber wie gesagt, ich freue mich, dass heute ich auch einmal für diese Geschwister
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sprechen darf. Ja, das mit dem Schwund der Heilsgewissheit ist eigentlich bei mir schon relativ
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früh passiert. Ich bin sehr streng christlich erzogen worden und mit
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vier Jahren hat mir mein Vater schon Bilder von der Kreuzigung gezeigt, die ich dann
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zugegebenermaßen sehr  schwer verarbeiten konnte und ich kam auch in eine sehr
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fundamentalistisch und ethisch streng orientierte Jugendgruppe
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wo wir  über alle die
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Verse der Bibel von der Hölle und von der Pflicht zur zum unbedingten
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Gehorsam belehrt wurden. Das hat sich bei mir tief eingeprägt. auch diese vielen Bibelworte, die so uns vor Augen führen,
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dieses Entweder-Oder zum Beispiel:  wenn du lau bist, dann wirst du ausgespieen aus dem Mund Gottes und verflucht, wer Jesus nicht
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liebt. Und dann die Menschen, die nur sagen: „Herr, Herr“ sie machen aber
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nicht das, was Jesus verlangt, die sind dann selber schuld, wenn sie später in den
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Himmel wollen und nicht rein dürfen nach ihrem Tod. Also ich habe da eine tiefe Ehrfurcht
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entwickelt, zweifellos. Und meine Bibellehrer waren auch
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sehr engagierte, treue Christen, die sich liebevoll bemühten um andere Menschen in praktischen Dingen und die daher eben
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auch eine große Vorbildfunktion für mich hatten. Ich habe das eins zu eins übernommen, was sie mich gelehrt haben
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und kam also gar kam gar nicht auf die Idee, dass das in Frage zu stellen ist, weil ich dachte, das ist ja die beste
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aller Welten. Auch mein Vater war mir so ein Vorbild in der liebevollen
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Fürsorge für andere in praktischen Dingen, dass ich sagte, so möchte ich eigentlich auch werden und das ist hier
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die beste aller Welten. So muss man denken. Und er selber schien ja auch keine Probleme mit dieser Frage zu
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haben. Aber es war so, dass ich eines Tages meinen ersten Absturz
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erlebte und das geschah so, dass ich mich an dem Bibelwort zermarterte.
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„Wer etwas Gutes zu tun weiß und tut es nicht, dem ist es Sünde“. Und da
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tauchte dann die Frage auf: Darf ich überhaupt Geld, das ich habe, für mich selber verwenden? Bin ich nicht
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verpflichtet, alles zu tun, dass andere nicht verhungern, dass andere Christen nicht ihre Töchter in die Prostitution
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verkaufen müssen, weil sie sonst nicht mehr ihre Existenz fristen können. Muss ich nicht alles hingeben?
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Wer bin ich, dass ich Geld für Hobbys ausgeben darf oder mir das Leben
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angenehm machen darf? Und an dieser Frage bin ich eigentlich zerbrochen. Ich konnte mir das nicht
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so beantworten, dass meine Seele zur Ruhe gekommen wäre. Meine
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Glaubensgeschwister haben mir gesagt: Der christliche Usus ist, dass du den Zehnten gibst und damit ist Gott
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zufrieden und mehr musst du nicht. Aber mir erschien das unglaubwürdig,
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weil wie gesagt der Zehnte ist ja für mich eine Regelung, die Jesus gut geheißen hat,
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zu einer Zeit, wo es die christliche Gemeinde noch gar nicht gab und wo im Grunde
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genommen dieses Bibelwort von Paulus oder von Jakobus, dass einer dem
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anderen beistehen, also dass der Leib Christi zusammenhalten muss, sich gegenseitig helfen muss, alle Mitglieder sich helfen
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müssen, … das spielt ja noch gar keine Rolle. Insofern war der Zehnte eine sehr vorläufige
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Regelung in meinen Augen. Und zum anderen sah ich ja auch Christen, die wirklich Geld für Dinge ausgaben, die
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gar nicht verantwortbar waren. Das stellte die Zehnten-Regelung erst recht in
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Frage. Also Christen, die Weltreisen machten, die ihr Haus ganz luxuriös einrichteten oder sich Riesenhäuser
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kauften und die dicksten Wagen fuhren und alles ohne irgendeine Kritik in der
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Gemeinde. Das war völlig selbstverständlich, wurde sogar positiv gesehen als Segen Gottes. Und da fragte
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ich mich auch immer wieder, das kann doch unmöglich im Sinne Gottes sein. Aber wenn jetzt diese Geschwister ein
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strenges Gerichtswort hören mussten, dann musste ich es fairerweise auch, da ich ja auch nicht alles für die Not
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anderer Menschen zu geben bereit war. Und an dieser Frage habe ich mich furchtbar wund gescheuert. Und dann eines Tages
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habe ich auch  respektlose Worte gegen Gott gerichtet.
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Ich habe mit ihm geschimpft, gehadert, gesagt, warum bist du so? ist es nicht gemein von dir, dass wir nur spirituelle
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Freuden haben dürfen  aber keine materiellen
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ich finde das schlimm, dass du nur geistliche Freuden über die materiellen stellst. Und als ich das alles gesagt
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hatte, überfiel mich eine ganz furchtbare Angst, nämlich dass ich jetzt die geistlichen Freuden abgewertet
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hätte. Ich hatte den Geist Gottes abgewertet. Ich hatte ein Wort gegen den Heiligen Geist gesagt und die Bibel sagt
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ja, wer ein Wort gegen den Heiligen Geist sagt, der geht verloren. Da ist keine Umkehr mehr möglich. Dass es
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mir leid tat, spielte dann auch keine Rolle mehr. Und ja, so war mein Leben
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nach der Schulzeit zu Ende. Ich hatte nur noch Angst, ganz grausame Todesangst vor der Hölle. Jahrelang,
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Jahrzehntelang. Immer wieder tauchte sie auf. Ja, das war meine Situation.
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Und wie gesagt, ich traf im Laufe dieser Zeit auch immer wieder Menschen an, die
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in ähnlicher Situation waren. Ein lieber alter Bruder, ein Freund meines
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Vaters, ein Diakon, ganz lieb und treu – Er macht ein Gesangbuch für die Gemeinde – und trotzdem war er immer wieder in der
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Psychiatrie. Seine Frau sagte, er weint und sagt: „Mein Jesus hat mich nicht mehr lieb.“ Solche Schicksale, die sind
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mir immer wieder mal begegnet.“

 

(Simon Poppe:) Ja. Kann man vielleicht vermuten, dass
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das …. oder würdest du heute sagen oder es nicht ausschließen können: das
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sind ja alles irgendwie Dinge, die sich bei dir im Kopf abgespielt haben.  Also, es ist ja nicht so, dass Gott aus dem
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Himmel zu dir geredet hat und gesagt hat, also jetzt hör mal zu, jetzt ist
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Schluss. Meine Geduld ist jetzt zu Ende mit dir. Du hast ja böse Worte
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geredet. Und jetzt ist sozusagen deine christliche Karriere
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beendet. Jetzt will ich mit dir nichts mehr zu tun haben. All das hat Gott ja de facto nicht zu dir gesagt, aber du
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hast  irgendwo  eine innere  Verzweiflung gehabt, die in dir
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aufkam, dass du gedacht hast, jetzt wird Gott mir nicht mehr vergeben können.
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Würdest du sagen, das war alles irgendwie eingebildet oder  würdest
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du jetzt im Nachhinein trotzdem sagen, doch, die Bibel gibt diesen Befund her? Würdest du sagen, dass es biblisch war,
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was du gedacht hast?

