H.G. – die Kunst der Ausgewogenheit und Korrigierbarkeit:

Der Geist des Konrad von Marburg - ein Essay

Vielleicht sollte ich eine andere Überschrift wählen, vielleicht tue ich dies noch. Hier bringe
ich Gedanken zu Papier, die mich aufgrund meiner früheren Essays beschäftigen. Die Überschrift
ist provozierend und erweckt Neugierde.

Konrad von Marburg war ein geistlicher Vater bzw. Beichtvater von Elisabeth von Thüringen, die in
der katholischen Kirche wegen ihrer großen Mildtätigkeit heilig gesprochen wurde; sie wird auch
im protestantischen Bereich geehrt. Konrad ist eine umstrittene Persönlichkeit. Siehe dazu der
Artikel über ihn auf Wikipedia.

Er ist für mich ein Beispiel für die Widersprüchlichkeit zwischen einer bejahenden Herzenseinstellung zu christlichen Grundsätzen und der daraus folgenden Umsetzung, also den Methoden, wie man diesen Grundsätzen im Leben der Menschen Raum schaffen will. Andere Menschen, die sich diesen Methoden nicht unterwerfen wollen, werden als Häretiker betrachtet und  ggf. so behandelt. Das sehe ich bei Vertretern des m.E. unechten Christentums wie Konrad von Marburg deutlich.

Wer nicht aus Liebe handelt, ist eine klingende Schelle und mehr, siehe 1. Kor. 13. Es kann sein, dass er vor Gott im Gericht nicht besteht. Das müssen wir ihm als dem Gerichtsherrn und seinen Beauftragten (1. Kor. 6,2) überlassen. Die Richter für die Ewigkeit allein wissen, warum ein Mensch so handelt, so ist, so geworden ist, so sein wird. Wir sind nach Mt. 7,1 aufgefordert, nicht zu richten.

Daraus darf nicht geschlussfolgert werden, menschliche Handlungsweisen bzw. menschliche Lehren nicht an christlichen bzw. ethischen/sittlichen Maßstäben messen zu dürfen. Wichtig erscheint mir dabei der Balken/Splitter-Grundsatz aus Mt. 7,3; was bedeutet, damit zuerst bei sich selbst zu beginnen, also, wie ein Sprichwort besagt, zuerst vor der eigenen Tür zu kehren; letzteres wird kaum bzw. ungern praktiziert. Dieses ist uns Menschen von Natur nicht gegeben. Nicht wenige Leser werden die Nase rümpfen, wenn ich sie verdächtige, doch zumindest ein wenig den Geist des Konrad von Marburg in sich zu haben.

Ich stelle eine Aufgabe: Suche die starken Argumente Deiner Gegenseite zusammen, suche sie zu stärken ! Sammle zuerst nicht alles zusammen, was Deine Position zu stärken scheint ! Wir Menschen leiden zu sehr am Dualismus, ich habe den Eindruck gewonnen, dass wir diesen nicht überwinden können. Was bei Gott eins ist, ist bei uns uneins. Dies schlussfolgere ich aus einer Aussage des in der Schweiz lebenden Theologen Benedikt Peters (siehe Wikipedia); zum Gegensatz zwischen Arminianern und Calvinisten äußerte er: Beide haben recht ! Diese Aussage ist mir zu einem Schlüsselsatz geworden.

Genauso wie die Aussagen im 2. bzw. 14. Kapitel des Briefes an die Römer. Mit rein dualem Verhalten bzw. den entsprechenden Vorgehensweisen kommen wir nicht weiter. Das bemerkte ich deutlich im Rahmen der Coronakrise. Ich kann hier jede Menge Argumente für die Maßnahmen der Politik zusammentragen wie auch dagegen. Das Problem nicht nur hier ist, wie viele Fakten sind gefälscht (also in Wirklichkeit keine) oder künstlich kreiert. Es ist kaum möglich, die getrennten verschiedenen Lager zusammenzubringen, Konsens wäre besser als der Kompromiss, der wohl immerzu Fäulnis in sich birgt.

Kürzlich las ich in den Schriften eines messianischen Juden dessen Verurteilung der Ersatztheologie
als dämonisch. Ich bekenne, dass ich selbst ein überzeugter Anhänger dieser Richtung bin. In den
Augen eines Bruders – ich sehe in diesem Mann einen geistlichen Bruder, keinen Gegner oder Feind
– hänge ich also dämonischen Lehren an.. Somit kann ich vermutlich aus seiner Sicht kein Bruder sein. Anhänger dieser Lehre hindern laut eines Buches des Pastors einer neocharismatischen Gemeinde womöglich die Wiederkunft Christi, weil sie den Menschen, die der Abstammung nach Juden sind, nicht die ihnen gebührende geistliche Stellung zubilligen.

