Lieber Bruder,
was erzählst du da?
Ich würde Gott negativ sehen „und muss da raus“?
Ängste gar vor dem Himmel? Ich muss mich auch dieser Angst aussetzen, damit ich sie verliere? Und ich soll mir die Hölle aus der Nähe angucken, dann würde ich meine Angst verlieren … Bewiesen mit einer Übung an einer Spinne?
Lass mal deinen Psychologen stecken. Irgendwas hast du da missverstanden.
Auch die Anwendung auf meine Situation zeigt nur Nicht-Begreifen.
Ich bin meine panische Angst vor der Hölle nach Jahren losgeworden – aber bestimmt nicht auf die Weise, die du hier empfiehlst. Du schreibst, dass die Brutalität in vielen Bibeltexten „notwendig sei, um die Leichtfertigen zu warnen“. Ach so, Händeabhacken, Babys abschlachten, Ausrottung einer Sippe mit Mann und Maus wegen des Fehlverhalten eines einzelnen, das ist pädagogisch sinnvoll? Jeder (mit nur etwas Verstand) weiß, dass überzogene Strafen selbst wieder ein Verbrechen sind. Unser Strafrecht kennt ja deshalb auch das Verbrechen des Notwehrexzesses, das selbst wieder strafbar ist. Diese Regelung ist gerecht und sinnvoll. Oder nicht?
Überzogene Strafen lehren niemanden Gerechtigkeit, weder den Täter noch die Zuschauer, sondern hier entsteht zweierlei: in sensiblen Naturen entsteht das Bemühen um Gehorsam aus Angst, der völlig wertlos ist, denn Gehorsam aus Liebe wird dadurch unmöglich gemacht. Den meisten Menschen aber dient gerade der Exzess als Grund, den christlichen Glauben von vornherein für Schwachsinn zu halten. Die Leichtfertigen werden also zur Leichtfertigkeit verführt, ja geradezu darin BESTÄTIGT . Und jetzt kommst du daher und erhebst wichtigtuerisch den Zeigefinger: Ja, die Güte Gottes sei eben ein Geheimnis, das kaum jemand versteht. Dieser schwachsinnige Gedanke soll jetzt die fatalen Nebenwirkungen der Erziehung zur Servilität und zur Leichtfertigkeit verhindern? Du glaubst es offenbar, aber da ist dir wohl nicht zu helfen. Ich denke, Kinder verstehen sehr gut, was Güte und Liebe ist, und deshalb wird man in keiner Kinderbibel solche scheußlichen Gewaltexzesse finden. Und da ich nicht an die Inspiration dieser Scheußlichkeiten glaube, sondern sie für menschliches Versagen in der Tradition halte, kann ich mir ein widerspruchsfrei positives Gottesbild leisten. Hast du es immer noch nicht bemerkt? Wenn du meine Internetseite anschauen würdest, wüsstest du es. Ohne das könnte ich gar nicht froh werden.
Das, was ich als eifriger blindgläubiger Bibelleser der Bibel in frühester Jugend entnommen habe: Gott ist ein Gewaltherrscher, der sinnlos unverständlich und exzessiv Gewalt übt. Für seine Ideen opfert er seinen Sohn (aus Liebe ??? Oder so, wie auch fanatische Islamisten ggf. die eigenen Kinder opfern?), um einer vor Anbeginn der Welt auserwählten kleinen Schar vergeben zu können, die sich durch Selbstverleugnung und Selbstlosigkeit, durch Absage an alles Eigentum, durch Tun alles Guten, was ihr bewusst ist, durch ausnahmslose sexueller Enthaltsamkeit profiliert hat und insbesondere nie in einer Sünde dauerhaft und mutwillig festhängt. Eine weitere Charaktereigenschaft dieses Gottes scheint – ungeachtet aller Brutalität – die Sentimentalität zu sein: Während Saul sein Königtum unwiderruflich weggenommen wurde, nachdem er einen Tötungsbefehl des Propheten Samuels nicht ausgeführt hatte (1Sam 15,9-11), leistete sich der Nachfolger David wesentlich größere und schwere Sünden, Ehebruch und Auftragsmord (2Sam 2ff), Massenmord (1Sam 27,8-11 / 2Sam 21, 1ff) und Eidbruch (2Sam 19,22 – 24 / 1Kö 2,8 – 9), und dennoch wurde ihm schon früh zugesichert, dass er seine Königswürde nie verlieren würde. (2Sam 7,14 – 15) Noch grotesker ging es bei seinem Sohn, dem König Salomo zu, der einen beispiellosen Götzendienst betrieb (1Kö 11), um seine 1000 Frauen zufriedenzustellen. Früher mussten Kinder – angeblich auf göttlichen Befehl – zu Hunderten abgeschlachtet werden, um der Verführung zum Götzendienst gegenzusteuern (4Mose 31, 14-18). Dem frommen König Salomo hingegen – der aller Welt das denkbar übelste Vorbild lieferte – passierte nichts. Dennoch behielt er zeitlebens die Königswürde (1Kö 11,12) und verfasste sogar noch drei Schriften in der Bibel, die sogar Christen heute Wegweisung geben sollen. Wie mir in der frommen Gruppe ständig eingetrichtert wurde, ist dieses Recht zur Willkür Ausdruck seiner „Souveränität“.
Wer das anerkennt und bejubelt, verbessert vielleicht seine Chancen, dass ihm selber nicht ähnlich Grausames widerfährt. Wer gläubig alles nachplappert wird gerettet (Rö 10,9) Und so wird allerorten gejubelt, was das Zeug hält.