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(Betroffener:) Ja, gut. Ich gebe natürlich zu, dass ich jetzt kein direktes Signal von Gott
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bekommen habe, keine Flammenschrift an der Wand: Mene Tekel Upharsin.
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Das ist klar, aber sind es sind doch Phänomene aufgetaucht, die mich
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extrem erschreckt haben. Z.B. Durch diese riesige Angst hat sich die
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Wahrnehmung von Tönen verändert. Die Stimmen von Menschen, die mir lieb und teuer waren, die kamen zu mir wie durch
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eine Röhre gesprochen. Das klang ganz anders plötzlich. Und auch  das,
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was ich sah, war irgendwie von einem dunklen Schleier überlagert. Also, es war dunkler, die Farben waren dunkler und das waren
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ja auch sinnliche Phänomene, die mich extrem erschreckt haben. Und natürlich kann ich sagen, der Körper
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hat das produziert, aber ich hatte ja nichts anderes als die Sinneserfahrung und …
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das hat also die Angst extrem verstärkt. Man muss dazu sagen, dass ich
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auch, was so Bibelstudium betrifft alles aufgewendet habe um meine Angst zu
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mildern. Ich habe mir ganz dicke Stapel Karteikarten mit Verheißungen Gottes auf-
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geschrieben. Die trug ich immer bei mir. Die habe ich dann memoriert, auswendig gelernt in der Hoffnung, dass ich damit
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diese Ängste überschreiben könnte. Und  ich habe also die Bibel von vorn
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bis hinten durchforscht, um irgendwo Anknüpfungspunkte zu finden,
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die mir erlaubten, jetzt die Sache positiver zu sehen. Aber ich muss  sagen,  da war irgendwo
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eine Prägung schon gelegt worden, die das verhindert hat. Also, ich habe seit frühester Jugend immer nur gehört, Gott
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ist lieb, aber er ist auch unendlich grausam, weil er gerecht sein muss. Und dieser Satz, ein mich heute
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quasi  schizophren dünkender Satz, hat das so tief verankert, dass eigentlich kein
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anderes Gottesbild sich irgendwie bilden konnte und ich also in dieser
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Angst gefangen blieb. Und eine Wende gab es eigentlich erst, seitdem ich
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wahrgenommen habe…  also seitdem ich mich insbesondere vom Hebräerbrief als Spätwerk des Kanons distanzieren konnte,
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so wie es Luther gemacht hat.

(Simon Poppe:) was mich noch mal interessieren würde, äh würdest du sagen, dass da auch
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ein bisschen deine Erziehung, deine Eltern eine Rolle spielten, dass du aus
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diesem negativen Gottesbild gar nicht so rausgekommen bist. Es gibt ja
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auch durchaus sehr, sehr viele Bibelworte, die positiv sind. Z.B. äh, dass Gott wie ein Vater ist, der einem
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immer gerne vergibt, diese ganzen positiven Bibelstellen, bloß dass du die halt
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weniger bedeutend bewertet hast. Weil vielleicht  das Bild, dass dein Vater oder deine Mutter in dir geprägt hat,
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das doch eigentlich eine sehr starke Rolle gespielt hat am Ende.

(Betroffener:)
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Ja. zu der Rolle meines Vaters. …
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Ich war ja der Erstgeborene und mein Vater hat sozusagen in aller Gutgläubigkeit
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die Bibel wörtlich genommen und hat mich also sehr streng mit häufiger
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Prügel erzogen, auch sehr massiv mit Stock … ohne dass ich mich jetzt daran
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erinnern könnte, was jetzt so schlimm gewesen wäre, bloß dass ich ein sehr lebendiges Kind war, Ich kann mich also
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konkret an keine großen Verfehlungen erinnern, aber es in der Bibel steht ja: „Wer seinen Sohn lieb hat, der
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züchtigt ihn“ oder „Wer seinen Stock schont, der hasst seinen Sohn“. Und das wollte ja mein Vater überhaupt nicht:
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mich hassen. Und deswegen habe ich diese Version von Liebe kennengelernt. Er hat
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mir gesagt, es tat ihm selber leid, das zu tun, sehr weh sogar, aber er musste ja Gott gehorchen, der das
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Beste für uns wollte. Und so habe ich also diese Prägung durch Prügelstrafe erlitten, die mein Vater
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aus Pflichtbewusstsein getan hat, aus Gehorsam gegen Gott, nicht weil es ihm Spaß machte.
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Und da ist eine Parallele auch zu Luther, der ja auch eine
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ähnlich strenge Erziehung mit Prügel wegen gar nichts erlitten hat oder kaum etwas –  wegen kleiner Bagatellen –  und der
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auch sagte, dass diese Ängstlichkeit, die dadurch entstanden ist in seiner Seele, ihn ins Kloster getrieben hat. Das weiß ich, kann man in seiner Biografie
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nachlesen. Bei mir war es eigentlich  ähnlich, sodass die Angst in  frühem
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Alter entstanden ist. Im Kindesalter habe ich eine riesengroße Ängstlichkeit entwickelt,
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die ich Zeitlebens nicht mehr los wurde, wobei ich sagen muss,
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dass mein Vater mir ein ganz großes Vorbild war, gerade in Punkto liebevoller Fürsorge. Ich konnte mit
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allen Problemen zu ihm kommen. Er hat immer nach besten Kräften versucht auch nicht nur bei mir, sondern auch bei den
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Geschwistern  immer eine  hilfreiche
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Lösung, ermutigende Lösung zu finden. Und das hat mich ja auch gerade so
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überzeugt, dass seine Ansichten nicht zu hinterfragen waren, dass es die beste
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aller möglichen Welten wäre, in der ich lebte. Lange Zeit habe ich das so geglaubt
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und ich kann auch nur sagen, ich habe oft gedacht, wenn Gott so wäre wie mein Vater,
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dann hätte ich gar kein Problem zu glauben, dass er mir verzeihen könnte. Weil mein Vater hat ja auch sich dazu
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geäußert zu meiner Überforderung und zu der Lästerungssünde und hat gesagt: na selbstverständlich, vergibt dir Gott,
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das ist doch alles verständlich. … Aber ich wusste eben, mein Vater war ja auch nur ein kleines
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Licht gegenüber Gott und seine Meinung ist eine subjektive, gut gemeinte Meinung, die muss nicht stimmen. Also,
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es hat dann die Theologie überwogen, diese grundsätzliche Prägung, dieses Axiom Gott ist lieb und unendlich brutal
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zugleich um der Gerechtigkeit willen. Das war der Satz, der über allem stand und dagegen konnte mein Vater auch
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nichts machen und mir nicht helfen.