Hier sehe ich für mich ein herausforderndes Beispiel, nicht in eine dualistische Position einzutreten, nicht sozusagen zum Kampf auf offener Bühne herauszufordern. Hier hoffe ich lieber auf göttliche Zusicherungen wie z.B. in Jes. 50,10 zweiter Satz.

Wir Menschen neigen zu folgendem: – Die Gewissen anderer nach unseren Vorstellungen und Prämissen lenken und beherrschen zu wollen. Der Begriff „Geistlicher Missbrauch“ ist dazu bekannt geworden. Da gibt es Missionare, die zum Missionieren die Fähigkeit haben und wohl von Gott dazu berufen sind. Nun bereiten manche von ihnen anderen ein Gewissen, weil sie nicht missionieren. Da frage ich: Ist das nicht eine persönliche Angelegenheit zwischen Gott und dem einzelnen ? Gott gibt doch die Gaben und setzt sie ein (1. Kor. 7,7 und 12,1 ff.). Es ist doch die persönliche Verantwortung eines jeden Menschen vor Gott. ob er diese Gaben einsetzt oder nicht. Wir sollen den HERRN um Arbeiter in der Ernte bitten (Mt. 9,38).

Ich habe eine Internetseite kennengelernt, wo der Betreiber den Menschen ein Gewissen macht, damit sie Geld für Gemeinnützigkeit und Arme bzw. das Werk Gottes geben. Interessant fand ich dabei, wie man das Wort Gottes gebrauchen bzw. missbrauchen kann. Mir kommt der Mann wie ein moderner Ablasshändler vor. Ich habe diese Seite seit Jahren nicht mehr besucht. Auf einen kritischen Brief von mir schrieb er kurz, dass ich nicht mehr weiter mit ihm korrespondieren solle. Auf meine Ausführungen ging er nicht ein. Hat nicht Gott einen fröhlichen Geber lieb (2. Kor. 9,7) ?

-Zur Personenverehrung, obwohl wir nur Gott bzw. Jesus Christus ehren sollen. Ich mag Standbilder nicht, auch nicht von als groß geltenden Gläubigen wie Luther. Lies dazu 1. Kor. 3,4-8. Dabei stelle ich nicht in Abrede, Achtung vor den Personen zu haben, die unstreitig (!) Gott eingesetzt hat. Bei Verehrung von Menschen, gleich welchen geistlichen Standes, geraten wir jedoch in den möglichen Sog zum Antichristus hin. Das erkannte ich an Ausführungen des erwähnten messianischen Juden zur Zahl 666 der Offenbarung Kapitel 13,18. Danach hat diese  Zahl die Bedeutung Mensch, Mensch, Mensch. Über den Humanismus sucht der Mensch, sich über Gott zu erheben, woran er scheitern wird.

Von Apotheose ist also abzuraten.. Lies Joh. 7,18. Ich sehe die Notwendigkeit, von der Aufmerksamkeit auf die eigene Person in einem gewissen Umfang abzulenken. Jesus zog sich zurück, als sie ihn zum König nach ihren Vorstellungen machen wollten, vgl. Joh. 6,15. -Dass unsere persönlichen Vorstellungen und Maßstäbe eher allgemein gültig zu sein haben. Auch mit diesem Essay versuche ich, in wie ich denke erkannte Lücken im menschlichen Verhalten zu stoßen – und sie auszufüllen – zur Förderung des Friedens untereinander und für den Fortschritt des geistlichen Reiches Gottes auf Erden bis zur Wiederkunft des HERRN Jesus.

Ich lege des Lesen bzw. Studieren des 6. Kapitels des Johannes-Evangeliums an dieser Stelle nahe.
Aktuell habe ich mich mit zwei Personen der Geschichte beschäftigt: Mit der bereits erwähnten Elisabeth von Thüringen und mit dem österreichischen Kaiser Joseph dem Zweiten, dem Sohn der Kaiserin Maria Theresia. Beide bemühten sich – wohl aus verschiedenen Motiven heraus – um die Armen und materiell Bedürftigen. Beide wiesen in ihren Charaktermerkmalen Unausgeglichenheiten auf, wie das bei uns allen der Fall ist. Bei beiden spielte offenbar der Mangel an Agape-Liebe im Geben und Nehmen eine Rolle. Beide erlebten diesbezüglich Defizite und hatten diese. Beide erlitten schwere Schicksalsschläge. Beide neigten in mancherlei Hinsicht zu extremem bzw. unweisem Verhalten, was sich auf ihre Umwelt negativ auswirkte. Dadurch zerstörten sie teilweise das gute, das von ihnen durchaus kam. Hier kommt der Geist des Konrad von Marburg in einem bestimmten Ausmaß zum Durchbruch, finde ich, ich kann mich hier irren. Das stelle ich zur Debatte.