Was mir wirklich geholfen hat aus schwerster Seelennot?. Ein einfacher Gedanke. Deine Spekulationen sicherlich nicht. Sondern ein Wort des Apostels selber: Überzogene Grausamkeit ist nicht nützlich, sie dient nicht zur Besserung und ist daher auch nicht inspiriert (2Tim 3,16)
Möglicherweise hat es einmal eine Regelung, einen Impuls gegeben, um Leichtfertige zu warnen. Doch der Mensch hat eben auch solche Impulse oft missverstanden und seinem Horizont gemäß missinterpretiert.
Jeder gläubige Mensch ist dem Sog der Subjektivität von Anfang an ausgesetzt: Mit dem Wort „WIR“ bezieht der Apostel Paulus ausdrücklich sämtliche Bibellehrer einschließlich sich selbst mit ein! Interessen, Verlustängste, Oberflächlichkeit, ein begrenzter Horizont und nicht zuletzt die mangelhafte Wahrnehmung anderer Lebensschicksale beeinträchtigen ständig die Urteilskraft. Gerade deswegen fordert der Apostel Paulus die Galater auf, zu prüfen. Gerade deshalb räumt die Bibel dem Gläubigen eine nahezu unbegrenzte Befugnis zur Prüfung ein (1Kor 2,15), deren erstaunlicher Umfang auch im Apostelkonzil (Apg 15) erkennbar ist. Das Beispiel des Petrus, der sich aus Menschenfurcht bei den gesetzestreuen Juden anbiederte (Gal 2,11 ff), zeigt ja deutlich, dass eine Verfälschung des Evangeliums von Anfang an möglich war (!) – selbst bei dem Apostel, den Christus den „Felsen“ genannt hatte, „auf den er seine Kirche bauen“ wollte (Mt 16,18). War sie aber bei dem bedeutendsten Apostel möglich, der die Urgemeinde ins Leben gerufen hatte – trotz seiner Pfingsterfahrung (!) -, dann erst recht bei allen anderen Christen.
Auch über gläubig gewordene Menschen macht sich die Bibel herzlich wenig Illusionen: „Denn, selbstsüchtig wie wir sind, wollen wir immer das Gegenteil von dem, was Gottes Geist will. Doch der Geist Gottes duldet unseren Egoismus nicht. Beide kämpfen gegeneinander, so dass ihr gute Absichten nicht in die Tat umsetzen könnt.“ (Gal 5,17). Somit gibt es den von bibeltreuen Theologen beschworenen Idealzustand des Gläubigen überhaupt nicht, der ihn zu einer völlig objektiven Weitergabe des mündlichen Gotteswortes befähigen würde.
Das führt zu einem glaubwürdigeren Schriftverständnis, das psychologisch überzeugend ist: Eine evangeliumstreue Sicht, in der der Geist der Liebe einzelne Bibeltexte autorisiert und andere Bibeltexte eben nicht. Steht alles in bibelbrillen.de Doch du gehst nicht darauf ein. Wundert mich das? Die „Bibeltreue“ ist dein Götze. Ohne das geht es nicht, auch wenn dadurch ständig psychologisch und geistlich schwachsinnige Konstrukte zustande kommen. Solche Leute wie du sind nicht mehr bildungsfähig. Es gibt kein Abwägen der Stärken und Schwächen mehr. Durch ständiges Abspielen der ideologisch-bibeltreuen Schallplatte versucht ihr durch Übertönung und Verdrängung das saubere widerspruchsfreie Denken eurer Mitchristen lahmzulegen.
Diese Penetranz ist psychisch äußerst belastend für mich. Es ist eine Zumutung, auch noch per Audio deine Indoktrination anzuhören. Texte könnte ich wenigstens überfliegen und gleich merken: die Schallplatte kennst du doch schon. Nimm es zur Kenntnis: Menschen sind froh geworden durch eine evangeliumstreue Sicht, in der der Geist der Liebe einzelne Bibeltexte autorisiert und manche Texte eben nicht. Gleich auf der ersten Seite habe ich ein solchen Zeugnis abgedruckt. Interessiert es dich? Natürlich nicht.
Ich habe meine Panik überwunden. Auch dass bemerkst du nicht, sondern unterstellst mir hier Zustände, die längst überwunden sind. Du bemerkst nichts. So ist es eben: Andere Sichtweisen könnt ihr nicht ehrlich diskutieren. Und wenn ich es dreimal hinschreibe, ihr werdet es nicht tun. Das wäre ehrlich, aber dazu habt ihr ein zu starkes frommes Ego. Deswegen bleibt dein frommer Club auch so ignorant. Ihr könnt nur indoktrinieren. Mag auch das Leben einzelner dadurch zerstört werden, im Himmel kommt ja der Ausgleich. Deswegen gibt es nach deiner Sicht auch nichts zu beanstanden.
Und das ist der Hauptgrund meiner Depression heute. Diese Überheblichkeit, dieses fromme Pseudo-Bibelwissen auf Kosten anderer – furchtbar! Meine Antwort hat wieder viel Kraft gekostet und viel negative Gefühle aufgewühlt. Immer Einbahnstraße! Du belehrst mich, und selbst hast du auf meiner Internetseite weder kommentiert und korrigiert. Hör auf als Psychologe zu pfuschen.
Ich überlege mir ernsthaf , ob ich in Zukunft alle theologischen Belehrungen per Audio, die du mir schickst, und die ich nicht überfliegen kann, ungehört lösche. Der immer neu aufgetischte alte Schwachsinn tut mir gesundheitlich wirklich nicht gut.