 

(Simon Poppe:)

Wie erklärst du dir denn, dass die meisten Christen eigentlich gar
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nicht so diese Not haben mit einem negativen Gottesbild?
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… z.B. auch deine Brüder, du hast mir mal erzählt, dass einer Theologie
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studiert hat oder du ja auch, aber dass … die eigentlich nie  im
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Glauben wankelmütig wurden und der eine ist ja sogar irgendwann dann ganz
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weggekommen vom Glauben. Wie erklärst du dir, dass es so viele
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Christen gibt? Ja, dass vielleicht sogar die meisten eigentlich fröhliche Christen sind. Würdest du sagen, dass es
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Verdrängung ist oder dass die unehrlich sind? Wie erklärst du dir das?

 

(Betroffener:)
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Ja, ich kann es nachvollziehen. Warum andere keine Probleme haben. Ich
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habe eine sozusagen die Dummheit begangen, also sehr intensiv die Bibel
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schon ganz früh zu studieren. Ich habe ein enormes Bibelwissen gehabt. Ich habe Griechisch gelernt, ich habe
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Hebräisch gelernt. Schon in der Schulzeit habe ich Hebräisch gelernt und  ich hatte auch
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diese Naivität, je tiefer ich in die Bibel eindringe, desto segensreicher wird es.
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Und das machen ja ganz viele Christen gar nicht. Die leben mit dem Losungsbüchlein von der Hand in den Mund. Ein bisschen Ermutigung und  der
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Schwerpunkt liegt ja auf dem wirklichen Leben. Also das heißt
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Ausbildung, Beruf und Erfüllung im Beruf und Gründung von Familie. Und das
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ging ja schon ganz früh bei mir kaputt. Einen Beruf konnte ich gar nicht ausüben, weil die Ängste immer fort
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meine ganzen Ausbildung zerschossen. Ich hatte also gar nichts, wo ich jetzt irgendwo auch mal das Gefühl
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hätte, dass es Gott mit mir gut meint, dass sich irgendwo mal sich etwas entfaltet im Leben. Das hatte ich gar
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nicht. Ich hatte nur ein enormes Bibelwissen und das frühe Scheitern durch die Todesangst.

 

(Simon Poppe:)
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Könnte es vielleicht sein, dass da auch eine psychische
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oder psychiatrische Komponente eine Rolle spielt, dass du also gerne eigentlich  ein fröhliches Leben
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geführt hättest, aber dass ständig irgendwelche Gedanke, alles abgetötet
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oder abgeschossen haben in dir, das sich mal positiv entwickeln könnte. Wie
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denkst du?

 

(Betroffener:) Nein, das ist äh nicht so. Äh ich hatte
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ja auch mal eine kurze  Freundschaft mit einem Mädchen
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und die hat nicht lange gedauert, leider, aus verschiedenen Gründen und
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da war alles wie weggeblasen. Ich hatte auch keine Albträume mehr, die ich fast jeden Tag
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d.h.  jede Nacht habe. Es war alles weggeblasen und ich habe auch die Hoffnung gehabt, dass es so
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weiterginge. Und wie gesagt, ich sehe es so,
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dass diese Prügelstrafe so verheerend gewirkt hat, diese grundsätzliche Ängstlichkeit immer mit dem Schlimmsten
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zu rechnen. Und auch wenn ich jetzt Gott um Vergebung gebeten habe, es kam immer der Gedanke, ja,  er hat dir vergeben.
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Bürokratisch ist es okay erstmal, aber da kommt noch eine dicke Rechnung zu Erziehungszwecken, damit du auch
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wirklich lernst, dass mit Gott nicht zu spaßen ist oder Sünde nicht leicht fertig zu nehmen ist. Man darf nie mit
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der Sünde spielen und das hast du nicht begriffen, weil du es ja schon zum wiederholten Mal gemacht hast. Deswegen kriegst du jetzt auch die Rechnung
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präsentiert. Da musst du nur ein bisschen warten. Und so war das ja auch. Mein Vater kam spät abends von der Arbeit und meine Mutter hatte mir
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schon eine Strafe angedroht,  die mit vielen Kindern ja oft überfordert war und das wurde dann
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Stunden später von durch meinen Vater vollzogen und da half kein Bitten und kein Flehen.

 

(Simon Poppe:)
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Aber man hätte, man könnte ja auch das Gefühl haben als Kind, etwa so, jetzt
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habe ich ja die Strafe abgebüßt äh und jetzt ist es auch mal gut. Also jetzt bin ich wieder im reinen mit mir.

 

(Betroffener:)
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Das ist richtig. Und wie gesagt, … es war ja auch nicht so häufig, … würde ich mal sagen, … aber
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was ich in der Bibel las, hat mir immer diesen Eindruck verstärkt, dass  ich
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von Gott noch ein ganz anderes Programm zu erwarten hätte, Erziehungsprogramm.

 

(Simon Poppe:)   Ach so. Also, dass Gott im Prinzip noch
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viel strenger ist als dein Vater.

 

(Betroffener:) Ganz genau, weil die Forderungen der Bibel waren ja auch, würde ich mal sagen, massiv.
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das heißt zum Beispiel – der Pastor hat mir z.B. gesagt, ich bin schuld, wenn
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meine Klassenkameraden in die Hölle kommen, wenn ich ihn ihnen nicht das Evangelium predige.
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Da bin ich persönlich schuld und ich habe sogar einmal auf dem Marktplatz versucht zu predigen, war lächerlich,
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aber einfach aus diesem Schuldgefühl heraus, ich müsste es und das ist
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natürlich ein erheblicher Druck, der da mich begleitet hat in der
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Jugendzeit und der ganz massiv eben auch dieses Gottesbild  gefördert hat oder
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bestätigt hat, dass ich schon so vorgeprägt war.

 

(Simon Poppe:)  Und ähm wie siehst du es heute.
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und zwar erstmal biografisch auf dein eigenes Heil bezogen … würdest du sagen,
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dass du inzwischen dich mit Gott versöhnt hast, mit Gott im Reinen bist oder ist da immer noch diese Angst,
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dass Gott  mit dir nichts mehr zu tun haben will, dich ablehnt? Wie denkst du
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heute über Gott?

 

(Betroffener:) Es ist so, dass mich diese Aussagen über
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die Hölle nicht mehr so schrecken, aber es ist jetzt auch die Frage, weil ich habe ja eigentlich ein Leben,
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das misslungen ist,  wo man sich sehr leicht  ungesegnet fühlt.
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und das prägt mich eigentlich im Wesentlichen jetzt, dass ich sage,
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ich habe durch diese Ängste keinen beruflichen Erfolg einfahren können. Ich
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bin sozusagen das schwarze Schaf der Familie. Meinen Geschwistern ist es gelungen und  ich fühle mich
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eigentlich vergleichsweise als ungesegnet. Und dazu kommt auch noch, dass
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viele Christen mich auch ablehnen, weil ich natürlich
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über meine Not schlecht sprechen kann, ohne auch bei ihnen gewisse Befürchtungen wachzurufen.

(Simon Poppe:)
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Ähm, du hast ja, wie du mir erzählt hast, deine  Gedanken und Gefühle
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auch verarbeitet  durch eine Internetseite, die du eingerichtet hast. Wenn du
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jetzt mal in wenigen Worten zusammenfassen wolltest, welche Botschaft du an die Christenheit heute
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hast, wie würdest du das zusammenfassen?