Was mir auch in christlichen Bereichen auffällt, ist das mangelnde Mitgefühl, das Fehlen der Fähigkeit, „in den Schuhen des anderen gehen zu können“ (diese Aussage ist vielleicht nicht so unbekannt, ich vernahm sie vor einigen Wochen bei einem Online-Seminar meines örtlichen Angehörigenverbands (Angehörige psychisch Erkrankter). Das ist nicht nur bei einem Konrad von Marburg erkennbar. Aus diesem Mangel entspringt z.B. die Neigung, anderen Lasten aufzulegen, die man selbst nicht tragen will; lies Luk. 11,46 und auch Gal. 6,2. Hier kommt auch wieder der Versuch, die Gewissen anderer zu beherrschen, zum Vorschein.

Ein Extrembeispiel sind die gesetzlichen Vorschriften, wie der jüdische Sabbat zu halten ist. Ein anderes Beispiel ist für mich die Einstellung, Menschen ein Gewissen zu machen, die sich verbrennen lassen, anstelle einer Erdbestattung. Dazu gibt es Bücher im christlichen Bereich. Ich hätte mir die Mühe nicht gemacht, diese zu schreiben; ich habe jahrzehntelang in Ausübung meines Berufes (staatliche Leistungen u.a. zu Bestattungskosten) die Kosten von Bestattungen nebst Grabkosten wahrgenommen. Persönlich halte ich es für eine Zumutung, daß sich die lebenden Nachkommen ev. verschulden müssen, damit eine kulturelle Auffassung in das Gewand des Wortes Gottes gekleidet hochgehalten wird.

Es ist für bekennende Christen richtig, sich zu den Ordnungen Gottes im Bereich der Familie und der Geschlechter zu bekennen. Doch kann man auch dies auf pharisäische Weise tun und z.B. nur
Verdammungsurteile aussprechen statt liebevoll zu warnen. Christen sollten nicht die Welt beherrschen wollen, die Welt hat ihre Freiheit und Christen sollten dies respektieren. Die Grenzen sind dort, wo die Welt den Christen ihre Freiheit bestreitet, z.B. die Weigerung, nicht alle veröffentlichten Meinungen nachzuplappern.

Die Welt verletzt z.B. ihre Prinzipien von Freiheit und Toleranz, wenn sie Christen verbietet, Konversionsbehandlungen für Homosexuelle anzubieten. An diesem Beispiel will ich deutlich machen, dass ich einerseits pharisäisches Herumhacken auf Homosexuellen ablehne, aber auch den Gang der Welt, der anderen Auffassungen dazu mit Meinungsterror begegnet. Hier sind Entwicklungen zu erkennen, die zur Vollendung des antichristlichen Weltreiches führen werden, was nicht Gegenstand dieses Essays ist.

Wenn es wie wohl zu erwarten ist auch in westlichen Ländern zur Verarmung breiter Teile der
Bevölkerung kommen wird, sollte die Christenheit die Chance nutzen, das Licht der Bergpredigt
auszuleben; es wird zu Plünderungen und Überfällen zumindest in Ballungsgebieten kommen, davon bin ich überzeugt. Dann kann auch immer noch vorhandenen Mängeln im Bereich der Seelsorge begegnet werden. Kürzlich riet mir ein Freund, Vertrauen in einer verwandtschaftlichen Beziehung aufzubauen statt zum geistlichen Schwert zu greifen; letzteres wäre eher meine natürliche Neigung gewesen. Im Mai 2021 fand ich in Gegenwart meiner Frau auf einer Bank am Weg eine Karte der Strasseneinsatz.org, auf welcher stand: „Vertrauen ist der Anfang von allem.“ Ich glaube, dass mir der HERR diese Karte hingelegt hat, denn Vertrauen zu üben fällt mir wegen der Prägungen meines Lebens schwer, ja, mitunter sehr schwer. Manchmal erlebe ich Situationen, wo ich misstrauisch bin, Vertrauen aber angebracht gewesen wäre.