 

(Betroffener:)  Ja, wie soll ich das zusammenfassen? Da
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ist natürlich meine Internetseite. Sie heißt Glauben ohne Angst.
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Meine Botschaft wäre
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diese, dass …
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also eine frühzeitige Festlegung vermieden werden sollte. Es ist besteht eine Gefahr, wenn
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man Bibelworte ohne viel Nachdenken eins zu eins wörtlich anwendet. Man braucht
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auf jeden Fall  ein gewisses Nachdenken über
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eventuelle Nebenwirkungen, Gefährdungen. Das muss mit viel mehr Weitblick
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erfolgen, mit viel mehr Sensibilität. Und ich denke auch, es ist kein guter
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Ansatz… aber da werden wir jetzt viele nicht so folgen können. … wenn man jetzt von vorne rein sagt, es gibt nur
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eine Version, die Bibel zu sehen, nämlich sie wortwörtlich zu nehmen
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und alles als heilig und richtig zu deklarieren. Mein wesentliches
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Konzept ist, dass es einen ehrlichen Austausch geben sollte  vor Schwächen und
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Stärken verschiedener Sichtweisen der Bibel –  die sogenannten Bibelbrillen, sage ich immer … Es muss
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erlaubt sein, diese Stärken und Schwächen nebeneinander zu stellen, zu vergleichen und sich dann auch nach
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bestem Wissen und Gewissen für die Bibelbrille zu entscheiden, die jetzt
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den Glauben stärkt, die Persönlichkeitsentwicklung stärkt, die die Liebe zum Nächsten stärkt, und die
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auch die Glaubenshoffnung unangetastet lässt. Das ist für mich eigentlich das
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Wesentliche. Mein großes Vorbild ist Dietrich Bonhoeffer, der ja auch …
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… nicht an die völlige Fehlerlosigkeit der Bibel glauben konnte, aber der trotzdem einen irrsinnig
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starken Glauben hatte und der Freude an der Bibel hatte. Ich bin im Augenblick dabei,
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seine Texte zu lesen, ihn zu verstehen. Es ist nicht einfach
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und ich bin mir auch manchmal nicht sicher, ob ich alles so erfasst habe, wie er das erfasst hat. Ich sehe halt
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bloß, er hat einen Glauben gehabt, wie ich ihn gerne hätte

 

(Simon Poppe:)
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Also wenn ich dich richtig verstanden habe… um sozusagen dich etwas besser zu
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fühlen, hast du dich so von einer –  sagen wir mal – fundamentalistischen Bibelinterpretation
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verabschieden müssen in und hast dich geöffnet für  bibelkritische
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Überlegungen. um sozusagen diese  Hammeraussagen der Bibel für
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dich persönlich zu relativieren. Da wäre jetzt meine Frage, wenn du heute
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noch die Wahl hättest, sozusagen
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ein fundamentalistisches Bibelverständnis anzunehmen, ohne dass du  Sorgen hättest, dass
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dich das wieder so triggert, würdest du das gerne annehmen oder würdest du
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sagen, man kann die Bibel eigentlich gar nicht anders verstehen als eben in
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diesem bibelkritischen Sinn.

 

(Betroffener:)  Was du da sagst, empfinde ich jetzt
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ein bisschen  hypothetisch. Wenn du davon sprichst, die Bibel im
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bibelkritischen Sinn verstehen… , da ist in diesem Satz ist eigentlich eine viel zu große Dominanz der Bibelkritik,
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zu groß, weil ich ja gar keinen liberalen Ansatz habe. Auf den liberalen
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Hochschulen ist es ja so, dass im Grunde genommen es als schick, modern und cool
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gilt, wenn man möglichst viel in der Bibel findet, was man bemeckern kann
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und  da ist ja auch diese Profilneurose der Professoren. Einer muss den anderen übertreffen und
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noch kritischer als der letzte Kritiker sein. Und es ist scheißegal, was vom
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Glauben übrig bleibt. Hauptsache, man ist da hat wieder ein Buch geschrieben, dass alle anderen gekauft haben und dass
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wieder irgendwie so eine  Spur in der Theologiegeschichte hinterlassen hat. Diese ganze Art und Weise ist
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mir eigentlich verhasst. …  Ich habe schon erkannt, dass der Glaube etwas unendlich kostbares ist und
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ich habe auch schon n erkannt und verinnerlicht und auch an vielen Lebensbeispielen gesehen, welche
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ungeheure und segensreiche Kraft Bibelworte insbesondere Verheißungen der Bibel haben. Und
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ich glaube auch daran, dass diese Bibelworte aus der unsichtbaren Welt kommen, dass sie inspiriert sind, dss sie
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das Vertrauen stärken. Aber ich sehe auch, dass andere Bibelstellen, die gibt es nun mal, die
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soweit ich das erkennen kann, mein Vertrauen stark stören und die ich nicht
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integrieren kann. Und deshalb möchte ich diesen Freiraum auch nicht mehr aufgeben, dass ich sage, ich ordne
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das nicht Gott zu, sondern ich ordne das menschlicher Tradition zu, die irgendwie doch  einen  unguten
28:45
Einfluss gehabt hat bei der Abfassung der biblischen Texte.

 

(Simon Poppe:)
28:50
Also, würdest du sagen, die Bibel ist teilweise verfälscht, also, dass da z.B. h Briefe oder Bücher reingeschmuggelt
28:58
wurden, die aus deiner Sicht nicht inspiriert sein können. Du hattest ja von den Hebräerbrief erwähnt, der einige
29:05
sehr starke Aussagen macht in Bezug auf die Möglichkeit des Abfalls. Würdest du
29:11
sagen, dass Gott da sozusagen nicht genügend auf sein Wort aufgepasst hat und man
29:18
dann einfach solche Briefe, die Irrtümer sind, die irgendwie menschlich sind,
29:23
hineingebracht hat. Oder würdest du sagen, dass von vorne herein gar nicht der Anspruch
29:29
bestand, dass die Bibel unbedingt vollständig inspiriert sein muss, sondern dass die Bibelschreiber auch so
29:36
ihre eigenen Gedanken mit einbringen konnten?

 

(Betroffener:)
29:43
Moment, muss ich mal meine Gedanken wieder ordnen. … Moment…
29:49
….
29:54
… Was soll ich dazu sagen? … Moment… Es fällt
29:59
mir jetzt schwer einen Anfang zu finden. …
30:07
…. Jetzt kann man sich natürlich fragen,
30:14
welche Auffassung von Inspiration hier  sinnvoll ist.
30:22
wie du einmal sagtest, dass vielleicht man fragen kann, ob eben
30:28
die Bibel überhaupt den Anspruch stellt, vollkommen zu sein. Und
30:35
zweifellos gibt es natürlich diese Bibelverse. „Dein Wort ist nichts als Wahrheit“ in den Psalmen und „alles
30:42
siebenfach geläutert“ und dergleichen mehr. Richtig. Ich
30:47
habe mir das auch überlegt. Ein Satz dieser Art wird ja oft als Beweis genommen für die Vollkommenheit der Bibel. ..
30:56
Es ist für mich aber auch denkbar, dass ein Satz dieser Art ein Lob ist,
31:01
wie so ähnlich wie es ein Liebender über seine Geliebte ausspricht. Das heißt, er ist restlos begeistert von ihr. Er sieht
31:08
nur ihre Vorzüge und es gibt aber auch gelegentliche Mängel, die ihm nicht als
31:14
nennenswert erscheinen in seiner großen Zuneigung.

 

(Simon Poppe:) Also die Frage ist, glaubst du, dass die
31:19
Bibel von Gott inspiriert ist in dem Sinne, dass Gott alles unterschreibt,
31:24
was da steht, das alles sein Gedanke ist oder dass Gott den Menschen Freiheit gegeben hat, das so zu
31:32
schreiben, wie sie denken, auch wenn sich dann Fehler eingeschlichen haben?

 

(Betroffener:) Also ja, das ist jetzt meine persönliche
31:38
Sichtweise. Das zweite trifft eher zu, und entspricht meinem  Stand der Dinge heute. Ich kann es mir sehr schwer
31:44
vorstellen, dass Gott alles eins zu eins so diktiert oder gemeint hat und zwar
31:50
einfach deswegen, weil es eben so viel Leid anrichtet bei gerade bei sorgfältigen Christen
31:55
äh und auch weil  es in der Kirchengeschichte unendliches Leid angerichtet hat. Ich habe darüber einen
32:02
Essay geschrieben: „Bibelwahrheit, Bibel wahn“. Man kann ihn  auch auf meiner Internetseite  lesen. Grauenhaftestes
32:09
Leid. Das alles  wirkt auf mich pädagogisch fahrlässig und ich kann mir Gott jetzt nicht als pädagogisch fahrlässig
32:15
vorstellen. Ich denke doch, dass  wenn er etwas tut, das hat
32:21
Hand und Fuß, auch wenn wir es nicht verstehen. Aber mit dem ganzen Leid, das in der Kirche insbesondere angerichtet
32:26
worden ist, würde ich doch sagen, das sieht mir mehr nach menschlichem Zutun aus. Jetzt entsteht  natürlich die Frage der
32:34
Quantität.  Luther hat einen Schnitt gemacht. Er hat gesagt, ich glaube an
32:40
alles in der Bibel, das es inspiriert ist, auch die Höllendrohung im neuen Testament, die man  – so wie es

32:46

ja auch viele jetzt neuerdings tun, nicht unbedingt  auf eine ewige Folterhölle beziehen muss,
32:52
sondern die auch anders und wesentlich versöhnlicher gedeutet werden kann. Er hat also
32:59
einen klaren Schnitt gemacht und hat gesagt, am meisten Angst macht mir der Hebräerbrief. An alles andere kann ich
33:05
glauben, ohne Angst zu bekommen. Denn es lässt sich anders einordnen. Aber der Hebräerbrief, der als Spätwerk zum Kanon
33:11
dazugestoßen ist… , wir wissen, dass er erst nach dem Jahr 140 nach
33:17
Christus zum Kanon  dazugekommen ist. Und der Hebräerbrief ist die einzige Schrift, die sagt, wenn
33:24
du eine rote Linie zu überschritten hast, wenn du zu viel gesündigt hast, wenn du zu wenig geglaubt hast, dann
33:32
nützt dir auch die tätige Reue nichts mehr. Du bist verloren. Und diese Aussicht hat auch den Luther furchtbar gequält.
33:39
Diese Aussage, die ja in ganz krassen Widerspruch steht zum globalen
33:45
Anspruch der Aussage Jesu.:“Wer zu mir kommt, den werde ich nicht hinausstoßen“.
33:50
Wenn man nun eine rote Linie überschreiten kann als Christ und dann ewig verdammt ist schon in diesem Leben und erfährt, dass man in die Hölle kommt,
33:57
wie passt das zusammen? Es passt überhaupt nicht zusammen. Eigentlich kann es auch niemand genau wissen, was jetzt diese rote Linie ist, wo sie
34:04
verläuft. Ein enges Gewissen wird sie viel früher meinen zu sehen
34:09
als ein weites Gewissen. Das ist auch ganz unfair. Also Luther hat einen Schnitt gemacht,
34:14
gesagt, der Hebräerbrief als Spätwerk oder er ist vielleicht früher verfasst, aber erst sehr spät zum Kanon erhoben worden…
34:22
und das durch Menschen wie du und ich, die noch Jesus gar nicht mehr persönlich kannten. Das ist auch inakzeptabel. Der Hebräerbrief widerspricht,
34:29
in seinem Kern der Aussage Jesu, dass er niemand
34:37
hinausstoßen wird, der zu ihm kommt. Eines der ganz tröstlichen Worte, an die ich mich auch versucht habe
34:42
festzuhalten, wie gesagt, aber es hat ja Jahre gedauert, bis ich darauf gestoßen bin, dass der Hebräerbrief eben durch
34:49
Menschen wie du und ich zum Kanon hinzugefügt worden ist. Und da ist
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natürlich die Frage, haben diese Menschen diese Hinzufügung zu Recht gemacht? Man muss darüber sprechen dürfen. In der bibeltreuen
35:02
Fraktion der Christenheit darf man aber nicht darüber sprechen. Und das ist eben auch eine Sache, die ich ganz ganz schlimm
35:09
finde, dass die ganze Gesprächskultur darunter leidet, dass man mit Panik und
35:14
Aggression oder gar Hass reagiert, wenn solche Fragen gestellt werden, die im
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Interesse von schwerkranken Christen gestellt werden müssen.

 

(Simon Poppe:)  Also, das finde ich sehr gut, was du ja zuletzt gesagt
35:25
hast und das ist auch der Grund, warum ich dem Bruder hier ein
35:31
Podium biete, dass er das auch mal sagen kann. Es darf keine Meinung unterdrückt
35:37
werden, aber ich denke, dass du auch trotzdem andererseits
35:44
einräumen muss, dass man den Hebräerbrief auch durchaus anders auslegen kann, nicht in dem Sinne, dass
35:51
Gott sozusagen nur darauf lauert, uns abzuschreiben, wenn wir irgendeinen
35:57
Fehltritt begangen haben. Aber ich will das jetzt nicht so vertiefen. Da ist jetzt nicht der Platz hier. dafür…
36:04
W>as ähm mich noch mal interessieren würde, du weißt ja, dass ich persönlich an die Allversöhnung
36:11
glaube und  andererseits auch die Auffassung vertrete, dass Gott strenger
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ist zu wiedergeborenen Christen als zu Ungläubigen. Gemäß Lukas 12 47 bis 48.
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wem viel gegeben ist, von dem wird Gott auch mehr verlangen. Würdest du sagen, dass die Allversöhnung
36:34
noch eine Möglichkeit ist, eventuell sogar ein Trost für Christen, die völlig
36:40
die Heilsgewissheit verloren haben oder würdest du sagen, die Bibel lehrt
36:45
nicht die Allversöhnung und deswegen ist das für mich gar keine Option.

 

 

(Betroffener:)
36:55
Also, … das ist natürlich eine Frage, die ist wird ja
37:02
sehr unterschiedlich beantwortet. … Wenn der
37:07
Hebräerbrief gilt, dass es eine rote Linie gibt, dann wüsste ich nicht, ob
37:14
ich vielleicht schon  einmal diese rote Linie überschritten habe, eben weil ich nicht weiß, ob Gott von mir nicht viel mehr
37:20
verlangt als von anderen. Und wie gesagt, für mich geht es erst
37:26
in erster Linie einfach mal um die persönlicher Heßgewissheit, die ich habe, weil ich da auch am ehesten
37:33
Experte bin. Da können mir andere Leute nicht reinreden. Es nützt mir nichts, wenn ich mir
37:38
jetzt das ganze Regal voll stelle mit Büchern über die Allversöhnung, die das
37:43
befürworten. Das würde an meiner persönlichen Situation überhaupt nichts ändern.