Immer schon beschäftigt mich die Frage, ob ein Mensch für die Ewigkeit allein wegen seiner Veranlagung (Temperament, sexuelle Ausrichtung usw.) verloren gehen kann. Oder wegen geistlicher Irrtümer. In Teilen der Christenheit scheint dies suggeriert zu werden. Was ist mit den Menschen, die aus Herzensüberzeugung gute Werke tun wie Ehrenamtliche, Ärzte ohne Grenzen usw. ? Gehen sie verloren, weil sie zu Jesus Christus nicht ja gesagt haben ?

Die im christlichen Bereich völlig unkonventionelle Seite www.matth2323.de befasst sich mit solchen Fragen, der Betreiber hat keine Berührungsängste in Bezug auf Themen zur Widerspruchslosigkeit der Bibel, zur Chikagoerklärung, zu Zweifelsfragen aller Art. Ich finde, dass nicht wenige Christen sich davor scheuen, unangenehme Fragestellungen anzugehen bzw. sich damit zu beschäftigen, da gibt es für mein Dafürhalten keinen großen Unterschied zur Welt. Hier wie dort werden vorgefertigte Auffassungen gerne auf bequeme Weise und unkritisch nachgeplappert. Wo bleibt da die persönliche Gewissensentscheidung und persönliche Verantwortung des Einzelnen – oder hat das was mit den falschen Entwicklungen des Individualismus zu tun ?

Ich teile die Auffassung eines Freundes, dass Christen in Hauskreismanier sich gemeinsam austauschen sollen, wobei ein Erster unter Gleichen die organisatorische Leitung übernimmt. Wir lehnen die biblisch begründete Einsetzung von Ältesten nicht ab, jedoch die einseitige Anpredigt von vorne, sowie große kostspielige Kirchengebäude (dazu Jes. 66,1) und zahlenmäßig große Gemeinden. Menschliche Marketing-Methoden haben in der wahren Gemeinde Gottes nichts zu suchen.

Haben wir Menschen – gleich, ob bekehrt oder nicht – eine tief sitzende Bitterkeit gegen unseren Schöpfer im Herzen, ausgehend von der Äußerung Adams: „Das Weib, das Du mir gegeben hast….“ siehe 1. Mose 3,12 ? Dass wir also geneigt sind, ihm ständig Vorwürfe zu machen, wenn es nicht so geht wie wir uns das vorstellen ?

Eine große Hilfestellung erlebe ich darin, nicht über die Fehler anderer nachzudenken, sondern dieses zu praktizieren: „Die Liebe deckt der Sünden Menge“ (siehe 1. Petr. 4,8). Die göttliche Aufforderung, ihn (Gott) mit allen Kräften zu lieben und seinen Nächsten, ist eine, wenn nicht die große Medizin. Das schließt Weisheit und Einfühlungsvermögen mit ein, Affenliebe aus. Wer sich dem Geist des Konrad von Marburg nicht entzieht, läuft Gefahr, in der Pharisäerfalle zu landen, wenn er nicht schon drin sitzt (siehe das gleichnamige Buch von Tom Hovestol). Ausgehend von der oben erwähnten Lastenauferlegung auf andere trifft das auch auf die von anderen geforderte Selbstkasteiung zu wie Konrad von Marburg dies von Elisabeth forderte und erzwang.

Zwischen biblischen Textstellen gibt es nicht selten ein Spannungsverhältnis, welche die schon erwähnte Webseite www.matth2323.de in einer selten vorkommenden Art und Weise zu lösen versucht. Ein Beispiel sehe ich zwischen Kol. 2,23 und 3,5. Einerseits wird die Selbstkasteiung abgelehnt und verurteilt, als eine falsche Lehre bezeichnet, die nicht von Gott kommt. Andererseits wird zur Tötung der Glieder aufgefordert, die auf Erden sind. Was nun, HERR ? Wie soll ich mit solchen Spannungen klarkommen ?

Zu diesem Spannungsfeld fand ich eine gute Antwort in einem Heft über den Humanismus („Humanismus, der letzte Riese Teil 2“ von Chuck Cohen, dem erwähnten messianischen Juden): Da steht auf Seite 44 zu lesen: „Das `Fleisch`, gegen welches uns das Neue Testament auffordert, zu kämpfen, ist nicht unser physischer Körper, den Gott als Teil seiner Schöpfung als `sehr gut` (Meine Anmerkung: Allerdings vor dem Sündenfall) bezeichnet hat. Das `Fleisch`, auf das das Neue Testament Bezug nimmt, ist unsere Sündennatur, die auch nach unserer Errettung in uns wohnt und unseren Leib, unser Denken und unsere Seele in Versuchung führt, dem eigenen Selbst zu dienen anstatt Gott. Wir erkennen, dass sich dies nicht auf unsere physischen Körper beziehen kann, weil Paulus uns dazu auffordert, unser physisches und mentales Leben Gott als ein lebendiges Opfer darzubringen (Röm. 12,1), was unser `vernünftiger Gottesdienst` ist.

In der Gemeinde sehen wir dieselben philosophischen Fehler in Bezug auf die Kreuzigung des Fleisches – wo man sich wieder – wie im vorangegangenen Abschnitt – auf das falsche `Fleisch`fokussiert. Einige der kirchengeschichtlichen Früchte davon sind mönchische Absonderung, Ehelosigkeit, schwarze Kleidung, kein Tanzen etc. In der Vergangenheit haben manche sogar versucht zu beweisen, dass die Bibel total gegen jeden Konsum von Alkohol ist (Meine Anmerkung: Vgl. dazu das erwähnte Buch über die Pharisäerfalle S. 166/167). Doch während die Bibel deutlich vor den Gefahren der Trunksucht warnt, schreibt sie niemals völlige Abstinenz vor.“ Unstrittig gibt es Personen, die der HERR zur Abstinenz verpflichtet hat wie z.B. Jeremia, der keine Frau nehmen sollte (Jer. 16,2), Johannes den Täufer, Paulus, Jesus Christus selbst. Auch in der jüngeren Vergangenheit und heute begegnen wir Christen, die solch ein Leben aus innerster Überzeugung gewählt haben, weil die Notwendigkeit für bestimmte Dienste besteht. Gott selbst hat sie davon überzeugt und gibt ihnen das Vermögen, solch ein Leben führen zu können. Dies hat nichts mit dem allgemeinen Mönchtum zu tun, wobei ich nicht ausschließe, dass solche von Gott geführte Menschen auch innerhalb der Klöster zu finden sind.

Die einseitige Anwendung von Kol.2,23 hat dagegen in der Kirche zu sexuellen Fehltritten geführt, was belegt, dass die in solche Sünden gefallenen Menschen nicht von Gott geleitet waren. Hier tritt wieder der Geist des Konrad von Marburg zu Tage. Ich zweifle, ob Elisabeth nach dem Tod ihres Ehemannes solch ein Leben hätte führen sollen. Als Gemahlin des Kaisers hätte sie ihre altruistischen Ziele womöglich noch wirksamer erreichen können, und dies auch für einen längeren Zeitraum. Gott hat es so zugelassen und ich will an dem, was geschehen ist, nicht weiter herumdeuteln. Das für Menschen unlösbare Problem der Theodizee taste ich nicht an. Was ich anerkenne, ist, daß Gott Menschen durch Leiden sich nahe bringt; er leidet auch, siehe u.a. Jes. 63,9. Durch gottgegebene Leiden kommt der Mensch Gott immer näher, so er sie ohne Bitterkeit und mit Frieden im Herzen von ihm annimmt; dies im Gegensatz zu selbst auferlegten Leiden, die nicht von Gott kommen und auf Abwege aller Art führen können.

Kürzlich sprach ich mit einer Sozialberaterin über Probleme, die ich persönlich habe. Dabei erfuhr ich, dass sie eine christliche Gemeinde verlassen hat, weil sie mit so manchem dort nicht mehr einverstanden war. Die Gründe hierfür hätten mich interessiert. Da der Kontakt nicht auf privater Ebene stattfand, wird die Information darüber für mich wohl nicht möglich sein. Zuvor war sie aus der römisch-katholischen Kirche wegen der Missbrauchsfälle ausgetreten.

Im allgemeinen sehe ich, dass der Mensch ohne Gott nicht selten zu Extremen neigt. Das ist sowohl in der Selbstkasteiung zu sehen als auch im Gegenteil, einem exzessiven unbeherrschten Leben der Lüste, im Hedonismus. Gott hat uns einen Verstand gegeben. Über diesen und nicht zuletzt über das Wirken seines Geistes an und in uns finden wir zu einem ausgewogenen Leben außerhalb jeglicher Extreme. Dabei ist wichtig, zu sehen, daß die persönlichen Maßstäbe unterschiedlich sind und Regelungen für das Zusammenleben wie in Römer 14 eine große Hilfestellung sein können.

Abgeschlossen am 08.05.2022

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