 

(Simon Poppe:)
37:49
Würdest du sagen, dass Heilsgewissheit
37:56
eine Sache des Gefühls ist?

 

(Betroffener:)  Sicherlich ist das ein Gefühl, weil wir nichts anderes haben. …
38:03
… Es ist ja keine Papierrolle vom
38:09
Himmel gefallen mit dem goldenen Siegel dran,  die mir das irgendwie zusichert,
38:14
dass ich tatsächlich im Himmel ankomme.

 

(Simon Poppe:)  Aber man kann ja die Bibel auch als glaubwürdig ansehen
38:20
und dann einfach forschen in der Bibel und sich Gewissheit bis zu einem
38:26
bestimmten Maß verschaffen. Also, damit du glaubst aufgrund dessen, was
38:32
geschrieben steht.

 

(Betroffener:)   Das ist aber goldig, was du jetzt sagst, denn ich habe die Bibel sehr, sehr
38:37
intensiv gelesen. Ich habe sogar mal zeitweise angefangen Aramäisch zu lernen, bloß weil vier Kapitel da im Danielbuch
38:43
Aramäisch sind oder im Buch Ether auch noch ein Stückchen. Also was ich sagen will: ich habe mich  mit
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Studieren wirklich bemüht, möchte ich mal sagen. Und dennoch
38:55
was ich erkenne, bleibt immer subjektiv… wenn ich studiere, …
39:03
dann sehe ich immer durch eine Prägung hindurch, die ich schon habe, die ich
39:09
auch nicht mehr ändern kann. Wenn eine Zeitmaschine da wäre, könnte ich natürlich  einsteigen. Da würde

39:15
ich zurückreisen ins Jahr, was weiß ich, wo ich vier Jahre alt bin
39:20
und dann würde ich den Zeigefinger erheben und sagen: „Papa, hör mal zu, du siehst das jetzt so, aber bedenke mal
39:27
die Folgen 30 Jahre später.“ So würde ich ihm das dann sagen, aber das
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hat einfach keinen Zweck. Es gibt diese Zeitmaschine nicht. Die Prägung ist gekommen. Ich muss auch hinnehmen, dass
39:39
es andere Leute gibt, die auch irgendeine komische Prägung haben. Schwere Schicksalschläge, die dazu führen, dass sich Menschen als
39:46
von Gott verfolgt, bestraft, erniedrigt ansehen. Und ich muss …
39:52
immer darauf achten: Ich bin nicht der Maßstab für andere, aber ich bin ein Beispiel. Und als Beispiel kann ich eine
40:00
subjektive Sicht  beisteuern und sagen in der Rekonstruktion:
40:06
Wie könnte eine Bibelinterpretation aussehen, die in ähnlichen Fällen jetzt
40:13
Schutz vor Verzweiflung geben könnte. Da fühle ich mich eben auch Luther sehr verwandt, der auch diesen Schnitt
40:19
mit dem Hebräerbrief gemacht hat, den andere nicht brauchen. Wenn ich ein Christ bin, dem alles im Leben
40:25
gelingt, der immer merkt, ach ja, Gott segnet mich, danke lieber Gott und da ist wieder was Schönes, danke lieber Gott. Und dann
40:31
kann es ja nur so sein, Gott kann nur ein guter Vater sein. Ettwas anderes ist gar nicht denkbar, so schön wie mein Leben verläuft.
40:38
Ich bin nie von Gott verlassen. Danke, danke, danke. Ich könnte das auch, wenn es mir so passieren würde. Dann
40:44
würde ich sicherlich auch sagen, ach du, warum soll ich die Bibel studieren? Mir genügt das Losungsbüchlein, ein bisschen Ermutigung am Tag und sonst freue ich
40:50
mich über mein Leben. Und das ist ja auch nichts Schlechtes. Das ist ja wunderbar. Wer wollte denn
40:56
nicht so leben wollen? Ich muss aber doch auch sehen, andere Christen fangen ganz anders an. Sie haben ganz
41:02
schlechte Startbedingungen und önnen diesen Optimismus überhaupt nicht entwickeln. Und da sage ich mir, wenn
41:08
sie jetzt von irgendeinem Bibelwort niedergedrückt werden, dann muss ich eine Antwort haben, die unter ihren
41:14
Voraussetzungen funktioniert.

 

(Simon Poppe:)  Du hast einen wichtigen Punkt genannt. Das war auch mal so ein Punkt in
41:21
meinem Leben, kurz bevor ich wieder zurückkehrte zum Glauben. Ich war ja auch mal abgefallen.
41:27
Und zwar ein Jahr, bevor ich wieder zurückkehrte, habe ich mir gewünscht, Christ zu sein. Aber für mich war das
41:35
Problem, dass die Bibel für mich ein Märchenbuch war. Und ich hatte mich gefragt, kann ich auch Christ sein, ohne
41:41
an die Bibel zu glauben? Und ich habe gemerkt, das funktioniert nicht, weil ich  für mein Glauben ein
41:47
Fundament brauche. Ich kann ja nicht von Glauben reden, wenn ich gar keinen Glauben habe, nicht wahr? Jetzt wäre meine Frage an dich.
41:55
Nachdem Eva von der Frucht des Baumes der Erkenntnis abgebissen hat,
42:02
gab es für sie kein Zurück. mehr. Würdest du sagen, dass du auch sozusagen
42:08
zu einer Erkenntnis gelangt bist, die du jetzt im Nachhinein bereust und dass du dir wünschen würdest zu dieser Unschuld
42:15
zurückzukehren, die du mal hattest, um einfach wieder kindlich zu glauben, ohne
42:21
dass diese ganzen Zweifel dir das Leben zur Hölle gemacht hätten. Würdest du dir
42:27
so etwas wünschen oder würdest du lieber wie in diesem Film Matrix mit der roten und der blauen Pille lieber sozusagen
42:36
für die gewisse objektive Wahrheit einstehen, auch wenn sie unerträglich ist?

 

 

(Betroffener:)
42:44
Ich kenne diesen Film Matrix leider nicht. Ja, gut, das ist ein komisches
42:49
Dilemma. Auf jeden Fall denke ich, dass hier im Grunde genommen eine
42:56
universitäre oder eine intellektuelle Wahrheit ganz oben im
43:02
Rang angesiedelt ist und
43:07
alles andere ist zweitrangig. Und was soll so eine
43:14
Wahrheit eigentlich nützen? Ich habe ja auch eine objektive Wahrnehmung der Qualität des
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Christentums, dass  Liebe und Sinnhaftigkeit ins Leben hineingebracht
43:26
wird. Das ist ja  auch Wahrheit, ja, dass wir nicht wie die Tiere leben müssen.  Das ist
43:32
eine Wahrheit, eine Tatsache. Und  über die Hintergründe
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da zu spekulieren, wie jetzt Gott ist, wie die Engel aussehen, warum die Bibel so geworden ist, wie sie ist, das sind ja alles
43:47
Dinge, die für mich zu hoch sind. Es wäre vermessen, wenn ich danach greife. Es ist einfach vermessen, weil mein Kopf
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nicht dafür gemacht ist. Keines Menschen Kopf ist dafür gemacht. Ich sage mir einfach, ich bin in dieser Welt und ich
43:59
möchte eine Segensspur hinterlassen, ich möchte meine Zeit sinnvoll gestalten dürfen.
44:07
Und … dieses Dilemma, wenn es alles eine Lüge wäre,
44:12
das ist ja so im Grunde genommen  ein hirnloser, fruchtloser
44:18
Fanatismus auf der intellektuellen Ebene. Und wozu soll ich für so etwas überhaupt
44:24
meine Zeit  verschwenden? Zumal der Herr Jesus ja auch sagt, wenn ihr nicht werdet wie die Kindlein, werdet ihr nicht
44:31
ins Reich Gottes kommen. Ich  bin ja nicht so blöd, dass ich nicht merke, dass sich bei
44:38
vielen Menschen der Glaube entfaltet, dass sie dann wie die Kinder  fröhlich und unbeschwert leben können und dass da
44:44
ein tiefer Sinn darin liegt. Das ist für mich das Zipfelchen der Wahrheit, das ich ergreife und auch
44:51
nicht wieder loslasse? ….
44:56
Leider unterstellen mir manche Christen, weil ich mich stark mache für Menschen, die verzweifeln, für
45:02
Christen, die verzweifeln an ihrem Glauben, dass ich beabsichtige diesem hohlen
45:07
Intellektualismus das Wort zu reden, diesem kalten seelenlosen Geschwätz. Das ist aber nicht der Fall, sondern  ich möchte,
45:14
dass die Bibel in einer seelsorgerlich verantwortbaren Weise gelehrt wird und dazu
45:19
gehört auch eine Gesprächskultur, die es nicht gibt. Das ist ganz schrecklich, dass man  über Nöte
45:25
von Christen nicht sprechen darf.

 

(Simon Poppe:)  Also, mich erinnert das ein bisschen an die Situation von Hiob.  Hiob fühlte
45:33
sich auch vollkommen unverstanden von seinen Freunden und das, was ihn am
45:39
meisten zur Verzweiflung brachte, war, dass er auch selber Gott nicht verstand.
45:44
Aber er gestand sich das auch ein. Er sagt,  ich verstehe dich nicht.
45:50
Warum machst du das mit mir? Ich habe nichts Böses getan. Warum werde ich so gequält?
45:55
Aber Hiob ging leider eben auch ein Schritt weiter. Er sagte, es ist
46:01
auch gar nicht zu verstehen. Also, er maßte sich an zu sagen, Gottes Verhalten
46:08
macht keinen Sinn. Es ist ja was anderes, als wenn ich sage, es hat vielleicht einen Sinn, aber ich verstehe
46:14
ihn nicht. Und jetzt deswegen zu dir. Eigentlich wärst du doch gut
46:20
beraten, wenn du dir sagst, ich verstehe nicht, warum mein Leben verpfuscht war,
46:27
warum Gott mir das Leben so schwer gemacht hat, aber ich glaube, dass mein
46:32
Leben trotzdem einen Sinn hat und dass ich eines Tages getröstet werde. Wenn
46:38
ich jetzt einfach am Glauben festhalte, trotz all dieser Zweifel und Nöte, die
46:44
ich habe, werde ich von Gott belohnt und er wird eines Tages alle meine
46:49
Fragen beantworten. Und das allein, diese Aussicht, diese Perspektive tröstet mich so sehr, dass
46:56
ich wie Hiob sagen kann, ich weiß, dass mein Erlöser lebt und als letzter wird er
47:02
auf der Erde stehen und ich bin gar nicht so wichtig. Und am Ende hat Gott
47:07
ja letztendlich hier wirklich sehr getröstet, also dass du wirklich so wie Lazarus sagen kannst,  ich bin jetzt
47:15
hier bei Gott. Gott hat jetzt sozusagen mir all das Leid
47:22
das ich erlitten habe auf Erden überkompensiert. Er hat mir einen Ausgleich geschaffen. Hast du diese
47:29
Zuversicht oder würdest du sagen, nein, es gibt eigentlich nur entweder gibt’s
47:34
Trost hier auf Erden oder sonst gibt’s gar keinen Trost in der Zukunft?

 

 (Betroffener:) Ja,  was du da sagst, das ist auch alles zu schwarz-weiß gemalt.  Also : Ich sage mir,
47:41
ich habe einen Glauben und  eine ich halte an dieser Hoffnung fest, aber
47:48
eine Zuversicht, das ist wieder etwas, was aus deinem Lebensbereich kommt,  dieser Begriff.
47:55
Weil du eben sehr viele Segenserfahrungen gemacht hast und ich habe sehr viele Flucherfahrungen gemacht. Für mich ist
48:01
die Bibel ein Fluch gewesen, das muss man ganz klar sagen. Je mehr Bibelwissen ich hatte, desto zerstörerischer wurde es.
48:07
Und für  einen Menschen, der Summa summarum, befürchtet ein
48:13
Verfluchtsein  in seinem Leben zu sehen, ist natürlich das Wort Zuversicht schwierig.

48:20
Ich meine, Hiob hat ja zumindest ganz lange Phasen des Segens erlebt.
48:26
Muss man auch mal  sehen. Ja.  er ist dann später zwar
48:33
furchtbar abgestürzt und dann natürlich  kamen schreckliche Zweifel,
48:38
aber  er hat ja diese grundsätzliche Segenserfahrung gehabt und die habe ich
48:44
ja infolge meiner strengen Erziehung eigentlich nie gehabt.

 

(Simon Poppe:)  Aber du hast mir mal erzählt, dass du auch  schöne Zeiten erlebt
48:52
hast, auch wenn sie nur sehr kurz waren.

 

(Betroffener:)  Ja, die waren kurz, ganz kurz. Und das ist irgendwie auch eine Frage
48:59
wenn man sagt, so etwas bleibt emotional.  Das ist dann
49:04
für mich trotzdem schwierig

 

(Simon Poppe:) Aber in der Geschichte von Lazarus, der
49:11
getröstet wurde…

 

 

(Betroffener:)  Ja, e ist eine Geschichte.

 

(Simon Poppe:) Glaubst du das nicht?

 

(Betroffener:) Nein, ich kann das nicht sagen. Ich kann
49:17
mir das durchaus  vorstellen, dass das so ist. Aber du fragst jetzt immer nach
49:22
Zuversicht.  Und das ist ein Schritt zu weit. Diese Zuversicht speist sich aus zu
49:29
wenig Quellen. Ich kann mich entschließen. Das ist ein Willensentschluss, dass ich sage, gut, da ist eine
49:35
Verheißung, ich will mich daran klammern, ich will das glauben. Ja, aber es ist keine Resonanz in meiner
49:41
Seele. Es ist keine Überzeugung da: Ich darf das glauben. Ich will das glauben gerne. Aber ob ich es darf,
49:46
das ist immer die Schwierigkeit. Ich weiß nicht, ob ich es dir vermitteln kann,
49:52
darf oder will. Ich will gerne, aber ich ob ich es darf da, also ob ich es begründet tue,
49:58
das weiß ich leider nicht. Und … da
50:03
frage ich mich  manchmal:  ist es der richtige Weg, dass man jetzt gar nicht über die Probleme spricht, die ich hatte, damit die Mehrheit so einen  fröhlichen nicht-
50:12
dran-denken-Glauben haben darf? Muss man dafür einzelne Menschen opfern, die dann verzweifeln an den
50:18
schrecklichen Bibelstellen? Oder muss man überhaupt zu allen sagen zu, du darfst nicht die Bibel studieren? Aber warum gibt es dann die
50:24
theologischen Hochschulen? Dann dürfte es die ganze Hierarchie nicht geben, dann dürfte es die Pastoren nicht geben. Dann müssten alle sagen, hör mal zu, die
50:30
Bibel hilft dir, solange du nicht zu tief nachdenkst. Das wäre dann fair. Dann müssen nicht einzelne geopfert
50:36
werden, damit die Mehrheit gedankenlos froh ist.  Aber diese Hierarchie und dieses
50:41
ständige Bibellehren, dieses ständige sich belehren in den Bibelkreisen, das dürfte es alles nicht geben,
50:47
damit es alle begreifen, dass man sagt, hör zu, zu viel Bibelkenntnis könnte schädlich sein. Und wie gesagt, auf meiner
50:53
Internetseite versuche ich Bibelkenntnis so zu kanalisieren,
51:01
einzudämmen, mit Prinzipien der Vernünftigkeit und der Selbstreflektion
51:07
und der seelsorgerlichen Verantwortung, dass man die Verheißungen im Glauben
51:13
ergreifen kann, sich daran festhalten kann. Aber das Wissen, das man nun einmal hat, dass man aus dem Kopf nicht
51:19
mehr herauskriegt, das geht leider nicht mehr weg, auch nicht mit einer Pille.
51:25
Eine Pille, damit das Wissen nicht mehr schadet, gibt es nicht. Das ist der Denkansatz des
51:30
Konzeptes meiner Internetseite. Vergleiche die Bibelbrillen.

 

 

(Simon Poppe:)  Hast du Gott in den letzten Wochen,
51:36
Monaten oder Jahren auch einfach mal drum gebeten, so wie Hiob, was ich nicht
51:42
sehe, zeige du mir. Dass du dir gesagt hast, ich warte auf Gott, bis
51:48
er mir Sicherheit und Trost gibt. Ein ständiges Gebet.

 

 

(Betroffener:)
51:55
Ja, natürlich. Darauf warte ich. Ja, und ich freue mich natürlich über jeden kleinen Lichtblick. Im Augenblick muss
52:02
ich zur Kenntnis nehmen, dass viele Christen wie es scheint eine enorme Wut auf mich haben. Mir scheint, …
52:08
. dass ich irgendwie nicht dazu gehöre, …
52:15
Denn ich habe einfach Fragen gestellt, die man nicht stellen sollte nach ihrer Meinung.

 

 

(Simon Poppe:)
52:20
Könntest du dir vorstellen, dass Gott mit dir handelt wie
52:27
mit Hiob, dass er dir einfach nicht sagt im Moment  warum du leidest, dass du vielleicht leiden
52:35
sollst um dem Teufeletwas  zu beweisen. So wie bei Hiob Schau. Ich habe meinem Jünger
52:46
dieses Leid auferlegt, aber er hält immer noch fest am Glauben
52:53
und hat noch nicht ganz den Glauben aufgegeben.

 

 

(Betroffener:)  Ja, das könnte ich mir vorstellen. Aber man muss ja sagen, es ist ja auch kein
53:00
großes Kunststück am Glauben festzuhalten, weil es ja gar keine Alternative gibt.

 

(Simon Poppe:)
53:06
Doch, ich bin vom Glauben abgefallen damals.

 

 

(Betroffener:)   Das ist ja bewundernswert, aber ich kann dazu gar nichts sagen.
53:12
…  und dass du das dann noch missionarisch äh verbreitet hast, dass ist noch erstaunlicher ….
53:19
Es gibt nichts, was es nicht gibt. Aber ich habe ja, wie gesagt, auch wunderbare Glaubensvorbilder vor
53:26
Augen. Auch mein Vater hat vielen Leuten ganz viel Segen gegeben, Leute aus der tiefsten Verzweiflung rausgeholt,
53:33
sich um die Ärmsten der Armen gekümmert und ich sag dazu, das ist toll.  Das ist ja auch der Grund,
53:39
weshalb ich sag, ja, der Glaube kann eine enorme Segensquelle sein, da will ich auch dabei sein.
53:45
Ja, so ist es. so. Ich habe ich überhaupt keine Lust irgendwie leichtfertig
53:51
Zweifel zu sehen. Ich sag mir, ich entscheide mich immer fair. Ich habe auch einen Beitrag auf meiner
53:57
Internetseite mit der Überschrift „Auflösbare Ärgernisse“. Mnachmal stoßen sich Leute  an
54:02
der Bibel , aber es ist gar nicht nötig. Und das versuche ich eben auch zu zeigen.  Leute, ihr müsst nicht
54:09
alles schwarz sehen, aber es gibt manche Stellen, die sind wirklich hochriskant und die Leute leben davon, dass sie
54:16
darüber einfach schnell weiterblättern und sagen, bloß nicht drüber nachdenken.
54:21
Manche können es nicht. Sie haben es nun mal gelesen, haben darüber nachgedacht, was soll man tun? Jetzt müssen wir ihnen helfen.

 

(Simon Poppe:)
54:27
Ja, liebe Geschwister, ich komme jetzt hier mal zum Abschluss . Ihr seht, dass der Bruder hier durchaus
54:34
reflektiert ist. Ich nenne ihn trotzdem meinen Bruder, auch wenn er in manchen
54:40
Dingen an der Bibel Zweifel hat. Ich glaube, dass wir alle diese Nöte haben
54:46
oder hatten und dass die Zweifel auch zum Glauben dazu gehören. Zweifel
54:51
sind ja ein Zeichen auch von einer Liebe zur Wahrheit und drücken eigentlich nur
54:57
aus, dass man etwas nicht verstanden hat, nicht weiß und das dann offen lassen muss. Und so wie ich ihn jetzt
55:03
verstanden habe, schließt er ja nicht aus, dass es eine Antwort gibt,
55:09
legt sich da also nicht fest. Und ich denke, das gibt doch Hoffnung. Also auch für ihn, dass er
55:16
genauso wie ich, genauso wie wie viele von uns, die hier und da Zweifel
55:22
haben, sagen: „Weiß ich den Weg auch nicht, Herr, du weißt ihn wohl. Oder wie
55:28
es im Bibelwort heißt, dass wir
55:34
eines Tages alles verstehen werden. So wie Paulus sagt, ich werde ihn sehen, wie er ist, sodass diese
55:41
Zuversicht hat, dass man auch, wenn man in der Nacht ist, in der Dunkelheit
55:47
weiß, irgendwo ist ein Licht da und Gott wird alle Tränen abwischen am Ende.
55:53
Ja, mit diesen Gedanken grüße ich euch herzlich und wünsche euch alles Gute und ihr könnt ja gerne mal eure Kommentare
56:00
dazu sagen, wie ihr dieses Interview gefunden habt. Wenn ihr möchtet, werde ich auch öfter mal Interviews machen mit anderen
56:06
Geschwistern.

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